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Christian Hübenbecker bei der Feinabstimmung an den Leisten einer Gitarrendecke  auf diese Weise wird der Klang beeinflusst. Foto: ff
Christian Hübenbecker bei der Feinabstimmung an den Leisten einer Gitarrendecke auf diese Weise wird der Klang beeinflusst. Foto: ff

Bundesweit gefragt: Christian Hübenbeckers Gitarren

ff Rullstorf. Christian Hübenbecker kennt seine sensiblen Geschöpfe, auf der Bühne könnten sie „schon mal zickig“ werden. Musiker scheint das nicht zu stören die Gitarren sind gefragt. Gerade hat der Rullstorfer ein Instrument für Werner Lämmerhirt in Arbeit, bis Weihnachten soll es fertig sein. Eine bessere Referenz kann man sich kaum wünschen, immerhin gilt Lämmerhirt, der im Grunde in Deutschland ein eigenes Genre geschaffen hat, als Ikone. Und weil Hübenbecker Ruhe braucht für seine Kreationen, haben die Wartezeiten für die Gitarren inzwischen anderthalb bis zwei Jahre erreicht.

Manche Luthiers (von Laute, also eigentlich „Lautenbauer“) mit ihren oft selbstentwickelten Werkzeugen genießen in der Branche Kultstatus, werden als Künstler gehandelt. Christian Hübenbecker will davon nichts wissen: „Ich bin Handwerker, und was ich mache, das kann sich jeder selbst beibringen“.

Das ist wohl nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich ist sein Beruf seit einigen Jahren nicht mehr an eine standardisierte Ausbildung zum Lehrling und Meister gebunden. Wichtiger als die Hände aber sind die Ohren, das geht bei der Auswahl des Tonholzes los und endet beim Feinschliff der Leisten, mit denen die Decke stabilisiert wird, und die dem Instrument seinen eigenen Klang geben.

Gelernt hat Christian Hübenbecker, 1960 in Prisser (Kreis Lüchow-Dannenberg) geboren, aufgewachsen in Lauenburg, eigentlich Energieanlagen-Elektroniker. Seit einem Motorrad-Unfall auf den Rollstuhl angewiesen, realisierte der passionierte Gitarrist Ende der 80er-Jahre sein erstes eigenes Instrument. Basis war damals noch ein vorgefertigter Bausatz, „aber ich war sofort infiziert, da wusste ich: Das ist das, was ich will“. Heute macht er bis auf die Stimmmechaniken alles selbst, mittlerweile gibt es rund 50 Hübenbecker-Gitarren, und jede ist ein bisschen anders.

Im Programm sind ausschließlich Steelstrings, Stahlsaiten-Instrumente, keine Klassikgitarren. Als Grundlage dient eine Corpusform mit Fichtendecke sowie Zarge und Boden aus Mahagoni, die Hübenbecker aus populären Modellen von vier Firmen entwickelt hat. Das ist nun die „C1“ (C für Christian). Sie ist vor allem für jene gedacht, die „Fingerstyle“ spielen, also ziemlich komplexe Sachen: Melodie, Begleitung und Bass gleichzeitig, ähnlich wie ein Pianist. Da ist bei dem Instrument Trennschärfe des Klanges gefordert und gleichmäßige Lautstärke über das ganze Griffbrett, also knapp vier Oktaven.

Singer/Songwriter, die zur Begleitung ihr Instrument kraftvoll mit dem Plektrum traktieren, werden mit einer Hübenbecker eher weniger glücklich. Und weil die Gitarren leicht auf alle Reize ansprechen, reagieren sie bei Band-Projekten auf der von allerhand Schallwellen durchflossenen Bühne entsprechend empfindlich zickig eben. Aber genau das wollen jene Musiker, die mittlerweile aus dem ganzen Bundesgebiet vorbeischauen, sich ihr Ins­trument maßschneidern lassen. Ein paar Millimeter Griffbrett-Breite mehr oder weniger da liegen Welten zwischen. Jeder Wunsch findet ein offenes Ohr, nur mit E-Gitarren mag sich Christian Hübenbecker, obwohl doch einst Elektroniker, nicht mehr beschäftigen.

Kaum eine Instrumentalisten-Fraktion interessiert sich so sehr für die Baukunst wie die Akustik-Gitarristen. Wenn Werner Lämmerhirt das nächste Mal in Himbergen einen Fingerstyle-Workshop gibt, dann ist Christian Hübenbecker wieder dabei, um über X-Bracing, Neck-Reset, Belly-Bridges und den Triple-0-Corpus zu sprechen: „Das ist meine Sendung mit der Maus“.

One comment

  1. Klasse was manche Menschen für Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln.