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Johannes Speh spielt den Siegfried in der Nibelungen-Produktion des Jugendtheaters. Foto: t&w
Johannes Speh spielt den Siegfried in der Nibelungen-Produktion des Jugendtheaters. Foto: t&w

„Der Ring. Nibelungen“ begeistert im theater im e.novum

Lüneburg. Ein Ring, der verhängnisvolle Raub, reichlich Ränke, Wotan mittendrin als Kommentator und erfolgloser Strippenzieher. Göttliche Herrschaft und irdische Probleme, Gier, Hass, das ganze Kuddelmuddel, aus dem Kriege und andere Katastrophen entstehen. Es geht um Macht, Besitz, Liebe, seit Jahrtausenden und doch mit Gegenwartsbezug: Die Nibelungen. Richard Wagner modellierte daraus das vielleicht opulenteste Werk der Operngeschichte. Doch hier geht es nicht um den musikalischen Vierteiler, sondern um ein Des­tillat für Schauspieler. Der Niederländer Theo Fransz hat es unter dem Titel „Der Ring. Nibelungen“ geschrieben, das theater im e.novum setzte die stark geraffte Fassung in Szene.

Manches ist wie in der echten Oper, Nebel wabern, dazu Posen mit gereckten Händen, sogar Einspielungen aus Wagners Original. Das nimmt fast parodistische Züge an. Der Rest der stets aktuellen Mär wirkt sprachlich ziemlich direkt. Der Text kommt, von ein paar Stabreimen abgesehen, ganz heutig daher. Die Tragödie verlangt nach heiteren Brechungen, um den Sturz ins Bodenlose zu vermeiden. Die Bearbeitung platziert ironische Einsprengsel ins turbulente Geschehen. Das Gehabe diverser Polit-Potentaten erscheint nicht nur auf der Bühne komisch, der Blick in die Nachrichten genügt.

„Rheingold“, den Prolog, legt Theo Fransz als Satyrspiel aus. Die „Walküre“ kommt als feminines Erzähltheater daher und erinnert an einschlägige Fernsehsendungen mit aufgeregten Protagonistinnen. „Siegfried“ ist das maskuline Gegenstück mit martialisch lächerlichen Gebärden, die „Götterdämmerung“ schließlich breitet sich als etwas gestreckte Soap aus. Das alles findet sich in „Der Ring. Nibelungen“, in dieser Version von ehemals fast 17 Stunden auf zwei komprimiert.

Margit Weihe inszenierte im Gespann mit Anastasia Schönfeld. Das prägnante Bühnenbild von Simone Anton-Büntig und die einfallsreichen Kostüme von Branka Zelenovic liefern das Dekor für den atmosphärisch dichten Abend, der die Essenz ohne Schnörkel sehr markant herausstreicht. Die Melange aus Intrigen und Gelüsten erweist sich als Erklärungsmuster für den Turbokapitalismus mit Globalisierungseffekt.

Das Jugendtheater-Ensemble agiert hoch konzentriert und energetisch aufgeladen. Zwischen süßlichem Nixengesang, donnerndem Walkürenritt und Siegfrieds Tod reißt die Aufführung packende Momente auf, die das Publikum in Bann ziehen. Starke Typen und pralle Charaktere sind zu erleben: voran Patrick Schunk als totalitärer Wotan, Dennis Bressem als diabolischer Hagen, der linkisch unbeholfene Gunther von Niklas Winkelmann, Johannes Speh als kernig tumber Siegfried sowie die Damenriege mit der naiven Gutrune von Lotta Horns und Sofia Ahrens als erhaben mondäne Brünnhilde. Gemeinsam mit den übrigen Darstellern entwirren sie den verzwickten Plot.

Wagner im Kleinformat funktioniert prächtig. Eine Produktion, die nach den Sternen greift, vom Publikum gefeiert. Die nächsten Vorstellungen: 13., 18. und 20. Juni, jeweils 20 Uhr. Jürgen Rickert