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Gleichklang bei der Improvisation zu Vivaldis Jahreszeiten:  Yarica von der Osten tanzt, Jan Balyon malt. Foto: t&w
Gleichklang bei der Improvisation zu Vivaldis Jahreszeiten: Yarica von der Osten tanzt, Jan Balyon malt. Foto: t&w

Ein hoffnungsvoller Romantiker

oc Lüneburg. Der Künstler Jan Balyon ist ein hoffnungsloser Romantiker. Besser: Er ist ein hoffnungsvoller Romantiker. Seine blaue Blume ist ein blauer Malgrund, und den wird er an diesem Nachmittag im Kurpark beleben. Balyon ist zuerst Maler, aber er ist auch ein Poet, ein Saxophonspieler, ein Performancemacher, ein Mann der Meditation und sicher auch einer, der die Selbstdarstellung mag, Selbstironie inklusive. In jüngerer Zeit wurde Balyon von der Muse geküsst, und Yarica von der Osten tanzt dazu.

„Musen sind Menschen, die Künstler in ihrem Schaffensprozess animieren, doch wodurch sie die Künstler zu Ideen bringen und anregen, das ist schwer zu beschreiben“, schickt Balyon seinem Projekt „La Muse“ voraus. Musen sind meistens weiblich, sehr schön, gern ein bisschen ätherisch und vor allem deutlich jünger als diejenigen, die ihre Inspiration aufsaugen. Männliche Musen sind Mangelware, es gibt sie vorwiegend in homosexuellen Beziehungen, Karl Lagerfeld und Tom Ford halten sich junge Inspiratoren. Balyons Muse aber heißt Sarah, sie ist nicht da, sondern auf Bali, sie sind halt flüchtige Wesen, diese Musen. Yarica von der Osten wiederum ist die künstlerische Partnerin.

Balyons Bilder sind in vielen Cafés zu sehen, auf Ausstellungen, in seinem Atelier Auf der Altstadt. Seit vielen Jahren pflegt Balyon seine eigene Form von Live- oder Action-Painting zu Musik. Er hat oft live zu Rockbands gemalt, in seinem Atelier aber läuft meistens Klassisches, und an diesem Nachmittag vor allem Romantisches aus der Welt der Klaviermusik, Liszt und Brahms. Das passt vor allem zu dem, was Yarica von der Osten tanzt.

Balyon trägt Künstlerschwarz, dazu eine blau gefasste Brille, er schwingt sich zu Chansons von Charles Trenet auf der Bühne warm und liest Gedichte in den Wind, in denen viele urromantische Motive auftauchen: Sehnsucht, Einsamkeit, stille Seen. . . Er malt punktgenau zu eingespielten Musikstücken, und da wird seine Könnerschaft deutlich, er lässt Pinsel regelrecht über den Malgrund tanzen. Zunächst wechseln sich Balyon und Yarica von der Osten ab, er malt einen Satz, sie tanzt einen und auch sie macht das ausdrucksvoll. Ausgebildet bei John Neumeier, war Yarica von der Osten sechs Jahre lang Solistin des Lüneburger Balletts. Sie hat nichts verlernt.

Die Musenstunde kulminiert in einer rasanten und unkonventionellen Fassung von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, bei denen Maler und Tänzerin sich umkreisen, malerischer und tänzerischer Schwung sich improvisierend zu befeuern scheinen. Das Publikum beklatscht die Performance zustimmend, und am Ende bekommt jeder eine persönliche Botschaft mit auf den Weg, handgeschrieben. Jeder eine andere. Ich soll gut zu mir sein.