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Alle Energie für die Eroica, es wird ein Triumph für die jungen Musiker. Foto: t&w
Alle Energie für die Eroica, es wird ein Triumph für die jungen Musiker. Foto: t&w

assembling reflector ensemble: Sie sind jung und verdammt gut

oc Lüneburg. Es soll mal eine Zeit gegeben haben, in der ein Musiker seine Musik studierte und dann von seinem Musizieren ganz gut lebte. Das gibt es noch. Aber von den rund 2000 Talenten, die als Pianisten, Cellisten, Geiger, Sänger und Hornisten Jahr um Jahr aus den Hochschulen strömen, gelingt es nur wenigen, ein einigermaßen sicheres Auskommen zu finden. Der Stellenmarkt für Musiker schrumpft, es braucht Ideen, um als Musiker leben zu können. Eine Idee heißt „assembling ensemble reflektor“. Sie erlebte ihre musikalische Taufe in der Musikschule Lüneburg und macht Hoffnung.

Sie sind jung, sie sind verdammt gut, sie stehen an der Schwelle zwischen Studium und Berufsleben, und sie nehmen „die Gestaltung ihres Berufsbildes selbst in die Hand“, schreiben die Musiker in ihrer Selbstdarstellung. Die rund 40 Mitstreitenden stammen aus dem Umfeld der jungen norddeutschen philharmonie, sie wollen sich nun zwischen Kammermusik und Kammerorchester positionieren und probieren dazu einiges aus.

Eine Woche lang haben sie sich in der Musikschule mit Beethoven befasst, als Quartett, Septett, Sextett und als Ganzes mit der „Eroica“, einem Schwergewicht der symphonischen Literatur. Klar ist den in den Tagen zuvor mit neongelben Westen Reklame laufenden Reflektierenden, dass sie sich auf einem engen Markt befinden, dass es zusätzliche Wege der Vermittlung braucht, um neues, dringend nötiges Publikum zu gewinnen. Das ist kein Problem in der Musikschule. Das Klangkollektiv wird vom Ansturm der Besucher überrascht, sodass die erste Idee nicht wirklich aufgeht. Kleine Formationen haben sich im Foyer und auf der Treppe platziert, um von dort je ein Sätzchen aus der Kammermusikwelt Beethovens zu spielen. Das geschieht, wirklich genießen kann es ein Bruchteil der sich durchs Foyer schiebenden Menge. Das abschließende Septett lockt aber schon in den Saal, und dann nimmt das beschlipste und gepiercte Orchester Platz für Beethovens „Dritte“.

Dirigent ist Thomas Klug, man kennt sich aus gemeinsamen Aktionen mit der jungen norddeutschen philharmonie. Klug ist ein großartiger Motivator, und er wird diesen Beethoven regelrecht tanzen. Das passt, denn abgesehen vom Trauermarsch-Satz strotzt die Musik vor Aufbruchstimmung. Musiziert wird mit Feuer, von den abgezirkelten Orchesterschlägen bis zu quirligen Einwürfen der Querflöten, von derbem Tanz bis zum rasend gespielten, blitzenden Finale. Standing Ovations ernten die Musiker, die ihre Beethovenwoche wenige Schritte weiter im Mälzer ausklingen lassen. Feiern können sie übrigens, wie einschlägig informierte Kreise berichten, genauso dynamisch, wie sie spielen.

Es soll weitergehen mit dem ensemble reflektor, zu dem der Lüneburger Trompeter Anton Borderieux gehört. Pultnachbar Manuel Mischel kommt aus Uelzen, der große Rest aus der ganzen Republik. Der Scharnebecker Cellist Jakob Nierenz ist diesmal beim Orchesterpart nicht dabei, er ist stark in die Organisation eingebunden und zieht zum Weiterstudieren in Kürze nach Boston.

Ein Verein, das haben die Musiker beschlossen, soll sich gründen, um die Struktur des Ganzen zu stärken. Eine Art Heimat-Standort suchen sie noch, sagt Matthes Günther vom Team. Im November jedenfalls spielen sie in Hamburg. Beethovens „Eroica“ wird auch dabeisein.