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The Soft Machine nennt die Schottin Linda Green ihre Arbeit. Die Jury zeichnete das Werk aus. Foto: oc
The Soft Machine nennt die Schottin Linda Green ihre Arbeit. Die Jury zeichnete das Werk aus. Foto: oc

Bildweberei der Gegenwart im Museum Lüneburg

oc Lüneburg. Es gibt in der Kunst Sparten, die werden ein wenig an den Rang gedrängt. Webkunst wird heute oft mit kurzem „e“ gesprochen, womit dann World-Wide-Web-Kunst aus dem Computer gemeint ist. Gewebte Kunst aber, Kunst also auf der Basis eines der ältesten Handwerke überhaupt, muss sich behaupten. Sie kann es! Eine derart hochwertige Ausstellung zeitgenössischer Weberei wie die „Artapestry4“ jetzt im Museum Lüneburg hat es in dieser Stadt bisher nicht gegeben und wird so schnell nicht wieder den Weg hierher finden. Das Museum bzw. der Raum für die Ausstellung war zu klein, um die Interessierten bei der Eröffnung zu fassen. Jetzt und noch bis zum 5. Juni ist weitaus mehr Ruhe, um die Kunstwerke zu betrachten. Und Ruhe ist dabei ein guter Begleiter.

31 Webkünstler aus zwölf Ländern wurden als Teilnehmer der „Artapestry4“ ausgewählt. Alle zwei bis drei Jahre findet diese Wanderausstellung statt, organisiert vom Europäischen Tapestry Forum, einem Bildweberverband mit Sitz in Dänemark. Beworben hatten sich dreimal so viele Textilkünstler. Eine der Bedingungen verlangt, dass die Arbeiten nicht älter als drei Jahre sein dürfen. Das, was nun auf die Reise ging, ist somit absolut der Stand der Dinge in Sachen Tapisserie.

Die Bandbreite der zumeist wandfüllenden Arbeiten ist enorm. Es gibt die zurückgenommenen, ins Minimalistische bei Farbe, Form und/oder Technik gehenden Arbeiten, deren Zartheit, Transparenz und Raffinesse sich nur langsam erschließt. Es gibt auf der anderen Seite durchaus knallige, mit Ideen und auch mit Ironie um sich werfenden Arbeiten. Dazwischen findet sich viel, das Poesie und Rhythmus ausstrahlt, auf versponnene, rätselhafte oder irreal wirkende Weise. Manches drängt, fast wie eine Skulptur, in den Raum, anderes setzt sich wie ein Puzzle zusammen, bei wieder anderen Arbeiten zeigt sich das Gewebte transparent, öffnet es sich. Es gibt Positionen, die einfach Kunst sein wollen, andere, die zugleich eine Botschaft transportieren.

Thomas Cronenberg, einer der Juroren, gab einen Blick in die Historie von Gobelins und Tapisserien, klassifizierte sodann die Arbeiten in seiner Einführung. Er fand elf Kategorien, von den Geometrischen über die Abstrakten bis hin zu den Digitalen die Kunst aus dem Web und die auf dem Webstuhl kommen einander mitunter recht nah.

Cronenberg war mit dem Dahlenburger Weber Heinz Friedrich Meyer befreundet. Meyer (1933-2004) hat 1988 mit der Gründung einer Lüneburger Stiftung zur Förderung der Webkunst die wesentlichen Schritte getan, um von der alten Handweberei am Kloster Lüne aus Tradition und Gegenwart zueinanderzubringen.

Treibende Kraft ist nun Rotraut Kahle, die sich bis in die Hängung der Tapisserien um diese Ausstellung sehr verdient gemacht hat. Oberbürgermeister Ulrich Mädge dankte bei der Eröffnung der Initiatorin. Zum Start spielte Peter Holtslag (Blockflöte) Musik, zu der ihn die Tapisserien animierten, auch dabei kamen das Intellektuelle und das Sinnliche, das kunstvoll Spröde und das lustvoll Virtuose nah zueinander wie in dieser sehenswerten Ausstellung, die später nach Österreich und Dänemark gehen wird.

Geöffnet ist die „Artapestry4“ täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr. Führungen gibt es wieder am Dienstag, 5. Mai, und Freitag, 22. Mai, jeweils um 17 Uhr. Ein Katalog (auf Englisch) begleitet die Ausstellung.

Leider ist diese erste Sonderausstellung des Museums Lüneburg nur über den alten Eingang an der Wandrahmstraße erreichbar. Ein direkter Übergang von der Ausstellung ins neue Museum bzw. umgekehrt ist nicht möglich.