Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Albrecht Mayer  hier beim Luftoboespiel  leitet die Musikwoche Hitzacker. Foto: Ralph Mecke
Albrecht Mayer hier beim Luftoboespiel leitet die Musikwoche Hitzacker. Foto: Ralph Mecke

Die Musikwoche Hitzacker wird einen spürbaren Bedeutungssprung machen

oc Hitzacker/Hannover. Hitzackers Musikfeste werden 100. In diesem Sommer feiern die Sommerlichen Musiktage ihre 70. Ausgabe. Es folgt im März 2016 die 30. Musikwoche, und die verspricht Spannung. Sie könnte künftig sogar den bundesweit geschätzten „Sommerlichen“ den Rang abspielen. Das liegt am neuen Leiter und seinem ersten Programm. Jetzt stellte es Albrecht Mayer in Hannover vor. Schon der Aufschlag in der Landeshauptstadt und nicht an der Jeetzel setzt ein Zeichen: Hier passiert etwas.

Bis heute sind es die Sommerlichen Musiktage, die Hitzacker als Musikstadt definieren. Das älteste bundesdeutsche Kammermusikfestival, gegründet 1946, litt zwar zeitweise an Siechtum, aber Dr. Markus Fein hievte die Festspiele mit einer Fülle von Ideen zu neuer Qualität und hohem Ansehen. Fein leitet heute die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, in Hitzacker gibt seit 2012 die Geigerin Carolin Widmann den Ton an. Sie steht für Musik erster Güte und kann ihre vielen Kontakte nutzen. Aber sie hat schon ihren Abschied angekündigt. Die Ausgabe Nr. 71 wird 2016 Oliver Wille leiten, ebenfalls ein Geiger, unter anderem Gründer des Kuss-Quartetts.

1983 kam die Musikwoche Hitzacker hinzu. Sie zeigte ein klares Profil: Barockmusik und Zeitnahes, made in Dresden und Umgebung. Als Kopf und Magnet gab Trompeter Ludwig Güttler die Töne an. Programmatisch kam man sich mit den Sommerlichen nicht ins Gehege. Das Güttler-Festival stand für eher Populäres, die Sommerlichen waren und sind inhaltlicher ausgerichtet, auch überregionale Medien von HAZ bis FAZ, NDR bis Deutschlandradio haben ein Ohr am Geschehen. Anders gesagt: Im Winter zur Musikwoche wars nett, im Sommer bedeutsam. Gefälliges bietet Albrecht Mayer, der neue Mann der Musikwoche, auch, aber zugleich schraubt er die Qualität deutlich höher.

Mayer, gerade 50 Jahre alt geworden, gilt als einer der weltbesten Oboisten, er ist Solo-Oboist bei den Berliner Philharmonikern und dreifacher Echo-Preisträger. Seine Soloprojekte und CDs werden gefeiert, sein künstlerischer Horizont reicht weit. Das wird vom 4. bis 13. März festzustellen sein. Mayer sieht, wie sein Vorgänger, in einem Festival in einem als sehr ländlich zu bezeichnenden Raum viele Chancen. Begegnungen zwischen Besuchern und Künstlern seien intensiver, zudem ließe sich im Zeitraum von zehn Tagen thematisch ein roter Faden spinnen. Ihn wickelt er zum Start ums Thema „Pastorale“ — als Hommage an die Elbtalauen und an die Familie der Holzblasinstrumente, die charakteristisch für „Hirtenlieder“ sind. Mit seinem Instrument, der Oboe, findet Mayer somit den perfekten Einstand.

Zwei berühmte Pastoralen bilden den Rahmen. Zur Eröffnung am 5. März wird Bachs Pastorale aus dem Weihnachtsoratorium erklingen. Beethovens „Pastorale“, seine sechste Sinfonie, wird die Musikwoche am 13. März beschließen, gespielt von der Kammerakademie Potsdam und Albrecht Mayer als Leiter. Was „Pastorale“ sonst in musikalischer, kunsthistorischer und dichterischer Hinsicht bedeutet, wird die Musikwoche auffächern. Das übernehmen der Pianist Igor Levit, der Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker Andreas Ottensamer, der Cembalist Mahan Esfahani, der — ohne Arme geborene — Hornist Felix Klieser, Pianist Markus Becker, Studierende der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, das Jazz-Trio Solea etc. Zu Rezitationskonzerten kommen Roger Willemsen und Joachim Król.

Mayer legt also ein dickes Pfund auf den Tisch. Zwei Uraufführungen sind auch geplant: Mahan Esfahanis Rekonstruktion von Bachs Konzert für Oboe, Cembalo, Streicher und B.c. (nach BWV 1059) und Gotthard Odermatts „Les couleurs de leau“ für Oboe und Orchester.

Karten gibt es ab Oktober.