Aktuell
Home | Kultur Lokal | Bernd Strauch lässt nach gut 30 Jahren die Geschichte der Riverside Gang enden
Nichts Süßes trinken, Bier ist okay, Bernd Strauch hat sein eigenes Rezept, um die Stimme bei langen Konzerten geschmeidig zu halten. Foto: ff
Nichts Süßes trinken, Bier ist okay, Bernd Strauch hat sein eigenes Rezept, um die Stimme bei langen Konzerten geschmeidig zu halten. Foto: ff

Bernd Strauch lässt nach gut 30 Jahren die Geschichte der Riverside Gang enden

ff Lüneburg. So langsam ist mal gut, drei Jahrzehnte sind eine lange Zeit. Unendlich vielen Musikern ist Bernd Strauch begegnet, deren Namen er — „Mensch, wie heißt der jetzt bloß?“ — gerade nicht präsent hat, aber schön war es eigentlich immer, und Spaß gemacht hat es sowieso. Im Jahre 1984 gründete der Ingenieur zusammen mit Frank Tietke ein Duo, und weil er im Wasser- und Schifffahrtsamt Lauenburg für die Elbe zuständig war, nannte er das Ganze „Riverside Gang“. 31 Jahre und ein paar Tage später, am 10. Juli, gibt Bernd Strauch nun sein Abschiedskonzert, mit ihm wird der Band-Name aus der Szene verschwinden, der über Jahrzehnte eigentlich zu jedem Stadtfest, jedem einschlägigen Festival gehörte.

Als Country-Sänger und -Gitarrist hatte Bernd Strauch, 1948 in Salzgitter geboren, schon in jungen Jahren allerhand Erfahrung gesammelt. In einer Hamburger Kneipe lernte er den Sänger-Kollegen Otto Waalkes („ein unheimlich witziger, netter Typ“) kennen, in München Fredl Fesl, und schon bald hatte er eine Einladung für einen Schuppen, in dem sonst Reinhard Mey und Ulrich Roski auftraten. Da zog Bernd Strauch erst einmal die Bremse, „das war nicht meine Liga“.

Der erste Gig der Riverside Gang führte zu einem Zeltlager der Freiwilligen Feuerwehr Hohnstorf, das passte schon eher. Das Lüneburger Stadtfest, Rolf Bergmanns Dixie, das Hamburger Blockhaus, das waren die richtigen Bühnen für Country und Western, Blues und Bluegrass. Nach zehn Jahren, nach einigen Wechseln, hatte sich die Riverside Gang in einer stabilen Viererbesetzung eingegroovt: Bernd Strauch, Rolf „Rolli“ Reinhard, Horst Brechert und Henning Engel.

Längst war die Mappe mit den Liedertexten und den Akkorden darüber — „Noten brauchen wir nicht“ — auf einige hundert Blätter angewachsen, was für viele Stunden Programm reicht, die nötige Kondition vorausgesetzt, aber ein echter Cowboy ist zäh. „Nichts Süßes trinken, sonst ist nach zwei Stunden die Stimme weg“, sagt Bernd Strauch, „Bier ist okay“. Stichwort Gesang: Mit ihren vier Stimmen singt die Gang auch mal a cappella, oder jede Strophe erklingt in einer anderen Tonfärbung. Das wurde so etwas wie ein Markenzeichen der Truppe, die übrigens nicht mit der gleichnamigen Jazz-Combo aus Hamburg zu verwechseln ist. Bernd Strauch begann einst mit Songs von Bob Dylan, Pete Seeger und John Denver, mittlerweile reicht das Repertoire von Johnny Cash über die Eagles und Marius Müller-Western(!)hagen bis zu Eigenkompositionen, dem „Lüneburg-Lied“ zum Beispiel, mit dem die Kneipenszene gewürdigt wird.
So 15 bis 20 Auftritte absolvierte die Riverside Gang im Jahr, das Countryfest Radbruch zum Beispiel 18 Jahre in Folge, und ihr größtes Publikum fand die Gang wohl regelmäßig beim Altbierfest Fischhausen, wo schon mal ein paar Tausend ihrem „Ring on Fire“ zuhörten oder dem „Hotel California“. Apropos: Bernd Strauch zupft eine zwölfsaitige Dreadnaught von Takamine, eine Referenz an den Sound der Eagles.

Am Freitag, 10. Juli, geht die Riverside Gang um 19.30 Uhr noch einmal mit der aktuellen Fünferbesetzung rund um Sängerin Jolie in der Krone auf die Bühne. Bernd Strauch, der auch künftig als Musiker aktiv bleiben will, hofft auf ein Wiedersehen mit alten Weggefährten, „das wird dann mehr wie eine Session“. Und: „Ich freue mich auf jeden, auch wenn wir vielleicht damals im Unfrieden auseinander gegangen sind. Das ist doch Schnee von gestern“. Und auch deren Namen wird Bernd Strauch dann wieder einfallen.