Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Justine Otto beim Aufbau ihrer Ausstellung in der Kulturbäckerei, hier vor einem ihrer neuen Bilder, die oft noch keinen Titel tragen. Foto: t&w
Justine Otto beim Aufbau ihrer Ausstellung in der Kulturbäckerei, hier vor einem ihrer neuen Bilder, die oft noch keinen Titel tragen. Foto: t&w

Justine Otto in der Kulturbäckerei: „Pink Moon“

oc Lüneburg. „Letzten Endes“, sagt Justine Otto, „geht es immer um Malerei.“ Sicher. Letzten Endes, das lässt aber zu, dass auf dem Weg von der Idee bis zur Ausstellung so einiges passiert mit der Künstlerin und schließlich mit dem Betrachter der Bilder. Justine Ottos Malerei führt auf unsicheres Gelände. Das ist ab heute, Sonnabend, in der Kulturbäckerei zu sehen. „Pink Moon“ nennt die aus Zabrze stammende, in Brackede lebende polnisch-deutsche Künstlerin ihre Ausstellung. Und wie alles in ihrer Malerei mehr als eine Bewandnis hat, so trägt auch der Titel „Pink Moon“ mindestens zwei Bedeutungen in sich.

Da tanzen auf einem Bild Frauen nachts nackt im Freien einen Frühjahrsreigen, sie tragen merkwürdige Kopfbedeckungen, und um sie herum ziehen sich Linien wie ein Tipi nach oben, wo der Mond oder sind es viele Monde? den Himmel pink schimmern lässt. Zugleich drängen dunkle Fäden wie Regen oder eben einfach als Laufspuren von Farbe nach unten. „Pink Moon“ aber, so heißt auch das dritte und letzte Album des 1974 mit nur 26 Jahren gestorbenen Songschreibers Nick Drake. „Seine Musik habe ich fast laufend beim Malen in jüngerer Zeit gehört“, sagt Justine Otto. Nick Drake war ein Meister der Melancholie.

Die 1974 geborene Justine Otto kam mit neun Jahren nach Deutschland. Sie lebt heute mit Mann und Hund in Brackede, am letzten Ende, direkt an der Elbe. Die Künstlerin Justine Otto gehört zu den über die Grenzen hinaus beachteten Vertretern einer zeitgenössischen gegenständlichen Malerei. Dass sie einige Jahre an den Städtischen Bühnen Frankfurt als Bühnenbildnerin gearbeitet hat, passt zu ihrer Kunst, die sie an der Städelschule studierte. Denn für die großen Formate sucht Justine Otto Akteure, mit denen sie Situationen stellt, diese fotografiert, letzthin wird das Foto in Malerei verwandelt und so zu etwas Neuem.

Es ist sehr oft eine Art von Inszenierung in ihren Bildern zu finden, auch etwas Narratives zu ahnen und die Beschäftigung mit dem Existenziellen, mit dem Geheimnis des Lebens, mit dem Zusammenprall frei wuchernder Natur und den Zähmungsversuchen der Zivilisation. Aber die Geschichten, die da im Betrachter entstehen wollen, sie lassen sich letztlich nicht zusammenreimen. In ihnen mischen sich Erinnerung, Traum, Surreales, auch Unheimliches.

Wiederkehrend sind junge Menschen, sehr oft Frauen zu sehen, an der Schwelle zum Erwachsensein, das Leben erkundend, sezierend, miteinander in eigentümlichen Ritualen verbunden, in denen sich Neugier, Gewalt, Zärtlichkeit, Angst, Sehnsucht, Aufbruch, Gefahr und anderes mischen. Es bleibt da viel Raum für den Betrachter.

Eine Wand hat Justine Otto wie die eines Wohnzimmers gestaltet, an der die Geschichte einer Familie zu hängen scheint. Porträts, Gruppenfotos, Kinderbilder mischen sich, alle sind farblich wie mit Patina überzogen. Justine Otto hatte diese Wand schon zu einer Installation erweitert, mit Tapete, Teppich und wie passend in dieser Zeit! einem Wolfskopf.

Mit ihrer gestischen, dynamischen Malerei stößt Justine Otto auf sprunghaft zunehmendes Interesse. Die Malerin bekam 2011 den Kunstpreis des Lüneburgischen Landschaftsverbandes, Ausstellungen führen sie quer durch Deutschland und darüber hinaus. Im kommenden Sommer werden ihre Bilder in Washington präsentiert, die Phillips Collection dort kaufte schon 2014 zwei Werke von ihr.

Die Ausstellung hat begonnen, die Öffnungszeiten bis 3. Mai: Montag bis Freitag, 12 bis 19 Uhr, Sonnabend/Sonntag 13 bis 18 Uhr (am 12. und 26. April nur bis 16 Uhr). Enno Wallis spricht zur Einführung darüber, dass es letzten Endes immer um Malerei geht.