Aktuell
Home | Kultur Lokal | Gospelkonzert mit Edwin Hawkins in Adendorf
Edwin Hawkins preist den Schöpfer, Eggo Fuhrmann dirigiert seine Gospelchöre. Foto: t&w
Edwin Hawkins preist den Schöpfer, Eggo Fuhrmann dirigiert seine Gospelchöre. Foto: t&w

Gospelkonzert mit Edwin Hawkins in Adendorf

ff Adendorf. Der Mann agiert nach einem Programm, das sich in zehn Lettern buchstabieren lässt: „Oh happy day“. So wie etwa Scott McKenzie Zeit seines Lebens mit „San Francisco“ in Verbindung gebracht wird und Ralph McTell immer und ewig für die „Streets of London“ zuständig ist, so steht der Name Edwin Hawkins für den Gospel-Klassiker schlechthin. Der Kalifornier, damals 26-jährig, wurde 1969 mit „Oh happy day“ weltberühmt, und was vor fünf Jahrzehnten ein ganzes Genre populär machte, funktioniert auch noch heute. Eggo Fuhrmann, Leiter der Gospelchöre Reppenstedt und Adendorf, holte ihn in die Emmauskirche. Manchmal muss man sich einfach etwas gönnen.

Den ersten Teil des Konzerts absolvierten die beiden Chöre mal gemeinsam, mal jeder für sich ohne den Gast, mit einem bunten Querschnitt durch die schwarze geistliche Musik, dazu kamen eigene Kompositionen: „Speak to my heart“ und „Celebrate Jesus“, „I`m looking for a miracle“ und „The storm is passing over“ Lieder mit einfacher christlicher Botschaft, hohem Unterhaltungswert und einem verlässlichen Gute-Laune-Faktor. „Da ist wohl für jeden etwas dabei“, vermutete Eggo Fuhrmann völlig zu Recht, die üblichen Gassenhauer der Branche ließ er weg, und für Klassiker war an diesem Abend ja ohnehin jemand anderes zuständig. Das Publikum feierte jeden Song.

Nach der Pause schritt der Meister, gut gelaunt und ganz seriös in grauen Zwirn gekleidet, zu der buntgekleideten Truppe. Seine Message ist vertraut: „Come to Jesus“, „Lord, you are my guide“, aber jetzt bekam das Konzert, begleitet von einer veritablen Band, noch einmal zusätzlichen Groove. Eggo Fuhrmann dirigierte straff, der Star stellte sich ganz in den Dienst seiner Musik, Chor und Solist befeuerten sich gegenseitig, und da war dann plötzlich in der Emmaus-Kirche eine Ahnung davon spürbar, wie es sich wohl anfühlen muss bei den Gottesdiensten in den USA, in den kleinen Kirchen der Provinz, in denen Gospel und Spiritual tatsächlich noch das Leben begleiten.

Nach 45 Minuten in der zweiten Halbzeit war es dann so weit: Edwin Hawkins beendete zunächst offiziell seinen Auftritt, ließ sich für eine Zugabe wieder hereinbitten und krönte den Abend (wer hätte damit gerechnet?) mit „Oh happy day“. Der Klassiker, gesungen mit der Originalstimme in einem facettenreichen Band-Chor-Solo-Arrangement man muss Gospelmusik nicht lieben, aber das war einfach ein beseelter, ein ganz großer Moment.