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Der Kunstsoziologe Prof. Dr. Volker Kirchberg hat das kulturelle Netzwerk Lüneburgs erforscht. Foto: t&w
Der Kunstsoziologe Prof. Dr. Volker Kirchberg hat das kulturelle Netzwerk Lüneburgs erforscht. Foto: t&w

Die Universitätsgesellschaft lädt im Museum zum Dialog: Die Kultur und das Geld

oc Lüneburg. Der universitätsgesellschaftliche Dienstag, das ist ein sprachliches Monstrum, das dann doch ganz gut von der Zunge geht. Inhaltlich ist es ein Format, mit dem die Universitätsgesellschaft ihren Auftrag zu erfüllen gedenkt. Der lautet: Brücken bauen zwischen Universität und Stadt. Ort des nun vierten und vorerst letzten dienstäglichen Brückenschlags ist das Museum. Thema: „Das liebe Geld und die Kultur“. Ein weites Feld.

Referent war Prof. Dr. Volker Kirchberg, von Haus aus Kunstsoziologe. Er richtet fachbedingt einen sehr nüchternen Blick auf Strukturen: Wer ist wie mit wem vernetzt, wer hängt von wem ab? Das Team Kirchberg hatte in den Jahren 2007 bis 2011 eine ausführliche Studie am Beispiel Lüneburg durchgeführt. Dazu wurden Kulturakteure aufgelistet, vorrangig solche aus der Region, aber ebenso einige entfernte wie die Arno-Schmidt-Stiftung bei Celle, warum auch immer. Aus umfangreichen „egozentrischen Netzwerken“, die in Einzelinterviews entstanden, wurde schließlich ein gewaltiges Netz geknüpft, aus dem sich Schlüsse ziehen lassen. Die lagen und liegen für Kenner der Szene allerdings nahe, zum Beispiel, dass sich in Lüneburg Macht bzw. Verantwortung bei Fragen der Kulturförderung beim Oberbürgermeister und bei der Sparkassenstiftung ballen.

Dass eine Universität immer eigene Kreise in einer Stadt zieht, belegt die Studie ebenfalls. Das liegt in ihrer Natur und in ihrer Struktur. Ein Aspekt: Professoren und Studierende, die als Pendler in die Stadt kommen, erleben und beleben sie nicht als sozialen Raum. Es gibt aber aus Unibezügen stammende Initiativen, die nachhaltig in die Stadt wirken. Kirchberg nennt die Halle für Kunst. Es gibt da seit langen Jahren einiges mehr: Kulturforum, Salon Hansen, Vamos, Mondbasis und aktuell der Verein Zum Kollektiv, sie alle hatten einen Keim in der Universität. Sie bauen, wie die Universitätsgesellschaft, die erwünschten Brücken.

Es ist meistens leicht, bei Studien Lücken zu finden. Das ist auch bei der Kirchbergschen so. Nur ein Beispiel: Geht es um internationale Kontakte, verortet Kirchberg diese ausschließlich bei der Leuphana und ihren Satelliten (Kunstraum, Halle für Kunst). Da könnte zum Beispiel das Ostpreußische Landesmuseum mit seinem Netzwerk ins Baltikum, nach Polen und Russland gegenhalten, die Musikschule mit Schweden, Franzosen und Spanien. . .

Das kulturelle Netzwerk Lüneburgs ist, wie Kirchberg folgert, sehr stark auf sich selbst bezogen. Die Studie spiegelt dabei notgedrungen nicht den aktuellen Stand. Das Museum, die KulturBäckerei, das kulturelle Semesterticket, der Verein Zum Kollektiv waren 2007/2011 noch nicht präsent. Einige Schlussfolgerungen, die Kirchberg zieht, wären aber nach wie vor einen Streit wert. Die Kultureinrichtungen befinden sich der Studie zufolge in einer „ohnmächtigen Position“, haben demnach keine Macht, die Kultur der Stadt zu formen. Kirchberg propagierte auch darum einen Kulturentwicklungsplan. Der wurde in den Gremien der Politik und im September 2013 bei einem öffentlichen Symposium diskutiert — und verworfen.

Der universitätsgesellschaftliche Dienstag hat sich bewährt. Das Format ist auf Kommunikation in überschaubarem Kreis zugeschnitten. Mit rund 50 Besuchern stieß der vierte und bestbesuchte Abend bereits an eine Grenze. Dr. Klaus Bergmann, Vorsitzender der Universitätsgesellschaft, möchte das Format im Wintersemester alldienstäglich fortsetzen. Immer mit einem Impulsvortrag aus Reihen der Wissenschaft plus — diesmal knapp gebliebenem — Raum für die Diskussion.