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Einsatz für Sopranistin Francisca Prudentio, eine aus der Solistenriege des gefeierten Abends. Foto: t&w
Einsatz für Sopranistin Francisca Prudentio, eine aus der Solistenriege des gefeierten Abends. Foto: t&w

Musik von Schubert und Mendelssohn in der Lüneburger Michaeliskirche

aat Lüneburg. Als das feierliche „Dona nobis pacem“ von Franz Schuberts Messe in As-Dur verklungen war, wartete das Publikum in der gut besuchten St. Michaeliskirche nur wenige Sekunden, bis stürmischer Beifall aufflammte. Mit Applaus und Fußgetrappel wurden alle Musizierenden für ihre Darbietungen gefeiert: Gesamtleiter Henning Voss, das erstklassige Solistenquartett, die brillante Hannoversche Hofkapelle sowie die stimmgewaltige Kantorei.

Michaeliskantor Voss hatte das Konzert mit dem Magnificat in D-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy begonnen. Dieses Werk des erst 13-jährigen Komponisten wurde zur gleichen Zeit konzipiert wie die As-Dur Messe des 25-jährigen Schubert, im Jahre 1822. Im Programmheft macht Clemens Matuschek darauf aufmerksam, wie unterschiedlich dennoch die beiden auf liturgischen Texten basierenden Kompositionen sind: Während der von Beethoven inspirierte Schubert in Wien ein seinerzeit modernes und als Messe formal und harmonisch ungewöhnliches Konzertstück schrieb, ist Mendelssohns von seinem Berliner Lehrer Carl Friedrich Zelter in Auftrag gegebenes Jugendwerk bewusst dem spätbarocken Stil verpflichtet. Mendelssohn, der 1829, fast 80 Jahre nach Bachs Tod, erstmals wieder dessen Matthäuspassion aufführte, war auch vom empfindsamen Stil des Bach-Sohnes Carl Philipp Emanuel beeindruckt.

Henning Voss arbeitete die stilistische Individualität beider Werke delikat heraus. Pauken und Trompeten unterstützen im Eingangsgesang die frohe Botschaft des Magnificat: „Meine Seele erhebt den Herrn und mein Geist freuet sich…“ Die rund 130 Stimmen der Michaeliskantorei füllten den Raum mit einem rhythmisch gestrafften und dynamisch abgestuften Jubelgesang, der an die Oratorien Bachs und Händels erinnerte und in seiner sensiblen Melodieführung unverkennbar auch romantische Züge besaß. Insbesondere in den a-capella-Phasen, doch auch während der vom Orchester feinfühlig begleiteten Chorsätze, zeigte der Chor seine vortreffliche Intonationssicherheit, überzeugte durch die enorme Strahlkraft seiner Stimmen und eine bewegende Textauslegung.

Schuberts As-Dur Messe, für die das Orchester um drei Posaunen erweitert wurde, erklang noch melodieseliger, harmonisch freier, dynamisch atmend. Liedhafte Melodik im zarten Pianissimo und raumfüllende Klangkulminationen bildeten wirksame und reizvolle Gegensätze. Das gepflegte Spiel der Hannoverschen Hofkapelle und die bestens disponierte, klangtransparent singende Kantorei folgten Henning Voss fordernder Gestik hellwach.

Makellos aufeinander abgestimmt interpretierte das lupenrein intonierende Solistenquartett die Soli und Ensembles sowie den Wechselgesang mit dem Chor. Mendelssohns Solopartien sangen die Vier mit Liebe zur Ornamentik und mit noch sparsamerem Vibrato als Schubert, passend zum Musizierstil der Hofkapelle auf Originalinstrumenten oder historischen Nachbauten. Auf sehr hohem Nieveau deuteten die Solisten auch ihre Partien der Schubert-Messe: Francisca Prudentio mit hellem zart-holdem Sopran, Anne Bierwirth mit geschmeidigem Alt, Hans Jörg Mammel mit klarer Tenorstimme und Markus Flaig mit ausdrucksstarkem Bass.