Aktuell
Home | Kultur Lokal | Uraufführung an der Herderschule: Jan Sielemanns Musical „Bach in Lüneburg“
War der Chorknabe Johann Sebastian Bach ein Dieb? Eine ungewöhnliche Lüneburg-Geschichte hat der Herderschulchor einstudiert. Foto: t&w
War der Chorknabe Johann Sebastian Bach ein Dieb? Eine ungewöhnliche Lüneburg-Geschichte hat der Herderschulchor einstudiert. Foto: t&w

Uraufführung an der Herderschule: Jan Sielemanns Musical „Bach in Lüneburg“

hjr Lüneburg. Viele Spuren hat der junge Johann Sebastian Bach in Lüneburg nicht hinterlassen. Beinahe aber wäre der Mettenschüler als Räuber in die Geschichte eingegangen und aus der Stadt geschmissen worden. Der Michaelisrektor beschuldigt den Pennäler des Gelddiebstahls. Der Angeklagte beteuert zwar seine Unschuld, doch neidische Kameraden erhärten den Verdacht: typisches Schicksal besonders Begabter. Am Ende klärt sich der Zwist, weil der spätere Meisterkomponist selbst mit detektivischem Gespür den wahren Täter identifiziert. Aus diesem Plot strickte Jan Sielemann ein turbulentes Musical. „Bach in Lüneburg“ erlebte in der gut besuchten Herderschulaula seine Uraufführung.

Das Ränkespiel der Michaelisschüler ist zwar weitgehend frei erfunden, könnte aber so ähnlich abgelaufen sein. Jan Sielemann gliedert den Musical-Krimi in einen raschen Wechsel aus Chor- und Dialogszenen. Das klappt wie am Schnürchen, die Darsteller sind hoch konzentriert bei der Sache, voran Jan Springmann als strebsam kecker Johann Sebastian und Rabea Gewecke als sein wenig lernbeflissener Gegenspieler Titus. Die Schüler sprechen neudeutsch direkt, benehmen sich entsprechend cool, die Erwachsenen pflegen ein mehr barock gedrechseltes Vokabular. Die zahlreichen Chorstücke kommentieren und befördern den Verlauf der Geschichte: eine Dramaturgie, die logisch ausfällt und für Tempo sorgt.

In seinen Songs bemüht sich Jan Sielemann erfolgreich um Kontraste und Themenvielfalt. Mit eingängigem Sound bewegt sich der Komponist meist in Pop-Gefilden. Als roter Faden fungiert das forsch skandierte „Überfall“, köstlich ist die Ode an den Lateinunterricht, frech der Eifersuchtsschlager, und sogar eine Fuge findet sich in der Partitur.

Die Chöre wurden bestens präpariert und setzen die Stücke mit Verve um. Amüsant fallen am Rande die Gedanken zur Musiklehre aus, wenn zum Beispiel über Melodie und Kontrapunkt sinniert wird. So fließen auch Pädagogik und curriculare Hinweise in das Schüler-Musical.

Alle Beteiligten legen sich für das spannende Stück mit reichlich Elan ins Zeug. Der Beifall lieferte eine überzeugende Anerkennung für die Chöre der Jahrgangsstufen fünf bis sieben und die tonsicher aufspielende Lehrer-Combo. Sie wurde abwechselnd vom Autor, Annette Hilmer und Florian Schneider geleitet.