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Da geht Karl Schneider als schöner Sigismund Franka Kraneis mal an die Kleider; aber alles bleibt brav und wird fröhlich besungen. Foto: t&w
Da geht Karl Schneider als schöner Sigismund Franka Kraneis mal an die Kleider; aber alles bleibt brav und wird fröhlich besungen. Foto: t&w

Ein Abend mit Operette, Schlagern und Filmliedern im Theater Lüneburg

oc Lüneburg. Mag die Operette auch aus den Spielplänen fallen, gute Melodien kennen keine Verfallszeit. Was den Kreuders, Benatzkys, Lehars, Künnekes, Mackebens und Co. einfiel, kurz bevor die Kultur von den Nazis verbrannt wurde, das hat seinen Schwung und seinen Witz bewahrt. Schlager aus den wilden Zwanzigern oder den guten alten Zeiten, wie immer man das nennen will, besitzen nach wie vor Zugkraft, und so war es ein Abend zum Schmunzeln, Schwelgen und fast zum Schunkeln, den die Lüneburger Symphoniker und Solisten jetzt auf die Bühne stellten.

Das Genre Operette steht unter hohem Kitschverdacht, die Musik wird gern belächelt. Um ihren Charme herauszukitzeln, muss sie ernst genommen werden, braucht es Sinn für Ironie und die Qualität, einen feinen, schwingenden und elastischen Sound zu produzieren auch dort, wo man es einfach krachen lassen könnte. Die Lüneburger Symphoniker und Dirigent Stephan Zilias ließen die Musik wie einen fliegenden Teppich schweben, das besaß Tempo, Leichtigkeit und immer, wenn passend, auch Biss. Das Schwärmerische kippte nie ins Übersüßte, Jazziges bekam Groove. Das passte, und dass Zilias auch mal kleine szenische Einlagen bot, ebenfalls.

Friedrich von Mansberg führte locker plaudernd mit ernsten Untertönen durch den Abend und brachte sich genau so auch als Sänger ein, zum Beispiel beim Titelsong des Abends: „Ich brauche keine Millionen“. Bald belispelte Franka Kraneis den schönen Sigismund, brach Karl Schneider als Schönling die Herzen der stolzesten Frauen, bevor er mit aller Tenorpower den Freunden im fast vollen Saal versicherte: Das Leben ist lebenswert. Mit Ulrich Kratz und MacKenzie Gallinger bildete Schneider die singenden Drei von der Tankstelle. Zu vorgerückter Stunde stellten sie dann fest, dass die Nacht nicht allein zum Schlafen da ist. Da hatte vorher Kristin Darragh den stärksten Song des Abends gesungen: „Nur nicht aus Liebe weinen“: tolles Arrangement, intensiv interpretiert.

Die Sänger hatten Spaß, die Musiker, das Publikum ebenso. Das ergab ein gelungenes Format, und Friedrich von Mansberg kassierte noch einmal Beifall, als er sagte: „Das machen wir wohl wieder.“

Ganz ist die Operette ja nicht verschwunden. Das „Weiße Rössl“ wird im Juni 2016 in Schwung gebracht, und eine schöne Idee ist es, Operettenklassiker als Kurzformat im T.NT zu präsentieren, mit R.A. Güther, der über zwölf Jahre als Spezialist des Genres in Lüneburg aktiv war. Auch das passiert in der Spielzeit 2015/16.

Dirigent Stephan Zilias, der das Theater nach nur einem Jahr Richtung Bonn verlässt, leitet noch einen weiteren Potpourri-Abend: Am 25. Juni dirigiert er zum Abschied eine Opern-Gala im Großen Haus.