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Rund 120 Konzerte im Jahr absolviert Maybebop, zwei davon führen regelmäßig ins Kulturforum; von links: Oliver Gies, Lukas Teske, Jan Malte Bürger und Sebastian Schröder. Foto: t&w
Rund 120 Konzerte im Jahr absolviert Maybebop, zwei davon führen regelmäßig ins Kulturforum; von links: Oliver Gies, Lukas Teske, Jan Malte Bürger und Sebastian Schröder. Foto: t&w

Ich trockne Deine Tränen

ff Lüneburg. Oliver, Jan, Lukas und Sebastian erobern die Bühne des Kulturforums Gut Wienebüttel: „Guten Abend Uelzen!“ Sehr witzig. Aber die vier sind das Quartett Maybebop, die dürfen alles, auch alte Kalauer verwursten, jedenfalls in Lüneburg. Das A-cappella-Ensemble steht, so ist es schon Tradition, jedes Jahr gleich an zwei Tagen hintereinander im Programm des Kulturforums, und beide Tage, das ist ebenfalls guter Brauch, sind ausverkauft. Auch diesmal natürlich.

Was gibt es Neues? Sauber intonierte Stimmen, ausgefeilte, gut sitzende Choreographien, ein schöner Schuss Comedy sowie Blümchenhemden und bonbonfarbene Jacketts in den Grundtönen der Teletubbies, dies alles kennen wir von Maybebop. Neu sind die Lieder: „Das darf man nicht“ heißt der erste Song, nach ihm ist auch das ganze Programm benannt. Es besteht im Kern aus typischen A-cappella-Nummern, bei denen neben der Melodie auch die Harmonie-Linien gesungen und allerhand rhythmische Bass- und Schlagzeug-Effekte erzeugt werden. Das klingt bei Maybebop so überzeugend, dass der Verdacht entstehen könnte, es würden zusätzliche Tonspuren dazugemischt. Aber der Tontechniker schwört Stein und Bein, lediglich die ersten Töne eines Liedes zur Orientierung und Einstimmung für die Musiker einzuspielen und ansonsten nur die Effektgeräte zu bedienen.

Das wollen wir ihm gern glauben. Ohnehin liegt der Schwerpunkt bei Maybebop nicht bei der Klangartistik, sondern in dem Charme der vier Jungs (Jahrgänge 1973 bis 1980). Sie erzählen vor allem moderne Geschichten, „Mein Handy weiß alles“ zum Beispiel, da geht es um Menschen, die mit der Nase nur noch am Smartphone kleben und daher im Stadtverkehr akut lebensgefährdet sind. In London werden bereits, kein Witz jetzt, gepolsterte Laternenpfähle getestet.

Es gibt durchaus nachdenkliche Zwischentöne, etwa in der Persiflage auf die dumpfe Frömmelei in manchen Kirchenliedern und die fatale Macht der Religionen. Harmloser ist der Spaß an einer supersüßen Schnulze, bei der die Maybebops jede gebräuchliche Phrase („Ich trockne Deine Tränen!“) unterbringen. Ein paar Hits von früher haben sie auf Zuruf parat, und auch an der schönen Gewohnheit, ein Lied mit einem Gast aus dem Publikum zu singen, wird nicht gerüttelt. Das war am ersten Abend Iris mit einer super Interpretation des Vogel-Liedes aus dem Maybebop-Album „Extrem nah dran“. Aber die Sängerin ist ja auch kein Neuling, sondern Mitglied bei Chornetto, der Chor aus Amelinghausen hatte kürzlich Maybebop zu Gast.

Alles in allem alles wie immer: Jede Menge Jubel Maybebop wird, keine Fragen, auch im nächsten Jahr wieder zweimal im Kulturforum auftreten müssen. Also: Herzlich willkommen, 2016 in Uelzen!