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Noch tanzen sie gemeinsam durchs Bühnenleben, aber die Wege von Katerina Vlasova und Kilian Hoffmeyer führen nach Osten bzw. nach Süden. Foto: t&w
Noch tanzen sie gemeinsam durchs Bühnenleben, aber die Wege von Katerina Vlasova und Kilian Hoffmeyer führen nach Osten bzw. nach Süden. Foto: t&w

Katerina Vlasova und Kilian Hoffmeyer werden das Theater Lüneburg verlassen

oc Lüneburg. Es ist die Liebe. Es ist die Arbeit. Gute Gründe sind es, die Katerina Vlasova und Kilian Hoffmeyer aus Lüneburg treiben. Die Tänzer haben das Profil des Lüneburger Balletts in den vergangenen Jahren zu großem Teil geprägt. Für beide war Lüneburg der erste Ort nach der Ausbildung. Ende Juni ziehen sie weiter. Bis die Spielzeit ausläuft, lassen sich Vlasova/Hoffmeyer — auf der Bühne — aber noch an manchem Abend auf eine Affäre ein: in Tschechows „Drei Schwestern“, dem aktuellen Ballett von Olaf Schmidt. Zum Beispiel heute, Donnerstag, 20 Uhr.

Katerina Vlasova begann ihre Ballettausbildung an der Ballettschule der Staatsoper Dnepropetrovsk in der Ukraine, schloss sie am Zentrum für Zeitgenössischen Tanz an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln ab. Sie ist seit fünf Jahren in Lüneburg, „eine intensive und lange Zeit“, sagt sie. Eine Rolle hervorheben könne sie nicht, denn jedes Stück sei nun mal eine neue Herausforderung. Das gilt auch für Projekte, die nicht dem persönlichen Geschmack entsprechen. Aber das Eigene, das Individuelle ausprägen, das reizt sie. Sie konnte es in eigenen Choreographien zeigen, „dafür sind die Bedingungen hier sehr angenehm, man hat Freiheit“, sagt sie. In diese Richtung will sie weitertanzen, aber da ist noch vieles offen, „und in fünf Jahren ist vielleicht alles wieder ganz anders“, sagt sie. Der nächste Abschnitt Leben findet bei Leipzig statt, und sie freut sich drauf.

Kilian Hoffmeyer macht einen schärferen Schnitt. Er steigt ganz aus. Der Schweizer, ausgebildet in Basel, kam 2012 nach Lüneburg. Er hatte seine großen Rollen mit Kaspar Hauser und mit dem Romeo, „aber man kann das alles nicht vergleichen, jede Aufgabe ist eben anders.“ Komplett anders wird sein Leben mit dem Ende dieser Spielzeit. Hoffmeyer hört mit dem Profitanzen auf, er will studieren: Kriminaltechnik in Lausanne. Ein neues Leben!

Bei den „Drei Schwestern“ kommen die beiden noch eng zusammen. Vlasova als Mascha, eine etwas apathische und melancholische Frau, „sie ist auch ein bisschen durchgeknallt. Sie stürzt sich in eine Affäre mit dem da“, sagt die Tänzerin und nickt zu Kilian Hoffmeyer. Er tanzt den Werschinin, „der ist verplant, weiß nicht, was er tun soll, verknallt sich in Mascha.“ Katerina Vlasova verkörpert noch eine zweite Frau: Olga. Nicht Maschas Schwester Olga, sondern Olga Knipper, die Frau des Autors Tschechow, die bei der Uraufführung des Dramas 1901 die Mascha spielte. Choreograph und Regisseur Olaf Schmidt baut in seiner zur Premiere begeistert aufgenommenen Fassung von „Drei Schwestern“ die Tschechows mit ein.

Die Balletttruppe ist in den letzten Wochen der Spielzeit noch ordentlich gefordert, „Anatevka“ steht auch noch an, aber am 28. Juni ist Schluss. Das Theater, das werden sie schon vermissen, „hier haben wir schließlich mehr Zeit zugebracht als zu Hause“, sagt Katerina Vlasova.