Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Franka Kraneis zählte zu den Solisten, die mit einem Querschnitt durch die Welt der Oper großen Anklang fanden. Foto: t&w
Franka Kraneis zählte zu den Solisten, die mit einem Querschnitt durch die Welt der Oper großen Anklang fanden. Foto: t&w

Operngala zum Saisonfinale der Lüneburger Symphoniker

hjr Lüneburg. Was passt besser als Rossini? Seine Ouvertüren wandeln auf den Pfaden süffiger Klangfülle, streuen komödiantisches Esprit ein, nehmen mächtig Fahrt auf, bis das Tempo beinahe verwirbelt und gönnen sich auch mal samtig seidene Ausflüge. Ein zündender Auftakt zur Operngala war damit garantiert. Der „Barbier von Sevilla“ legte die Leitplanken für das finale Saisonkonzert der Lüneburger Symphoniker im recht gut besuchten Theater aus. Italienisches Fluidum durchpulste den vergnüglich kurzweiligen Abend, der sich im zweiten Teil gar an den schwergewichtigen „Tannhäuser“ wagte. Die Mitwirkenden waren einmal mehr mit viel Herzblut und in Bestverfassung bei der Sache.

Nirgendwo fällt die eigentlich eher hehre Oper so kulinarisch aus wie zwischen Milano und Palermo. Belcanto pur durfte es in Lüneburg sein. Rossini natürlich und Donizetti mit dessen drallen Buffo-Stücken „Der Liebestrank“ und „Don Pasquale“ füllten das von Friedrich von Mansberg anregend moderierte Programm vor der Pause mit überwiegend heiterer Note. Auch am Ende einer anstrengenden Spielzeit glänzte das Musiktheater-Ensemble mit hoher Präsenz und ausgelassener Freude.

Den größten Arbeitsauftrag hatte das Orchester zu absolvieren. Die Symphoniker musizierten unter Leitung von Stephan Zilias, der mit klaren Zeichen nicht nur über alle Partiturklippen führte, sondern ebenso schwungvoll und souverän das emotionale Spektrum der Werke aushorchte, dabei für Transparenz sorgte und die Instrumentalisten dauerhaft inspirierend befeuerte. Als zuverlässiger Partner und Impulsgeber fungierten die Symphoniker: Sie bereiteten den Solisten einen standfesten Boden, den diese dankbar nutzten für die Kostproben aus dem knallbunten Reigen von Mozart bis Gounod. Ihre Figuren lebten, bestachen durch Dramatik und Vitalität.

Verdi war natürlich ein absolutes Muss, Mascagni oder Massenet und Wagner reihten sich ein. Geschichten, Episoden von Menschen in oft zugespitzten Situationen, fröhlich und düster. Funken schlagender Gesang verpasste den Momentaufnahmen aus dem Opernkabinett stets knisternde Atmosphäre. Ein beinahe Schwindel erregender Galopp durch rund ein Jahrhundert, der die unbändige Kraft des keineswegs altersschwachen Genres bestätigte.

Osmin und Violetta, Norina und Basilo, Gretchen und Stolzing: wunderbare Stippvisiten in der Welt des schier unerschöpflichen Musiktheaters. Franka Kraneis, Ulrich Kratz, Karl Schneider, MacKenzie Gallinger und Arthur Pirvu lechzten, litten, liebten, lamentierten sich leidenschaftlich und lyrisch durch die meist turbulenten Achterbahnfahrten der Verletzungen und Vergnügungen.

Ergreifende Szenen mit wilden Momenten und berührenden Stimmungen waren mit stimmlichen Schliff und feinstem Timbre zu bestaunen. „Die Fledermaus“ als Rausschmeißer rundete den Bogen ab. Tosender Applaus für sämtliche Beteiligten, die damit dem Lüneburger Theater eine prächtige Visitenkarte ausstellten.