Aktuell
Home | Kultur Lokal | Das Kino rückt näher – Franziska Pohlmann stößt mit ihrem Film auf großes Interesse
Franziska Pohlmann, aufgenommen vor der Team-Premiere ihres Films Die Krone von Arkus. Foto: A/t&w
Franziska Pohlmann, aufgenommen vor der Team-Premiere ihres Films Die Krone von Arkus. Foto: A/t&w

Das Kino rückt näher – Franziska Pohlmann stößt mit ihrem Film auf großes Interesse

oc Lüneburg. Es gibt Menschen, deren Leben läuft ein wenig oder erheblich schneller. Sie haben einfach mehr Energie. Mehr Talente. Mehr Mut. Was immer es ist, Franziska Pohlmann gehört zu ihnen. Keine Woche, kein Tag, an dem es nicht spannend zugeht in ihrem Leben, keiner, an dem sie nicht kämpft für ihre Projekte, ihre Ideen und auch mal um das Brot, das sie isst. Nächste Woche reist sie nach Cannes: Filmfestspiele. Die Tage dort sind getaktet, Gespräch auf Gespräch, sie wird wieder viel lernen und vor allem wird sie „Die Krone von Arkus“ bewerben — ihren Film auf dem Weg ins Kino. Die Festivalpremiere des Films steht auch fest, sie folgt im Juni in Deutschland.

Vor einem Jahr fiel die letzte Klappe für das Märchenmusical, das in weiten Teilen in Lüneburg gedreht wurde. Bis dahin waren es 18 aufregende Monate mit vielen, vielen Menschen und laufend neuen Situationen, die letztlich Franziska Pohlmann zu managen hatte — als Produzentin, als Regisseurin, als Drehbuchautorin, als Komponistin, als diejenige, die auf alle Fragen eine Antwort finden musste. Sie hat es so gewollt. „Aber es geht so nicht noch einmal.“ Es ging nur, weil die gerade mal 29-Jährige wusste, was sie wollte, weil sie ein großes Team begeistern konnte, weil sie beim persönlichen Einsatz ihre Grenzen sehr weit austestete und auch, weil sie einen Kreis von finanziellen Unterstützern von dem Low-Budget-Film überzeugte.

„Die Krone von Arkus“ erzählt — mit Liebe zur Ausstattung — ein Märchen: In der Stadt Arkus regiert die fiese Königin Diamanz, die jeden versteinert, der ihr nicht passt. Die Straßenkinder Saraja und Jono aber finden heraus, wie sie die Stadt von der Tyrannin befreien können. Sie machen sich auf den Weg… Bei einer Team-Premiere im Lüneburger Filmpalast wurde der Film gefeiert. Anfang Juni folgt die Festivalpremiere, beim 26. Internationalen Filmfestival Emden-Norderney.

Es geht Schritt um Schritt voran. „Wir sind mit mehreren großen deutschen Verleihern, auch mit Vertretern für den internationalen Markt in sehr konkreten Gesprächen“, erzählt Franziska Pohlmann. Klappt es nicht, wird sie den Film per Selbstverleih vermarkten. Das aber würde sie wieder an den Schreibtisch fesseln. „Meine Herzarbeit kommt zu kurz“, sagt sie. Herzarbeit, das sind Regie und Filmmusik.

Mit ihrer Firma ist Franziska Pohlmann gerade wieder nach Lüneburg gezogen. „Ich glaube, es lohnt sich, hier etwas für die Filmstadt Lüneburg wachsen zu lassen.“ Pohlmann Creatives dockt räumlich bei Chausseeton an, eine Firma, die sich in der Goseburg besonders um das Thema Filmvertonung kümmert. Pohlmanns weiterführende Idee: „Die Krone von Arkus“ zu einem Serienformat auszuarbeiten, ein Antrag auf Drehbuchförderung läuft bereits. „Ich würde gerne 2016 anfangen, die Filme in Lüneburg zu produzieren.“

Während ihres Studiums der Kulturwissenschaften schrieb, produzierte und inszenierte Franziska Pohlmann Theaterproduktionen. Sie liefen in der Uni, im Theater Lüneburg, auf Kampnagel. Wo immer es ging, eignete sich die Studentin Wissen an, als Regie-Assistentin, Schauspielerin, Dramaturgin, ebenso auf der anderen Seite, also auf der, die sich um die nötigen Ressourcen kümmert.

Franziska Pohlmann, die schnell denkt und spricht, lebt für ihre Projekte, das Thema Selbstausbeutung ist in der gesamten Kulturszene brutal. Anerkennung bekommt sie viel, die zahlt sich aber nicht von alleine aus. Am Donnerstag Vormittag ging es wieder an den Schreibtisch, Anträge schreiben, Termine machen, telefonieren. Keine Herzarbeit. Aber mit jedem Gespräch bringt sie den Kern ihres Schaffens voran. Und manchmal kommen die Möglichkeiten auch zu ihr: „Wir sind im Januar vom Goethe-Institut Indien eingeladen“, sagt sie. Cannes, Emden, Bollywood — in der Mitte Lüneburg. So kann es doch weitergehen.