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Holger Schäfer begleitet sich auf der keltischen Hakenharfe. Foto: t&w
Holger Schäfer begleitet sich auf der keltischen Hakenharfe. Foto: t&w

Musik, die heute noch wirkt

aat Lüneburg. Vor neun Jahren gründeten die Flötistinnen Katrin Krauß aus Hamburg und die damals noch in Lüneburg lebende Kerstin de Witt mit dem Göttinger Flötisten, Cembalisten und Harfenisten Holger Schäfer das Ensemble Trigon. Nun gastierte das inzwischen mit seiner volksnahen Musik des Mittelalters bis heute europaweit erfolgreiche Trio im Rahmen der Barnstedter Kapellenkonzerte und bot ein stilistisch breit gefächertes Programm mit eigenen Arrangements traditioneller, von uralten Melodien geprägter Musik.

Als Motto hatte das Ensemble den Titel seiner CD gewählt, „Vil lieber grüsse süsse“. Dieser bildreich philosophierende Minnesang des Südtiroler Sängers und Politikers Oswald von Wolkenstein aus dem 13./14. Jahrhundert stand neben Stücken aus derselben Zeit, einer markanten „Estampie“, einer anonymen Canconeta Tedesca und Brunwart von Augheims Sommerlied „Willekommen“. Die anspruchsvoll gedichtete mittelhochdeutsche Lyrik beherrscht Holger Schäfer, der es versteht, mit natürlicher, fein abgestufter Stimme zu singen und zu deklamieren. Er entdeckt das enorme Potenzial der alten Gesänge immer wieder neu. Deren zeitlose Schönheit und Gültigkeit wird durch den klaren Klang der keltische Hakenharfe bereichert, die der mehrfach mit Preisen bedachte Musiker beherrscht, ob sein Part nach alten Tabulaturen zu spielen ist oder improvisiert wird. Schäfer erzählte auch ein Märchen, zu dem er die Harfe lautmalen ließ. Die Rhythmik betont er mit Hilfe eines Schellenbandes am Fußgelenk, das er auch als Cembalist zuweilen kräftig mitbewegt. Für Antonio Vivaldis „La Follia“ ließ Schäfer das Cembalo rauschen oder zart zupfen wie eine Laute.

Stücke, die um 1700 John Playford sammelte, das vom Folk-Duo Simon & Garfunkel einst bekannt gemachte „Scarborough Fair“ sowie Irish Tunes und Lieder aus Skandinavien vervollständigten das um sangbare Volksmelodien kreisende Programm. Beide Flötistinnen sind Expertinnen für Techniken, die in alter Musik und Folk-Tunes gängig sind. Sie beherrschen eine exakte Parallel-Melodik und eine der jeweiligen Stilistik angemessene, sehr komplexe und niveauvolle Ornamentierungskunst. Katrin Krauß und Kerstin de Witt spielten ihre Renaissanceflöten und die „flauto dolce“ des Barock in jeder Hinsicht vollendet. Die „Tin Whistle“ aus Irland bläst Krauß in den Irish Tunes, während Kerstin de Witt hier das Geigenspiel übernimmt: Beide bezauberten durch höchst lebendige, anrührende Interpretationen.

Trotz raschester Tempi und meisterlicher Virtuosentechnik stehen Botschaft und Textaussage absolut im Vordergrund. Gerade die einfachen Volksmelodien sollten wirken, betonte Krauß, die das Konzert unterhaltsam moderierte. In der bis auf den letzten Platz besetzten Gutskapelle gab es überbordenden Beifall und als Zugabe ein Abendlied.