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Aufführung des Oratoriums „Elias“ in der Lüneburger Nicolaikirche

aat Lüneburg. Derart makellos intoniert gesungen, frisch, atemberaubend dramatisch, so erlesen musiziert von aus Hamburg und Hannover angereisten Musikern wird Mendelssohns „Elias“ wohl nur selten zu hören sein. Darin waren sich wohl alle Besucher der Nicolaikirche einig, die das 1846 uraufgeführte Oratorium unter Frank Löhrs Dirigat gehört und mitempfunden hatten.

Ein Highlight war schon die Ensemble-Zusammensetzung: Das Ahrensburger Kammerorchester, jährlicher Stammgast in St. Nicolai und von dem Pianisten und Dirigenten Frank Löhr seit 1997 geleitet, spielte in erweiterter Besetzung. Es musizierte in Bestform, ebenso wie der aus Studierenden der Hannoveraner Hochschule für Musik, Theater und Medien zusammengesetzte Chor. Dessen großes musikalisches Potenzial von mehr als 50 exzellent geschulten Stimmen weiß Löhr, der in Hannover eine Professur für Chor und Orchesterleitung innehat, intensiv zu nutzen. Nach gründlicher Probenarbeit konnte Lühr sich auf die Musikalität und das Gespür des Einzelnen für eine mitreißend präsente Ausdruckskunst verlassen. Relativ knappe Gestik des Dirigenten genügte, um die von Bach und der Barockzeit inspirierten, die frühe Romantik feiernden Melodien und Harmonien Mendelssohns aufblühen und wirken zu lassen.

Ein besonderes Händchen hat Löhr auch für den Einsatz der Solisten: Bis auf die Rolle des Propheten Elias wurden sämtliche Solo- und Ensemble-Partien dieses Oratoriums von Mitgliedern des Hochschulkonzertchors gesungen. Es waren fast 20 Sängerinnen und Sänger mit bemerkenswerten solistischen Qualitäten, die sich immer wieder aus den Reihen des Chors lösten, um vor dem Orchester Soli, im Duett, Terzett, Quartett und Doppelquartett zu singen: wunderbar klare Stimmen, deren Schlichtheit, Emotionalität und Ausdruckskraft bestachen.

Die anspruchsvolle Rolle des Elias aber hatte Löhrs Hannoveraner Kollege Henryk Böhm übernommen, ein gefragter Opern- und Konzert-Bariton, der seine kräftige und voluminöse Stimme jeder dramatischen und lyrischen Situation anzupassen weiß. Er verkörperte den Propheten stimmstark und glaubwürdig. Elias Gebet lässt Feuer und den vom Volk lange ersehnten Regen aus dem Himmel kommen. „Sein Wort brannte wie eine Fackel“, singt der Chor und: „Da der Herr ihn wollte gen Himmel holen, kam ein feuriger Wagen“. Mit der Oratoriendramatik mischte sich — wie gerufen — ein Gewitter über Lüneburg. Nach dem hymnischen Schlusschor ehrte minutenlanger stürmischer Beifall alle Ausführenden und nicht zuletzt Gesamtleiter Frank Löhr für diese Interpretation voller Glanzpunkte.