Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Selbstbewusst und entspannt präsentiert sich der Signore, eine Holzskulptur von Gero Braeutigam. Die Figur steht zwischen einer Fotografie von Keike Pelikan und einem Gemälde von Joan Stephan. Foto: ff
Selbstbewusst und entspannt präsentiert sich der Signore, eine Holzskulptur von Gero Braeutigam. Die Figur steht zwischen einer Fotografie von Keike Pelikan und einem Gemälde von Joan Stephan. Foto: ff

Ausstellung in Reppenstedt: Kunst darf leuchten

ff Reppenstedt. Gero Braeutigam kann ganz schön knurrig werden, wenn er etwa über den Zustand dieser Welt nachdenkt, und das entsprechend in seiner Malerei umsetzt. Dann gehen Welten zugrunde, ausgepresst von internationalen Konzernen, brechen Gesellschaften in sich zusammen. Der Lüneburger kann aber auch anders. Diese zweite Seite ist jetzt in der Ausstellung „Einzigartigkeit“ des Kunst-Forums Gellersen zu sehen. Da kommen die Menschen in ihrer gelassenen Alltäglichkeit zur Geltung. Die Malerinnen Joan Stephan und Keike Pelikan präsentieren ebenfalls Arbeiten, die meistens von einem freundlichen Grundton getragen werden.

Mit der Kettensäge hat Gero Braeutigam seine „wooden people“ aus dem Vollen herausgesäbelt. Entstanden sind Flaneure, Schlaumeier, ein Jogger bei Dehnübungen, Frauen in elegant-spielerischen Körperhaltungen, und Männer, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen. Das sind Zeitgenossen, die ihrer Umgebung zugewandt sind, mitgenommen — man könnte auch sagen: gekauft — werden wollen. Nur ein Typ steht in der Ecke, mit Kopfhörer auf den Ohren und dem Smartphone vor den Augen, der lebt in seinem eigenen Kosmos.

Die Gemälde von Keike Pelikan folgen keinem durchlaufenden Programm, es sind eher Expeditionen in verschiedene Richtungen mit unbestimmtem Ausgang. „Beim Arbeiten lege ich mich weder auf eine bestimmte Stilrichtung, noch auf eine bestimmte Technik fest.“ In Reppenstedt ist eine Reihe von Tier-Studien (es gibt sogar ein Quallen-Tryptichon) zu sehen, dazu kommen — am Computer bearbeitete — Fotografien, die sich meist vom abgebildeten Objekt lösen, Form und Farbe an sich in den Vordergrund stellen und damit eher auf ästhetische Wirkung zielen.

Joan Stephan lässt ordentlich Licht und Luft durch ihre — meist großformatigen — Szenarien fließen. Das ist Lüneburg in seinen vielen malerischen Straßen und Plätzen, die Sonne gespeichert haben und sie nun wieder abstrahlen. Mal gönnt sich ein Besucher ein Päuschen auf einer Bank, meistens aber hat der Betrachter die einladende Stadt für sich allein. Ganz anders der Blick aufs Wattenmeer, da hat sich eine Möwen–Kolonie breitgemacht, aber auch hier ist die Luftigkeit (vermutlich weht eine ordentliche Brise) ein zentrales Merkmal. Als Blickfang dient auch eine neunteilige Arbeit: dreimal drei duftige Blumenbilder, die Natur feiert ein Blütenfest.

Die Ausstellung im Reppenstedter Rathaus läuft bis 5. Juli und ist jeweils sonnabends und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

5 Kommentare

  1. Klaus, wenn ich mir den Reppenstedter Signore von Gero Braeutigam auf dem Foto oben anschaue, habe ich sofort Sie vor Augen. Natürlich muss man sich die noch halbvolle Haartracht ganz wegdenken und an die Stelle des Designer-Hemdes etwas ausgeleiertes Shirt-Ähnliches setzen, aber die erhaben nachdenkliche Zurückgeworfenheit der unaufgeregt selbstgenießerischen und ebenso überlegt wie überlegen eigenommenen Weltbetrachtungshaltung scheint mir zu Männern wie Ihnen zu passen, „Männern, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen, Zeitgenossen, die ihrer Umgebung zugewandt sind, mitgenommen — man könnte auch sagen: gekauft — werden wollen.“

    Ich bin immer noch überzeugt, dass Sie die bessere erste Lüneburger Rosenkönigin geworden wären.

    Siehe: http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/241466-lueneburgs-oberbuergermeister-ulrich-maedge-mit-65-auf-hochtouren-und-ohne-zeit#comment-51320

    • sie sollten nicht zu viel humor in die politik bringen. sie ist jetzt schon unglaubwürdig genug.ich lasse mich nicht kaufen. es gibt kein geld der welt, was mich dazu bringen wird, meine überzeugung zu verraten. und ich habe rentenabschläge von 10,8% zu erdulden, dank der spd. und trotzdem bin ich immer noch ein konservativer linker liberaler sozialdemokrat. die themen bestimmen mein handeln und meine meinung und nicht , wo sie herkommen.

      • Klaus, so ein Signore kann nur gekauft werden, wie er ist, nicht, wie man ihn gern hätte. Wer ihn zu sich holt, muss damit rechnen, dass er einen in seiner grob hervorgehackten Expressivität auf bisher verschwiegene Eigenarten aufmerksam macht, die verstören können.

  2. Mir scheint, Signore Bruns spielt den von hochfliegenden Gedanken in Anspruch genommenen Hans Guck-in-die-Luft nur. Tatsächlich wartet er darauf, von dem blau gekleideten Sozi-Hipster auf dem Brettchen zwischen den Zimmerpflanzen angesprochen zu werden, um ihm eine seiner ehernen Lebensregeln vermitteln zu können: »Wenn du aber glaubst, du kannst hier in Dürrenmoos den Rebellen spielen und gegen unsere Vorschriften anrennen, so werden wir dich schnell in den Senkel stellen.«

    • Tinalein, bange machen gilt nicht. gibt es in einer demokratie eigentlich rebellen? und wenn ja, sind das auch demokraten? es gibt da eine partei, die nennen sich piraten. sind das räuber?