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Sie sind verliebt in den Tagesschausprecher und tratschen über Neuigkeiten aus dem Altenheim: Die Mimetten kommentieren das Dasein mit hintergründiger Komik. Foto: t&w
Sie sind verliebt in den Tagesschausprecher und tratschen über Neuigkeiten aus dem Altenheim: Die Mimetten kommentieren das Dasein mit hintergründiger Komik. Foto: t&w

Stücke aus dem halben Leben – Premiere für den SeniorenTheaterClub

aat Lüneburg. „Die Mimetten“ nennen sie sich, doch über das bescheidene Etikett sind die Damen des SeniorenTheaterClubs eigentlich längst hinaus gewachsen und echte Miminnen geworden. Das zeigte erneut deren neueste Produktion: „Das wars — Stücke aus dem halben Leben“. Die Premiere im voll besetzten T.NT-Studio des Theaters Lüneburg wurde vom Publikum mit Heiterkeit und offensichtlicher Begeisterung für das engagierte und vergnügliche Spiel aufgenommen.

Vom ersten Moment an fesseln die Akteurinnen um Regisseurin Sabine Bahnsen ihre Zuschauer: Sie kommen in den Saal wie alle übrigen Leute, aber fast zu spät, und beschweren sich lautstark, wieso die anderen sie überhaupt in dieses Stück geschleppt hätten, von dem man ja gar nichts wisse. Sie erklimmen die Bühne, legen Mantel und Handtasche ab und besetzen in Küchen-Kitteln die bereit stehenden Café-Stühle. Im Gleichtakt wird der Zucker umgerührt. Sogleich entspinnen sich kurze Gespräche, zwischen Freundinnen, Bekannten, Kolleginnen oder auch Fremden, wie wohl jeder sie schon einmal selbst erlebt oder aufgeschnappt hat.

Udo Jürgens „Aber bitte mit Sahne“ liefert zusammen mit anderer Musik die musikalischen Intermezzi zwischen den Szenen. Die Damen sitzen in der Kantine, im Bus zum Friedhof, im Wartezimmer der Arztpraxis oder des Notars. Sie kämpfen um ihren Stammplatz, lesen in der Zeitung, was so im Seniorenheim passiert ist, sind in den Tagesschausprecher verliebt. Sie erzählen sich ihre Wehwehchen, streiten sich um Kleinigkeiten und ergehen sich in Eifersüchteleien. Banal scheinen die Dialoge, und doch decken sie Wesentliches aus dem menschlichen Alltag auf.

Die dem wahren Leben abgeschauten Szenen des fränkischen Autors Fitzgerald Kusz spielen die „Mimetten“ mit bemerkenswerter Natürlichkeit: Renate Brandes, Barbara Burchardt, Hannelore Hagemeister, Heidi Scheunemann, Karin Schmietendorf, Ulla Spatz, Hedda Wegner und nicht zuletzt Sabine Bahnsen, die nicht nur wunderbar Regie führte, sondern ebenso professionell schauspielerisch einsprang für die leider erkrankte Gunda Suhr.

Diese neue Produktion war ein Wagnis, und dies war restlos geglückt. Zum ersten Mal hat Sabine Bahnsen mit ihren Seniorinnen ein „richtiges“ Stück einstudiert, das mehr Herausforderungen birgt als die bisher von den Darstellerinnen gespielten, selbst erlebten Ereignisse. Fitzgerald Kuszs „kleinen Leuten“ musste nun „ganz genau aufs Maul“ geschaut und Wort für Wort der teils schrulligen Umgangssprache gelernt werden. Probleme wie Einsamkeit, zwanghafte Angewohnheiten oder Gruppenängste werden dabei tiefgründiger thematisiert, als es beim ersten Hören und Sehen den Anschein hat.

Bewältigt wurden die neuen Herausforderungen vom SeniorenTheaterClub so mühelos, dass die gut gespielten Szenen trotz oder gar wegen der teils abwegigen Situationskomik, die sich überall im Alltag findet, über das Erleben dieses Theaterstücks hinaus inspirieren. Es tut dem Menschen nämlich gut, zu kommunizieren, auch mit Wildfremden Gespräche anzufangen, wie auch die im Programmheft erwähnte US-Studie bezeugt. Die nächsten Termine: Donnerstag, 30. April, 20 Uhr, und Sonnabend, 2. Mai, 16 Uhr.