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105 Jahre sind kein Jubiläum, aber ein stolzes Alter: Der Augustus-Chor zeigte sich beim Geburtstagskonzert rüstig. Foto: t&w
105 Jahre sind kein Jubiläum, aber ein stolzes Alter: Der Augustus-Chor zeigte sich beim Geburtstagskonzert rüstig. Foto: t&w

Sie hüten eine lange Tradition

aat Lüneburg. Mit einem Festkonzert feierte der Augustus-Chor von 1910 seinen 105. Geburtstag. Lang war die Liste anspruchsvoller Musikstücke in der gut besuchten Konzertscheune des Kulturforums. Neben dem großen Augustus-Chor, verstärkt vom Theaterchor, trat auch das Vokalensemble Vivace auf, teils a cappella, teils von Hy-Yeon Kim am Flügel und Mitgliedern der Lüneburger Symphoniker professionell unterstützt. Die Gesamtleitung hatte Mikhail Vetrinski, der beide Chöre bestens vorbereitet und einige Bearbeitungen von Originalkompositionen beigesteuert hatte.

Das Singen als sinnvolle Freizeitbeschäftigung priesen die 1. und 2. Vorsitzenden des Chor-Vereins, Gesa Hackmann und Melanie Hentschel. Gedankt wurde bei der Ansprache nicht zuletzt dem ehemaligen Dirigenten des Augustus-Chors, Heinz Egon Kretzer, der mehr als 30 Jahre lang dessen Geschicke gelenkt hat.

Als Repräsentantin der Stadt Lüneburg lobte Bürgermeisterin Regina Baumgarten das hohe Niveau und verwies auf die lange Geschichte des 1910 von sieben Männern als „Liedertafel Augustus“ gegründeten Chores, der heute rund 50 aktive Mitglieder zählt. Zur Feier des Tages hatte Baumgarten dem Chor ein Salzsäckchen mit 105 Münzen und eine Urkunde mitgebracht.

Chormitglied Frank Hackmann führte durch das bunte Programm. Den „Lagunenwalzer“ von Strauß oder Trapps Potpourri aus „Der Zigeunerbaron“ präsentierten die Symphoniker temperamentvoll. Sie begleiteten auch Chorsätze aus Opern und Oratorien, so aus Mozarts „Zauberflöte“, Verdis „Nabucco“ oder Händels „Messias“. Diese effektvollen Stücke quittierten die Zuhörer mit besonders viel Beifall.

Gut kamen auch volkstümliche Sätze an, „Funiculi-Funicola“ von Luigi Danza oder die vom Ehepaar Hackmann mit einem Sketch aus Liedertiteln gewürzte „Italienreise“ nach Gerhard Winkler. Den Hit „Wenn in Florenz die Rosen blühn“ schmückten acht als Braut kostümierte Mitglieder der Tanzgruppe Randevu. Drei Frauen boten eine überzeugende, moderne Bühnenfassung zu Mozarts „Lacrimosa“.

Zu den Höhepunkten zählten sicher die Sologesangseinlagen. Hohen Anforderungen stellten sich mutig und gut gerüstet Melanie Hentschel und Doris Wendel (Soprane) mit Mozarts „Die Seele des Weltalls“, nicht zuletzt auch Bassist und Arrangeur Klaus-Ulrich Hausch, der gleich mehrere Soli meisterte. Dazu gehörten Strauss „Ja das Schreiben und das Lesen“ als Ständchen im Wiener Dialekt und Schuberts Lied „Die Forelle“ (gefolgt von Schöggls Chor-Bearbeitungen dieses Liedes à la Mozart und Liszt).

Hausch zählt auch zum A-cappella-Ensemble Vivace. Das begeisterte mit Webbers „Musik der Nacht“ aus dem Musical „Phantom der Oper“, Offenbachs „Barcarole“ und Norbert Schulzes „Ach ich hab in meinem Herzen“ das Publikum.