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Drei aus der Prinzengarde: Tobias Künzel (vorn) mit den Kollegen Sebastian Krumbiegel (re.) und Jens Sembdner. Foto: t&w
Drei aus der Prinzengarde: Tobias Künzel (vorn) mit den Kollegen Sebastian Krumbiegel (re.) und Jens Sembdner. Foto: t&w

Die Prinzen in Lüneburg: Gabi und Klaus werden auch älter +++ mit LZplay-Video

oc Lüneburg. Sie haben sich wie immer gut vorbereitet. Konzert Nummer 16 der Theatertour ist zugleich das Finale, und zu Lüneburg fällt den Prinzen im ausverkauften Theater einiges ein, von der angeblich höchsten Kneipendichte im Lande bis zum Thema Senkung. Ganz zuerst aber, da stimmen sie sogar das Lied eines Lüneburgers an, „Der Mond ist aufgegangen“, das wurde vor 225 Jahren von JAP Schulz geschrieben. Bei den Prinzen schwappt die Melodie schnell über in ein eigenes Stück, das mit dem Mann im Mond. Nichts fehlt aus der Hitkiste in den kommenden gut zwei Stunden, und die Stimmung ist durchgehend so, als würde der HSV beim Heimspiel jede Menge Tore schießen sensationell!

Auch Prinzen kommen in die Jahre, das Leben ist eben grausam. Sie sind nun alle so um die 50, da dürfen ein paar Jahresringe mit auf Tour gehen. Und dass früher alles höher war bzw. die Höhen leichter waren, das kann Sebastian Krumbiegel auch nicht ganz kaschieren. Aber als gelernter Thomaner besitzt der Leipziger Sängerknabe alle Technik dieser Welt, Klippen elegant zu umschiffen. Mit Tobias Künzel bildet Krumbiegel das Frontduo der Band, doch sie beschwören immer wieder den familiären Charakter des gesamten Musikunternehmens inklusive der Fans. Sie haben sich sogar selbst um die Tourplanung gekümmert und keine Agentur dazwischengeschaltet. Macht Arbeit, spart Geld.

Es fehlt nichts an diesem sympathischen Abend. Die Prinzen haben vor knapp 25 Jahren der Szene mit ihrem vom A-cappella-Gesang herkommenden Pop einen frischen Dreh gegeben. Das Rezept: mehrstimmiger Gesang, ironische Texte und Melodiephrasen, die sich ins Gehirn fräsen und sofort zum Mitsingen animieren. Klatschalarm herrscht laufend an diesem Abend, mitgesungen wird auch jede Menge.

In die Jahre gekommen sind auch „Gabi und Klaus“: Das erste von der Band besungene Pärchen bekommt 2015 eine erwachsene Fassung. Sonst gelten die alten Imperative unverändert: „Küssen verboten“, „Schwein sein“, „Alles nur geklaut“. Dazwischen bauen die mit Bass, Drums, Tasten und Gitarre begleiteten Sänger nicht so bekannte Songs ein, machen ihr Engagement gegen Dumpfbacken deutlich und beweisen, dass auch ungewöhnliche Texte beste Singqualität besitzen können: „Vergammelte Speisen zu überhöhten Preisen sind zurückzuweisen. . .“ Aus der kommenden CD „Familienalbum“ bieten sie ein stilles Stück, das innigste des Abends: „Er steht im Regen.“

Der Rest war Sonnenschein, Zugaben inklusive.