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Eine eher ernste und eine eher unterhaltsame Hälfte hatte Deborah Coombe mit dem BachChor vorbereitet. Foto: t&w
Eine eher ernste und eine eher unterhaltsame Hälfte hatte Deborah Coombe mit dem BachChor vorbereitet. Foto: t&w

Konzert für Flüchtlinge

hjr Lüneburg. Willkommenskultur könnte zum positiven Wort des Jahres werden. Eine momentan häufig genutzte Vokabel, die erfreulicherweise vielerorts zum Alltag gehört. In der gut besuchten Gutskapelle Barnstedt setzte der Lüneburger BachChor einen solchen Akzent mit einem so anspruchsvollen wie facettenreichen Programm, das sich von Populärem bis zum Barock spannte und mit einem kulinarischen Beisammensein ausklang. Das Gebäck hatten in Barnstedt wohnende, überwiegend aus dem Sudan stammende Flüchtlinge beigesteuert.

„Barnstedter Melange“ betitelte Chorleiterin Deborah Coombe das Programm, dem die Instrumentalisten Franziska Borderieux (Klavier, Orgel, Cello) und Anton Borderieux (Trompete) sowie die jugendlichen Gesangssolistinnen Belana Pittin und Fenja Gerken einen besonderen Stempel aufdrückten. Werke von Giovanni Martini, Quincy Jones, Chick Corea oder Gabriel Fauré bescherten dem BachChor einige Ruhemomente und führten das Publikum vom 18. Jahrhundert über Jazz und Impressionismus bis in die Gegenwart.

John Rutter (1945 geboren) schrieb „This Is the Day“ für die Hochzeit des britischen Queen-Enkels William mit Kate Middleton, ohne jedoch plakativ glorios abzuheben. Es sind eher sanftere, leicht beschwingte, maßvoll feierliche Töne, die beeindrucken und oft andächtigen Charakter besitzen. Die Stücke von James MacMillan (Jahrgang 1959) blicken tiefer in Trauer und Trost, wirken in ihrer Schlichtheit ergreifend, klagend und fallen in der Aussage markant aus: Beiträge, die ein hohes Maß an Konzentration erfordern, Reibungen müssen dabei erzeugt werden und dennoch der versöhnliche Aspekt immer wieder durchklingen. Das gelang hervorragend, vor allem in „Splendoribus sanctum“ mit Trompeten-Einwürfen.

Im zweiten Teil dominierte unterhaltende Musik, jazzig durchpulst, darunter das flirrende „Blue Eyes“ von Elton John, der „Piano Man“ (Billy Joel) oder das fröhliche „Seasons of Love“ aus dem Musical-Hit „Rent“ von Jonathan Larson. Es waren klangsatte Plädoyers für Songs und Standards jenseits der Schubladen, zum Beispiel das emotional aufgeladene Nocturno „Round Midnight“ von Thelonious Monk, das Anton Borderieux zum wunderbaren Ausrufezeichen formte. Die erfrischenden Arrangements begeisterten, wurden leidenschaftlich vom BachChor gesungen und stets präzise intoniert. Langer, herzlicher Applaus belohnte die Ausführenden.

Anschließend gab es Süßes aus dem Sudan, das die Flüchtlinge zur Verkostung bereitet hatten. Sie mussten allerdings passen, weil der Fastenmonat Ramadan allen Muslimen vor Sonnenuntergang den Verzehr von Speisen und auch Musik-Genuss untersagt. Für die Konzertbesucher war es Anlass, um das Gehörte im Gespräch nachklingen zu lassen. Den Erlös der Veranstaltung erhält die Barnstedter Flüchtlingsinitiative.