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Endlich Land in Sicht? Aber welches? Die Mannschaft von Odysseus sehnt sich nach ihrer Heimat. Foto: t&w
Endlich Land in Sicht? Aber welches? Die Mannschaft von Odysseus sehnt sich nach ihrer Heimat. Foto: t&w

Nur Zeus hält sich lieber raus +++ Mit LZplay-Video

ff Lüneburg. Seit zehn Jahren irrt Odysseus mit seiner Mannschaft über das Meer, seine Mannschaft kotzt und murrt, die Winde sind widrig, hier kann nur einer helfen: Zeus, der Chef auf dem Olymp. Doch der feiert mal wieder und findet die ganze Aufregung völlig überflüssig. Und so kämpft sich das viel zu kleine Schiff durch die viel zu raue See, vorbei an schroffen Klippen, an betörenden Circen und was die weite Welt noch so bevölkert marketingtüchtige Schweden zum Beispiel, die ihre Kiefernmöbel verkaufen wollen.

„Mosaik.odyssey“ heißt das Projekt, in dem die griechische Mythologie neu beleuchtet und in die Gegenwart transportiert wird: Konservatorien aus Clamart (Frankreich), Cáceres (Spanien), Hammerö (Schweden) und die gastgebende Musikschule Lüneburg haben unter Projektleitung von Lothar Nierenz eine Collage erarbeitet, die wohl alle Disziplinen der Kunst einbezieht: Schauspiel, Tanz, Video, Licht, sogar Live-Malerei, Musik natürlich alles von den Schüler(inne)n selbst komponiert, arrangiert, choreographiert, begleitet von professioneller Unterstützung. Sponsoren machten das gestern gezeigte Projekt möglich.

Die Themen von Homers Epen, der Ilias und der Odyssee sind unzählig: Frage nach Schuld und Verantwortung, Sehnsucht, nach Identität und Heimat, nach Migration und Eingliederung. Das sind alles Themen, die Europa heute ebenso beschäftigen, weshalb die Show viele aktuelle Bezüge gewinnt auch wenn Details durch das Gewirr von vier Sprachen ein wenig unterzugehen drohen. Aber auch Verständigungs-Schwierigkeiten sind ja aktuell. „Mosaik.odyssey“ ist oft witzig, etwa wenn mit Länderklischees gespielt wird: Flamenco und Rüschenkleid, Barrett und Akkordeon, Dirndl und Zöpfchen oder knallgelber Ikea-Charme.

Aber es gibt auch melancholische, nachdenkliche, mitunter dramatische Momente in dieser Performance, schrilles Möwengeschrei in der Dunkelheit illustriert die Einsamkeit der Seefahrer. Die Frage nach Orientierung wird heute, in einer globalen Multikultiwelt, neu gestellt. Dies alles findet sich wieder, nicht streng durchdekliniert, sondern angetippt, spielerisch, immer mit dem Charme des Improvisierten, auf die Bühne gebracht. Heldentum wird heute eben anders definiert, die Herausforderungen an das Individuum und an die Gesellschaft(en) haben sich verändert. Es bleibt nach dieser Inszenierung das schöne Gefühl, heute insgesamt in einer besseren Welt zu leben.