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Kunstwerk eines unglücklichen Soldaten: Mit dieser Zeichnung hat sich Rubinowitz in dem Logbuch einer Lüneburger WG verewigt. Foto: nh
Kunstwerk eines unglücklichen Soldaten: Mit dieser Zeichnung hat sich Rubinowitz in dem Logbuch einer Lüneburger WG verewigt. Foto: nh

Ganz und gar unglücklich – Erinnerungen an die Lüneburger Zeit von Tex Rubinowitz

ff Lüneburg. Die Rackerstraße 4c in Lüneburg existiert heute nicht. Der Schriftsteller und Bachmann-Preisträger Tex Rubinowitz beschreibt in seinem Roman „Irma“, wie er unter dieser Adresse als junger Mann in einer WG lebte, sich etwas orientierungslos durchs Leben schlug und nicht zuletzt seinen Spaß daran hatte, die „Lokalzeitung“, also die Landeszeitung, mit allerhand skurrilen Leserbriefen und erfundenen Reportagen vorzuführen. Alles nur Fake, literarische Freiheit, wie es in der LZ-Rezension von „Irma“ angedeutet wurde?

Nein, sagt Hans Seelenmeyer, der Dirk Wesenberg wie Tex Rubinowitz mit bürgerlichem Klarnamen heißt kannte und sich „an einen lustigen Knaben mit einer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe“ erinnert. „Die Rackerstraße 4c gab es wirklich bis das Haus abgerissen wurde“.
Biographisches ist bei Tex Rubinowitz, der 1984 von Lüneburg nach Wien zog und seinerzeit von seinen Kumpels „Willi“ genannt wurde, immer ein bisschen mit Vorsicht zu genießen, er veröffentlichte auch schon mal ein Buch mit einem erfundenen Lebenslauf als Klappentext. „Ich schreibe auf Wirkung“, heißt es bei „Irma“. Aber: „Die Leserbriefreihe an die LZ gab es natürlich“, so Hans Seelenmeyer, „wir haben uns in unserer Altstadt-WG immer schlapp gelacht was daraus alles wurde und haben uns natürlich rege an den gefakten Dialogen beteiligt!“

Mit dem Idyll im Hinterhaus 4c (ohne Strom und Heizung) war für Willi irgendwann Schluss: „Die Bauarbeiter gaben ihm dann vier Stunden, die Bude zu räumen, bevor die Abrissbirne kam“, erinnert sich Seelenmeyer, dessen eigene WG dann „lange Zeit ein Treffpunkt für Willi wurde vor allem dann, wenn er mal wieder nichts zu beißen hatte“ Dafür trug sich der künstlerisch vielseitig begabte Rubinowitz mit dem Zeichenstift in das „Logbuch“ der Wohngemeinschaft ein. Der Cartoon verweist auf eine andere Station im Leben des jungen Rubinowitz: Er war Bremsfallschirm-Packer bei der Luftwaffe, aber offensichtlich, so Seelenmeyer „als Fallschirmkneter ganz und gar nicht glücklich“.

Lüneburg ist klein: Als Johanniter war Willi alias Dirk alias Tex auch Schüler von Kunstlehrer Klaus Seelenmeyer natürlich der Vater von Hans.