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Oboistin Sevgy Özsever bei ihrem Einsatz für Bach und für das Bachorchester. Foto: t&w
Oboistin Sevgy Özsever bei ihrem Einsatz für Bach und für das Bachorchester. Foto: t&w

Das Bachorchester spielte in der Klosterkirche Lüne

hjr Lüneburg. Herausragende Talente haben schon mehrfach den Konzerten des Lüneburger Bachorchesters einen Stempel aufgedrückt. Jetzt war der junge Geiger Tobias Feldmann erneut zu Gast und versetzte das Publikum in der ausverkauften Klosterkirche Lüne in wahre Verzückung. Der bereits elfmal international ausgezeichnete Preisträger, darunter Gewinner des berühmten Brüsseler Königin Elisabeth Wettbewerbs, übernahm in Mozarts Violinkonzert den Solopart und erhielt dafür prasselnden Applaus.

Alles in A-Dur: Das Sommerprogramm des von Leonie Hartmann geleiteten Streicherensembles versprach heiter gelöste Klänge. Das garantierte Wolfgang Amadeus Mozarts Violinkonzert (KV 219). Tobias Feldmann ging mit seiner Stradivari von der ersten Sekunde an in die Führung, suchte intensiv Kontakt mit dem Orchester, inspirierte. Er lebt die Musik, der 24-Jährige ist eine ausgereifte Persönlichkeit mit großer Ausstrahlung. Er intoniert auf herausragendem technischen Niveau, verleiht den Kompositionen eine Tiefenschärfe, die weit über virtuose Brillanz hinausreicht. Er wechselt mühelos zwischen mildem Duktus und druckvollem Impetus, schwelgt, schmachtet, schmettert, streut Poesie ins Geschehen und bringt ein ganzes Kraftwerk zum Wohlklingen. So spannungsgeladen ist Mozart kaum je zu erleben.

Auch zum Auftakt war eine versierte Interpretin zu erleben: Sevgy Özsever von den Hamburger Philharmonikern gestaltete das Solo in Johann Sebastian Bachs Konzert A-Dur (BWV 1055). Drei Sätze mit schlanken Linien, von der Oboistin subtil ausformuliert. Sevgy Özsever erwies sich als hoch kompetente Solistin, das Bachorchester folgte ihr genau, setzte einige kernige Akzente.

Das Concerto für Streicher von Antonio Vivaldi besticht durch leidenschaftliches Auftrumpfen, Biss und jugendliche Frische. Die Instrumentalisten ließen sich davon anstecken, prächtig gelangen die dynamischen Differenzierungen. Mozarts populäre A-Dur-Sinfonie (KV 201) fächert in vier Sätzen ein beachtlich breites Spektrum auf, zwischen fröhlich ausgelassener Stimmung und nachdenklich introvertierten Momenten. Leonie Hartmann hatte das Orchester sorgsam auf den Abend eingestimmt, tarierte die Beiträge mit Bedacht aus. Langer, herzlicher Beifall.