Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Die coolen Hipster von einst treffen sich wieder  gespielt von Birgit Becker (rechts), Agnes Müller, Leif Scheele (Mitte) und Raimund Becker-Wurzwallner. Foto: ff
Die coolen Hipster von einst treffen sich wieder gespielt von Birgit Becker (rechts), Agnes Müller, Leif Scheele (Mitte) und Raimund Becker-Wurzwallner. Foto: ff

Theater zur weiten Welt feiert im T.NT Premiere mit „Pool“

ff Lüneburg. Im Pool ist kein Wasser. Das hatte die berühmte Künstlerin momentan nicht so präsent, weshalb ihr eleganter Sprung ins Becken ein etwas ungünstiges Ende nahm. Genauer gesagt, sie fiel nicht nur auf die Fliesen, sondern auch ins Koma. Nun stehen ihre Künstlerfreunde, die nicht ganz so erfolgreich sind, drumherum und finden, dass ja was eigentlich? Natürlich alarmieren sie gleich den Notarzt. Aber irgendwie fühlt sich die ganze Situation gerade ganz gut an. Neid? Schadenfreude? Aber sicher. Dabei sind sie doch eigentlich alle eine Clique alter Freunde.

Das ist die Satire „Pool (kein Wasser)“ von Mark Ravenhill. Sie feiert am Donnerstag, 7. Mai, Premiere im T.NT, gespielt vom Ensemble „Theater zur weiten Welt“, Rüdiger Walter Kunze führt Regie. Birgit Becker, Agnes Müller, Leif Scheele und Raimund Becker-Wurzwallner spielen also eine Londoner Künstlergruppe, die zu Studentenzeiten angetreten war, die Welt aus den Angeln zu heben. Daraus wurde nichts, also verlegten sich die Hipster auf soziale Kunst, also Performances mit Obdachlosen und so weiter. Vier Angehörige der Gang versanken ins Mittelmaß, schlagen sich nun durch mit gelegentlichen Ausstellungen in semi-relevanten Galerien. Erfolgreich war letztlich nur die Eine, die nun auf ihr großzügiges Anwesen irgendwo bei Los Angeles einlud, die Erinnerungen an die alten Zeiten aufzufrischen.

„Pool (kein Wasser) ist ein Theaterstück über vieles, über Freundschaft, Beton, Farben, Nacktbaden, über Erfolg und über Kunst an sich. Mark Ravenhill, geboren 1966 in Haywards Heath, West Sussex, zählt zu den populärsten Dramatikern des modernen britischen Theaters und des „In-Yer-Face“, also des drastischen Theaters, das, etwas frei übersetzt, „ins Gesicht springt“.

Die vier Freunde beginnen, das weitere Werden ihrer bewusstlosen Freundin im Krankenhaus als Performance zu inszenieren, sie sind schließlich Künstler. Ravenhill ist befreundet mit der Fotografin Nan Goldin, die das Leben und Sterben ihrer Freunde mit der Kamera festhielt, Fotostrecken über körperliche Misshandlungen (auch am eigenen Körper) und die Folgen von Aids veröffentlichte. Das ist der Stoff, der auch den Dramatiker Ravenhill antreibt: Wie weit geht Kunst? Wo beginnt die Verantwortung? Sind Schmerz und Elend galeriefähig?

Darüber werden die vier Freunde, die im Stück keine Namen haben und auch nicht unbedingt auf Geschlechter festgelegt werden können, mit dem Publikum verhandeln. Die Premiere beginnt um 20 Uhr, Tickets gibt es im Theater unter % 42100; Aufführungen sind bis 21. Juni geplant.