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Die 1. Internationale Tanzgala im Theater Lüneburg: Ein ganz großer Abend

oc Lüneburg. Vorsicht mit den Superlativen! Aber es lässt sich über diesen Abend sagen, dass er einmalig war und unbeschreiblich gut. Er war berührend, witzig, traurig, geheimnisvoll, aufregend, erotisch, poetisch, romantisch, brutal und überhaupt so ziemlich alles, was das Leben hergibt, und was mit der Sprache des Körpers gesagt werden kann. Der Abend bot Klasse und manchesmal Weltklasse, und unterm Strich kamen auch noch um die 9000 Euro für die Lüneburger Alzheimer-Gesellschaft heraus. Eine Internationale Tanzgala hat es auf diesem Format noch nie gegeben in dieser kleinen Stadt, und selten wurde so viel und so zu Recht gejubelt im ausverkauften Theater.

101 Positionen im Zeitraffer, nach- und durcheinander, tanzt Maurus Gauthier in einem atemraubenden Solo. Foto: t&w
101 Positionen im Zeitraffer, nach- und durcheinander, tanzt Maurus Gauthier in einem atemraubenden Solo. Foto: t&w

Olaf Schmidt ist meistens ein ruhiger Mann, jedenfalls wirkt er so nach außen. Er ist ein erfahrener Tänzer und ein mit Ideen, Mut und Visionen arbeitender Choreograf, und seitdem er das kleine Lüneburger Ballett leitet, besitzen die Aufführungen der Truppe fast schon Kultstatus. Schmidt hält zudem Kontakte zu seinen Zeiten in Regensburg, Karlsruhe und Kaiserslautern und zu den Menschen, die er bei Gastspielen kennenlernte, im spanischen Zaragoza, bei den imPerfect Dancers in Pisa und und und. Schmidt hat viel telefoniert in den vergangenen Monaten, und nun reisten Freunde und Kollegen an, um ohne Gage ihr Können zu zeigen.

Ohne Gage! Das war möglich, weil die Lions Clubs Lüneburg und Lüneburg-Ilmenau den Abend sponserten, weil sich Hotels engagierten (Bergström, Seminaris, Kurpark, Rotes Tor) und ebenfalls Campus. 36 Stunden brauchte es, um für jeden der knapp 20 Auftritte Licht (Walter Hampel) und Ton (Wolfgang Ziemer) auf die Reihe zu bekommen. Und hinter den Kulissen sorgte Inspizientin Doris Pfeiffer für den reibungslosen Ablauf der Gala.

Auf der Bühne war das ganze Spektrum der Tanzkunst zu erleben, beginnend mit einem Vorgeschmack auf „Drei Schwestern“, Olaf Schmidts Choreographie nach Tschechow, die am 22. Mai Premiere hat. Dann ging es Tanz auf Tanz. Stellvertretend seien einige genannt: Einer für alles, das war Maurus Gauthier, der in „Ballett 101“ zu einer aus dem Off zählenden Stimme entsprechend viele Positionen einnahm, erst hinter-, dann durcheinander, artistisch! Es gab hochklassige Duette aus dem Themenkreis der Liebe, großartige, in Licht und Nebel gehüllte Soli. Einbezogen wurde der Nachwuchs, beispielhaft durch die Lüneburger Ballettschule Wojtasik. Olaf Schmidt ließ die Männer seiner Compagnie als Schwäne auflaufen, worauf Raffaele Morra von den weltweit tourenden Trocaderos auf Spitze den sterbenden, Federn lassenden und schließlich gerupften Schwan gab.

Der anrührendste Beitrag kam von Ayumi und Alister Noblet, die in „Kazu Kun“ ein Stück zur Frage „Was ist normal?“ für den behinderten Bruder der Tänzerin zeigten. Der am anderen Pol der Gefühle originellste Beitrag erwies sich als Fußball-Diashow per „Augen zu, Augen auf“-Kommandos mit Bildern, die Karen Montanaro stellte (mit Hilfe von Matthew Sly und Olaf Schmidt). Groaßrtig, wie souverän sich das Heimspiel „Standstill“ von Francesc F. Marsal in diesen internationalen Klassereigen einpasste.

Als Co-Moderatorin, mit der sich Olaf Schmidt nette Wortgefechte lieferte, steuerte Astrid Vosberg Musicalgesang bei. Dass schließlich weit mehr als drei Stunden vergangen waren, war nicht zu merken. Nicht vergessen wurde, dass es zugleich um eine gute Sache ging. Kerstin Löding-Blöhs und Sven Hagen informierten über das wachsende Aufgabengebiet der Alzheimer-Betreuung. Intendant Hajo Fouquet, Schirmherr der Alzheimer Gesellschaft, betonte, wie sehr dieser Abend allen Beteiligten Nutzen bringt.
Es war eben unbeschreiblich und einmalig gut. Oder nicht? Olaf Schmidt begrüßte eingangs zur 1. Intenationalen Tanzgala in Lüneburg. Das macht Hoffnung auf eine zweite vielleicht 2017.

Sie waren dabei:

LaMov Zaragoza, Spanien (Elena Gil Más, Mattia Furlan); Gauthier Dance Theaterhaus Stuttgart (Maurus Gauthier, David Rodriguez, Rosario Guerra); Theater Hagen (Ana Rocha Nenè, Brendon Feeney); Karen Montanaro (USA); Ballettschule Wojtasik Lüneburg (Serfinaz Zimmermann, Fabian von Lindern, Julie Wünsche, Dominik Wojtasik, Penelope Glantz, Annabelle Gernerth, Lydia Gernerth); imPerfect Dancers Pisa, Italien (Stefano Neri), Theater Lüneburg (Ensemble und Francesc Fernández Marsal, Anibal dos Santos, Kilian Hoffmeyer, Matthew Sly); Delattre Dance Company Mainz (Stéphen Delattre); Les Ballets Trocadero de Monte Carlo, New York (Lariska Dumbchenko alias Raffaele Morra); Tanztheater Trier (Ayumi und Alister Noblet); Compania Nacional de Danza, Madrid (Nandita Shankardass, Esteban Berlanga). Moderation und Gesang: Astrid Vosberg, Gesamtleitung und Moderation: Olaf Schmidt.