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Plänemacher: (v.l.) Schauspieldramaturgin Katja Stoppa, Musikdirektor Thomas Dorsch, Ballettdirektor Olaf Schmidt, Intendant Hajo Fouquet, Chefdramaturg Friedrich von Mansberg und Kinder-Jugendtheaterleiterin Sabine Bahnsen. Foto: be
Plänemacher: (v.l.) Schauspieldramaturgin Katja Stoppa, Musikdirektor Thomas Dorsch, Ballettdirektor Olaf Schmidt, Intendant Hajo Fouquet, Chefdramaturg Friedrich von Mansberg und Kinder-Jugendtheaterleiterin Sabine Bahnsen. Foto: be

Das Theater Lüneburg stellt seine Pläne für die Spielzeit 2015/16 vor

oc Lüneburg. Den Satz haben einige gesagt, das Theater Lüneburg setzt die Version von Gustav Mahler ins Heft zur nächsten Saison: „Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.“ Die Flamme braucht viel Pflege, und da leidet das Theater an einem Notstand. Das Geld wird knapp, das Delta öffnet sich zum Negativen. Das Team um Hajo Fouquet und Volker Degen-Feldmann gibt zur Spielzeit 2015/16 ein trotziges Motto aus — „das. jetzt. alles!“. Das Theater senkt die Zahl der Produktionen, hebt die Preise und bietet trotzdem einen vollen Spielplan. Zu reden ist aber auch über Maia, Sonja und Asita.

Die Preise werden um rund fünf Prozent angehoben, sie liegen im Großen Haus zwischen 14,50 und 34,50 Euro. Eingespart werden drei Produktionen, eine pro Spielstätte. Das heißt, ein Schauspiel weniger im Großen Haus, eines weniger für Kinder, eine Musikproduktion entfällt im Studio. Geschuldet sind die Maßnahmen den Einfriermaßnahmen der früheren Landesregierung, die Folgen schlagen nun immer deutlicher durch. Um die Bezahlbarkeit des künftigen Theaterangebots muss weiter gerungen werden. Noch trägt die Scholle.

Kein Jahr ohne Wechsel. Wie gewonnen, so zerronnen ist das Engagement des jungen Kapellmeisters Stefan Zilias. Das Programm zur neuen Spielzeit war schon gedruckt, als Zilias vom Beethoven-Orchester Bonn um- und schließlich abgeworben wurde. Er war nun nur eine Spielzeit da. Für ihn kommt Robin Davis, er steht noch in Diensten des Staatstheaters Oldenburg. Das Ballett wird, wie berichtet, zur neuen Saison ohne Katerina Vlasova tanzen. Weiter zieht aber auch Kilian Hoffmeyer, auch er ein Garant für die Qualität der Truppe. Ballettchef Olaf Schmidt wird Neue finden, und er freut sich, dass ein Lüneburger Unternehmer auch für die kommende Spielzeit zwei Praktikanten-Stellen im Ballett finanziert. Der Mann will nicht genannt werden, er zeigt Mäzenatentum mit Größe!

Worauf sich sich Theaterbesucher in der nächsten Spielzeit freuen dürfen, zeigt der Blick auf die Premieren im Großen Haus:

– „Fidelio“, Oper von Ludwig van Beethoven, ab 19. September.
– „Der Menschenfeind“, Komödie von Molière, ab 25. September.
– „Otello darf nicht platzen“, Komödie von Ken Ludwig, ab 31. Oktober.
– „Kiss me, Kate“, Musical von Cole Porter, ab 14. November.
– „Ronja Räubertochter“, Familienstück nach Astrid Lind­gren, ab 27. November.
– „Orestie“, Tanzstück von Olaf Schmidt, ab 16. Januar.
– „Cavalleria Rusticana / Der Bajazzo“, Opern von Pietro Mascagni und Ruggero Leoncavallo, ab 5. März.
– „Maria Stuart“, Trauerspiel von Friedrich Schiller, ab 24. März.
– „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“, Schauspiel nach Thomas Mann, ab 7. Mai.
– „Flügelschlag — von Schatten und Engeln“, Ballettabend von Olaf Schmidt, ab 20. Mai.
– „Im weißen Rössl“, Singspiel von Ralph Benatzky, ab 18. Juni.

Kurz ein paar Blicke in die anderen Spielstätten: Bei einem Rechercheprojekt zum Thema „Senkungen“ wird im Februar 2016 im T.NT das Berliner Ensemble lunatiks produktion Mittel des Theaters und des Forschens verbinden. Ein neue Liederrevue im T.NT wird von Leif Scheele mit Gary Whiton zum Mai 2016 erarbeitet: „Traumschiff T.NT“. Für die Junge Bühne T.3 schreiben Thomas Dorsch und Friedrich von Mansberg eine Märchenoper: „Sterntaler und Rabenhexe“, zu sehen ab April 2016.

Es gibt eine Fülle mehr, dazu Wiederaufnahmen von „Faust“ über „Struwwelpeter“ bis zu Burkhard Schmeers Weihnachtsspektakel. Die erfolgreiche „Zauberflöte“ aber kann das Theater nicht erneut zeigen, da stehen wieder die Kosten für die Gastsänger im Wege.

Ein derart volles Programm hat Musikdirektor Thomas Dorsch mit den Lüneburger Symphonikern vor, dass eine eigene Broschüre über die Konzerte informiert. Und da kommen auch die eingangs genannten Maia, Sonja und Asita ins Spiel. Die Geigerin und stellvertretende Konzertmeisterin Maia Kovatcheva geht in den Ruhestand. Sie macht das zum Abschied mit einer besonders schönen Aufgabe, die sie schon einmal innehatte: als Fiedler auf dem Dach bei „Anatevka“. Sonja, das ist die wunderbare So­pra­nistin Sonja Gornik, die als Gast zurückkehrt, bevor sie Engagements in Madrid und Wiesbaden antritt. Und Asita? Das ist Asita Djavadi, die in der Ära Aust in Musicals gefeiert wurde und zuletzt vor zehn Jahren die „Piaf“ gespielt und gesungen hat. Zu einem Piaf-Liederabend kommt sie zurück.

Noch einer ist wieder auf der Lüneburger Bühne zu erleben: R.A. Güther. Keiner kann wie er in Operette schwelgen. Er wird dreifach mit Friedrich von Mansberg im T.NT den Sektkelch füllen, sie werden in musikalischen Plaudereien auf die „Csardasfürstin“ (21. Januar 2016) anstoßen, auf den „Vetter aus Dingsda“ (10. März) und die „Maske in Blau“ (28. April).

Los aber geht es schon am 6. September mit dem Theaterfest. Bis dahin sollen Heizung und Lüftung, Teppiche und Theatersessel erneuert sein. Ob die Arbeiter das jetzt alles bis dahin schaffen? Man darf gespannt sein.

Die nächste Schauspiel­premiere des Theaters Lüneburg ist Thema beim Montagstreff der Volksbühne Lüneburg: „Wie im Himmel“ von Kay Pollack, Premiere am 9. Mai, basiert auf dem gleichnamigen Film. Bärbel Zehatschek, Jahrespraktikantin am Theater, stellt Stück und Inszenierung am Montag, 4. Mai, um 20 Uhr im Hotel Scheffler vor. Der Eintritt ist frei.