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Peer Oliver Nau (links) und Volkmar Förster arbeiten an ihrer Installation, Vernissage ist am Sonnabend. Foto: ff
Peer Oliver Nau (links) und Volkmar Förster arbeiten an ihrer Installation, Vernissage ist am Sonnabend. Foto: ff

Installation „Schwanengesang“ — Eine Flucht in die Lüfte

ff Scharnebeck. Eigentlich ist Schwanengesang etwas Trauriges: So wird das letzte Werk eines Musikers oder eines Dichters bezeichnet, manchmal auch die letzte Rede eines Politikers. Der Schwanengesang, der am Sonnabend in der Galerie Kulturboden Scharnebeck Vernissage feiert, ist aber von einer anderen Tonart. Volkmar Förster und Peer Oliver Nau haben gemeinsam, aber mit völlig unterschiedlichen Mitteln, eine Rauminstallation geschaffen, die von Flucht und Befreiung erzählt.

Am Anfang steht tatsächlich der Abgesang: Holzschnitte zeigen den Knochenmann, der mit einer Geige einem Schwan das Lied vom Tod spielt. Sein Schwarm aber erhebt sich in die Luft, um in einem weiten Bogen der Freiheit entgegenzufliegen. Dieser Schwarm, das sind elf Skulpturen, mit der Kettensäge in Lebensgröße aus Pappelholz geschnitten. „Ich bin eigentlich eher ein wilder Karikaturist in der Bildhauerei“, sagt Peer Oliver Nau. Seine oft großformatigen Arbeiten sind plakativ, skurril, raumgreifend, von sarkastischem oder einfach fröhlichem Witz. Die Schwäne aber künden eher von einer melancholischen, wilden, leicht ramponierten Schönheit, der Geschichte der Installation entsprechend. „Ich habe mich bei der Inszenierung ganz auf Volkmar verlassen, er hat die Theater-Erfahrung.“

Volkmar Förster, 1939 in Chemnitz geboren, ist Maler, Grafiker, Bühnen- und Szenenbildner, Theatermaler und Puppenspieler. Rund 50 Schwarzweiß- und Farb-Holzschnitte, in denen in der typischen Klarheit der Drucktechnik ausschließlich natürlich dargestellte Schwäne in verschiedenen Lebenssituationen geschildert werden, bilden gewissermaßen die Kulisse, die zentralen Werke sind die Grafiken vom sterbenden Schwan. Die anmutigen Vögel, so ist die Installation gedacht, ziehen vom Relief der Holzplatte in die Tiefe des Raumes, dabei der Architektur der Galerie folgend. Ursprünglich war noch geplant, Holzschnitte mit Wald-Motiven zu zeigen, um den Vögeln auch ein neues Refugium zu geben. Das aber wurde, um die Sache nicht zu komplex werden zu lassen, kurzfristig wieder verworfen.

Es ist bereits die zweite gemeinsame Schwanen-Arbeit von Förster und Nau; ihre erste haben sie in Schwerin gezeigt. Anton Bröring, Kurator des Kulturbodens, ludt sie nun nach Scharnebeck. Bei der Einrichtung der rund 25 Kilo schweren Holz-Objekte dürfte es Nau, Jahrgang 1971, zugute gekommen sein, dass er in seinem ersten Leben, vor dem Kunststudium, ein Diplom als Sportwissenschaftler machte.

Auf der Vernissage am Sonnabend, 16 Uhr, begrüßt Bürgermeister Dr. Dieter Heidelmann die Gäste, Anton Bröring spricht zur Einführung. Die Ausstellung ist bis 9. Mai zu sehen, jeweils freitags 16 bis 18 Uhr, sonnabends 15 bis 17 und sonntags von 11 bis 13 Uhr. Weitere Termine nach Vereinbarung: wochentags 9 bis 12 Uhr, % 04136-7178.