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Die pusselige Miss Furneval (Judith Petersen) bringt sich und ihren Schnaps in Sicherheit. Brindsley (Janis Buß, rechts) ringt um seinen Verstand, Harold (Gunnar Jargstorff, links) und Colonel Melkett (Matthias Stelling) tappen weiter im Dunkeln. Foto: t&w
Die pusselige Miss Furneval (Judith Petersen) bringt sich und ihren Schnaps in Sicherheit. Brindsley (Janis Buß, rechts) ringt um seinen Verstand, Harold (Gunnar Jargstorff, links) und Colonel Melkett (Matthias Stelling) tappen weiter im Dunkeln. Foto: t&w

Premiere am Theater Rampenlicht: Komödie im Dunkeln

ff Lüneburg. Brindsley Miller hat eine Vorstellung davon, wie der Abend in den nächsten Stunden verläuft: „Ich ahne schon, das wird eine Kata­strophe.“ Der Abend wird sogar eine sehr, sehr große Katastrophe, ganz im Sinne von Murphys Gesetz was schief gehen kann, das geht auch schief. Eigentlich erwartet der mittelprächtige Künstler Brindsley einen stinkreichen Kunstsammler, dem er eine Skulptur verkaufen will. Um ein wenig Eindruck zu schinden, staffierte er seine schäbige Wohnung mit edlem Mobiliar aus. Das hatte er sich von seinem Nachbarn, der gerade verreist ist, „ausgeliehen“. Leider kehrt der Nachbar vorzeitig zurück natürlich, bevor der Deal abgewickelt ist.

„Komödie im Dunkeln“ heißt die Groteske von Peter Shaffer, mit der das Amateurtheater Rampenlicht in der Kulturbäckerei Premiere feierte. Das Stück wurde 1965 uraufgeführt, die Rampenlichter haben es im Wesentlichen in jener Zeit belassen. Aus dem Off plätschert ein Beatles-Medley, zu sehen ist ein liebevoll ausgestattetes Bühnenbild mit allerhand Kunst-Schnickschnack und selbstverständlich mit der für bodenständige Komödien unverzichtbaren Schnapsbar.

Dann beginnt der anderthalbstündige Showdown: Brindsleys Verlobte (in spe) Carol entdeckt ein Foto von Clea, einer Ex-Freundin des Künstlers. Kein Ding, aber warum bewahrt er es ausgerechnet im Nachttisch auf? Dann knallt die Sicherung durch, und die finstere Wohnung füllt sich nach und nach mit Menschen, auf die Brindsley jetzt gern verzichtet hätte eine betuliche Nachbarin beispielsweise, Carols dröhnender Vater, Offizier und unerträglicher Kommisskopp, die keineswegs der Vergangenheit angehörende, ebenso intrigante wie schöne Clea, und der schwuchtelige, kunstsammelnde Nachbar, dem die teuren Möbel gehören ein veritables Panoptikum nerviger Zeitgenossen also. Mit der Zeit stellt Brindsley, der sich immer tiefer in seine diversen Lügen verwickelt, fest, dass die Dunkelheit ein Segen ist, weshalb er alle Versuche sabotiert, irgendwie Licht zu schaffen.

Die Dramaturgie funktioniert über einen Trick: Spielt die Erzählung im Dunkeln, ist es auf der Bühne hell und umgekehrt. Regisseurin Kirstin Rechten dreht sofort alle Lautstärke-Regler auf Anschlag. Es wird gebrüllt, gefleht, gestolpert, gestürzt, kein Klischee und kein Fettnäpfchen ausgelassen. Das Publikum hatte seine Freude an dem präzise agierenden Ensemble, das dem Mobiliar harte Belastungstests zumutete. Und es gab viel Applaus für die strauchelnden Darsteller, für Janis Buß, Claudia Kroll, Judith Petersen, Matthias Stelling, Gunnar Jargstorff, Tabea Zeltner, Rainer Meyer und Marcus Hein.

Zu lernen gibt es Einiges. Zum Beispiel: Lügen haben kurze Beine, nun gut, das wussten wir schon. Zweitens: Saufen bei Dunkelheit ist nichts für Anfänger, das muss die Nachbarin erfahren. Die Komödie wirkt außerdem nachhaltig: Die meisten Zuschauer werden wohl, wenn sie wieder daheim sind, gleich schauen, ob sie Kerze und Taschenlampe für den Notfall griffbereit haben. Die nächsten Kurzschluss-Termine: 18. und 19. April, 19.30 Uhr.