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Auf Atmosphäre setzt das Festival schon mit einem Fotomotiv, das auch Plakate prägt. Foto: nh
Auf Atmosphäre setzt das Festival schon mit einem Fotomotiv, das auch Plakate prägt. Foto: nh

„A Summer’s Tale“: Festival mit Fünf-Jahres-Plan

oc Luhmühlen. „Und darauf freue ich mich schon ganz besonders“, sagt Julia Baer und zeigt auf eine grüne Wiese. Das macht die Frau mit der guten Laune in der nächsten Stunde noch häufiger, mal weist sie auf einen Platz zwischen zwei großen Birken, mal auf einen unter einer mächtigen Eiche und auch auf einen nah am Ufer der Luhe. Es ist eine ganze Menge Strecke zurückzulegen auf dem Gelände, das Anfang August zum Ort eines — für Deutschland — völlig neuen Festivals wird: die Westergellerser Heide, auch als Eventpark Himmel & Heide bezeichnet und vor allem bekannt als Turnierplatz von Luhmühlen. Vom 5. bis 8. August firmiert der Platz als „A Summers Tale“ und wird neben einer Konzertbühne auch einen Grünen Salon, ein LuheDeck, ein Festival-Atelier, einen ZeltRaum, eine Waldbühne und vieles mehr bieten, was nicht nur Julia Baer freut. Sie ist sozusagen die Konzeptionistin. Die Idee hatte ihr Chef.

Folkert Koopmans ist der Kopf von Scorpio und managt neben unzähligen Tourneen und Konzerten 15 Rock- und Jazzfestivals in Europa. Das Hurricane in Scheeßel gehört dazu und das Deichbrand in Cuxhaven, Elbjazz und der Rolling Stone Weekender. Nun startet in Luhmühlen etwas Neues auf dem Open-Air-Markt. Koopmans und Team planen ein Festival als Kurzurlaub — ohne Gedränge, ohne Hektik. „Wir wollen Leute ansprechen, die sich für Musik interessieren, aber auch für vieles anderes, und die Lust auf Festivalatmosphäre haben“, sagt Koopmans. Luhmühlen ist der ideale Ort. Es gibt jede Menge Platz (neun Hektar!), eine Infrastruktur, Parkplätze und Erfahrungen mit großen Veranstaltungen.

Immer habe man gesagt, dass die Investitionen in das Gelände auch Veranstaltungen jenseits des Reitens zugute kommen sollen, sagt Jürgen Krumböhmer, der Erste Kreisrat des Kreises Lüneburg. Seit gut einem Jahr stecke man in den Planungen. „Wir sind superfroh, einen so professionellen Partner gefunden zu haben.“ Mittlerweile, so Arndt Conrad von der Samtgemeinde Gellersen, sei man dabei, das Sicherheitskonzept abzuklären. Für das Pferde-Ausbildungszentrum Luhmühlen wiederum ist es u.a. wichtig, dass bestimmte Trassen nicht beschädigt werden, das wurde mit Geschäftsführer Dr. Roland Wörner geklärt.

Koopmans kennt aus England ähnliche Konzepte, bei denen Kunst und Konzert, Komfort und Kulinarisches zusammenkommen. „Festivals brauchen drei bis fünf Jahre, um sich zu etablieren und sich zu rechnen“, sagt der Konzertunternehmer. Für Luhmühlen besteht zunächst einmal ein Fünf-Jahres-Plan. Dass im ersten Jahr draufgezahlt wird, ist einkalkuliert. Man rechne zum Start mit 7000 bis 10000 Besuchern. Genaues lasse sich nicht sagen. Auch, weil es im Unterschied zu vielen anderen Festivals nicht nur Kombitickets gibt, sondern auch solche für einzelne Tage. Das geht bei 69 Euro pro Tag los. Der Metronom ist inklusive und ein Shuttle vom Lüneburger Bahnhof. Campen kostet extra. Auch das soll sich im Komfortbereich abspielen.

Programm gibt es an allen Tagen ab etwa 10.30 Uhr: Yoga auf dem LuheDeck, Kinderprogramme und Workshops zu Themen wie Bierbrauen oder Urban Gardening im Festival-Atelier. Ab 12 Uhr folgen Lesungen im Grünen Salon, Filme mit Regisseursgesprächen — und so füllt sich der Tag. Wer will, kann sogar ein moderiertes Drei-Gänge-Edelmenü buchen. Überhaupt werde auf Qualität und Regionalität gesetzt, der Bauckhof Amelinghausen ist dabei, die Appleslounge Dahlem und und und.

„Wir schlagen auch leise Töne an“, sagt Julia Baer, und darum beginnen die Hauptkonzerte gegen 17 Uhr. Auf der Hauptbühne läuft das Programm bis 24 Uhr, dann kann in einem Zelt weitergetanzt werden.

Das Echo auf das Konzept sei überwältigend, sagt ein weiterer Verantwortlicher, Stephan Thanscheidt, so etwas habe es eben in Deutschland noch nicht gegeben. Nur im Kleinen und mit anderer Zielgruppe. Nachhaltigkeit und mehr als Musik — das bot am vergangenen Wochenende das studentische lunatic-Festival auf dem Leuphana-Campus. Ex-Lüneburg-Studenten bereichern auch das Scorpio-Team: Julia Baer, die das „Summers Tale“-Konzept ausfeilt, studierte an der Leuphana, ebenso Pressefrau Sina Klimach. Sie wird in den kommenden Wochen noch ein paar weitere Künstler melden.

Das Programm (in Auszügen)
Mittwoch 5. August: Róisín Murphy, Alex Clare, Nneka, William Fitzsimmons, Hudson Taylor, Susanne Sundfør, Liza & Kay… Lesungen mit Clemens Meyer und Sven Amtsberg, Comedy mit Achim Knorr, Theater mit dem Schauspielhaus-Jugendclub, Sommelier-Workshop etc.

Donnerstag, 6. August: Damien Rice, Belle & Sebastian, Augustines, K´s Choice…Lesungen mit Heinz Strunk und Oliver Uschmann, Manuel Muertes „Metaphysisches Kabinett“, Maika Viehstädt (Jahrmarkttheater) mit einem „Kabinett der Kuriositäten“, Infos vom Gartendeck Hamburg über Urban Gardening, Bierbrau-Workshop etc.

Freitag, 7. August: Patti Smith, Zaz, Mighty Oaks, Get Well Soon… Lesungen mit Berthold Seliger und Boris Pofalla, Film „Oh Boy“ mit Regisseur Jan-Ole Gerster, „Wasser für alle“ mit Viva con Agua, Electroswing-Workshop etc.

Sonnabend, 8. August: Tori Amos, Calexico, Yann Tiersen, Sophie Hunger… Lesung mit Jochen Distelmeyer, Performance mir Johnny Lloyd, Poetry Slam, „Couchsurfing im Iran“ mit Stephan Orth, Charleston-Crashkurs, Kindertheater „Der Maulwurf Grabowski“ mit dem Theater Mär etc.