Aktuell
Home | Kultur Lokal | Konzert des Hamburger Konservatoriums in Lüneburg
Das Hamburger Konservatorium widmete sich in der Lüneburger St. Nicolaikirche Kompositionen dem Gefühl, unendliches Glück zu erleben. Foto: t&w
Das Hamburger Konservatorium widmete sich in der Lüneburger St. Nicolaikirche Kompositionen dem Gefühl, unendliches Glück zu erleben. Foto: t&w

Konzert des Hamburger Konservatoriums in Lüneburg

hjr Lüneburg. Manchmal befindet sich der Himmel auf Erden. Ein höchst erquickliches Gefühl, oft nur von kurzer Dauer, das religiöse Ursprünge haben kann oder ganz profane, amouröses Glück zum Beispiel. Themen, die seit Jahrhunderten unzählige Künstler herausforderten. Ihre Arbeiten verorteten diese Inhalte irdisch oder seraphisch entrückt. Komponisten waren da besonders aktiv. Vier sehr anspruchsvolle Stücke aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Epochen hatten Chor und Orchester des Hamburger Konservatoriums einstudiert. „Ewige Liebe ewiges Leben“, so lautete der Titel des recht gut besuchten Konzerts in der Lüneburger St. Nicolaikirche.

Der erste Teil wies starke theologische Bezüge auf. Johann Sebastian Bach stürmte, wie so häufig, mit seiner Motette für zwei Chöre und Basso continuo, BWV 225, „Singet dem Herrn ein neues Lied“ in weltferne Gefilde. Barocke Pracht und Opulenz mit ausschweifender Ornamentik entfaltete sich, beschwingt im Tonfall, ein glühendes Bekenntnis göttlicher Energie und ebensolchen Zuspruchs. Die Ausführenden folgten unter der souveränen Leitung von Michael Petermann diesem Duktus enorm kraftvoll und zugleich diszipliniert in der konzertierten Aktion.

Igor Strawinski schrieb seine Messe 1948 unter dem Eindruck des Krieges. Sie nimmt die traditionelle Struktur auf, beginnend mit dem Kyrie und dem Agnus Dei als Finale. Das konsequent sakral gefärbte Werk für Bläser und gemischten Chor will, anders als Bach, aber nicht berauschen, sondern sucht Zurückhaltung, Kontemplation, Einkehr. Es sind zumeist bewusst niedrige Aggregatzustände, die hier zum Tragen kommen, selbst im Gloria, das sich ungewöhnlich zart präsentiert. Der Komponist verknüpft instrumentale Signale und Motive mit den Chorpassagen, baut diverse Reibungen ein und lässt doch zuweilen Harmonie aufblitzen. Ihre Spannung bezieht die Messe aus ihren dynamischen Veränderungen, die sparsam, jedoch wirkungsvoll eingesetzt werden.

Der zweite Strawinski an diesem Abend gab sich erheblich ausgelassener und ganz irdisch. „Pulcinella“, sein Ballett von 1920, tanzt auf Rokoko-Sohlen und ankert trotzdem deutlich im frühen 20. Jahrhundert. Acht Sätze dauert die emotional bisweilen mächtig pulsierende Beschreibung libidonöser Regungen. Auch die Gesangssolisten kamen dabei aus den eigenen Reihen, bestachen durch makellose Intonation und Modulation. Ein großes Werk, famos gestaltet.

A cappella sind die drei Madrigale von Claudio Monteverdi zu singen. Lieder über das Leben, vital und primär heiter gestimmt. Der Chor war von Michael Petermann hervorragend auf die Polyphonie vorbereitet, akzentuierte präzis und timbrierte den Ton leicht. Das Vergnügen an der Musik beflügelte die Vokalisten zu einer homogenen, strahlenden Wiedergabe. Reichlich Applaus belohnte Einsatz und Können.