Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Kultur Lokal | Das Jahrmarkttheater zeigt ab 30. Juli in Wettenbostel „hamlet, ein mordspiel“
Der Kontrabass bekommt noch etwas Abendsonne, bald wird er für hamlet, ein mordspiel erklingen. Foto: oc
Der Kontrabass bekommt noch etwas Abendsonne, bald wird er für hamlet, ein mordspiel erklingen. Foto: oc

Das Jahrmarkttheater zeigt ab 30. Juli in Wettenbostel „hamlet, ein mordspiel“

oc Wettenbostel. Es ist der Abend, am dem der erste Durchlauf ansteht. Der Mann am Fagott pafft noch eine, Schauspieler lockern auf der Wiese Körper und Stimme, das haben sie so gelernt. Der Kontrabass von Thomas Matschoß ruht hinten an einem Weidepfahl, er kommt erst später zum Einsatz. Und Anja Imig, die wieder die Ausstattung für das Jahrmarkttheater Wettenbostel geschaffen hat, erzählt noch kurz von der dreistöckigen Torte, die sie am Morgen zum Geburtstag bekam. Aber jetzt: Konzentration! Alle Kraft für „Hamlet“, denn am kommenden Donnerstag, 30. Juli, ist ja schon Premiere. „Es ist das härteste Stück, das wir in dieser lieblichen Atmosphäre einstudiert haben“, sagt Thomas Matschoß, der Regisseur.

Mit Shakespeare hatte das Jahrmarkttheater vor acht Jahren begonnen, damals mit einer Komödie. Das Sommertheater auf dem Hof von Maria Krewet hat sich einen kultähnlichen Ruf erspielt. Besucher nehmen weite Wege auf sich, und hinter etlichen „Hamlet“-Terminen steht schon knallrot „Ausverkauft“. Das Theater, das sich jedes Jahr neu erfindet, kommt an. „Wir können es uns jetzt leisten, auch etwas Sperrigeres zu zeigen“, sagt Anja Imig.

Das ist „Hamlet“ sicher, die berühmteste der Shakespeare-Tragödien, die unendlich oft gezeigt und gedeutet wurde. Für Thomas Matschoß hat die Stückwahl Logik: „Wir haben uns schon bei den Stücken Dracula und History of Lagerfeuer die Frage gestellt, wie Gewalt und Gesellschaft zusammenhängen.“ Das wird nun zum Kernthema. Er sei ja kein Katastrophenprophet, sagt Matschoß, aber überall auf der Welt sei die Zunahme von Gewalt zu beobachten. „Was passiert, wenn Gewalt als Lösung von Konflikten eingesetzt wird? Das ist eben schon bei Hamlet sichtbar.“

Matschoß hat für „hamlet, ein mordspiel“ eine eigene Textfassung geschaffen. „Sie ist nah am Original, aber es gibt auch sehr deutliche Hinweise, dass es hier nicht um Hochkultur geht, sondern dass es mit uns und unserer Zeit zu tun hat“, sagt der Autor und Regisseur, der wieder selbst mitspielen wird, als Geist von Hamlets Vater — und als Musiker. Auch wenn es viel Musik (von Markus Voigt) gibt und einigen schwarzen Humor, es wird kein nettes Familienstück zu erleben sein, es geht um Mord, um Rache, um Wahn — es wird viel gestorben. Und es geht um die Frage: „Was ist der Mensch, wenn er aus seinem höchsten Gut, aus seiner Zeit, nicht mehr macht als zu schlafen und zu fressen? Ein Tier — nicht mehr.“

Mike Schlünzen, einer der Erfahrenen der Jahrmarkt­the­at­ler, wird den Hamlet spielen. Manuel Ettelt, Andreas Furcht, Leon-Silas Gärtner, Anna Sinkemat, Martin Skoda und Maika Viehstädt sind wieder dabei. Neu zum Team kommen Peter Neutzling, Susanne Walbaum und Herbert Imig, Anja Imigs Vater, der mal Schauspieler werden wollte, weltweit gefragter Arzt wurde und nun als Totengräber eine Art Debüt feiert. Er bekommt, wenn die Zeichen nicht trügen, viel zu tun.

Es steht ein Boot mitten auf der Pferdeweide, wie vom Himmel geworfen. „Hamlet“ spielt ja in Hälsingborg am Meer, aber das Boot hat auch etwas Irreales, Unheimliches, Nebel steigt heraus — ein Totenschiff. Das Boot ist deutbar wie das Stück, das sie spielen. Der erste Durchlauf beginnt aber vorn auf dem Hof, wo sich die Zuschauer sammeln werden. Ein Lied, das die Besucher hineinzieht ins Geschehen, erklingt, es folgt eine Vorstellung der Akteure. Und dann nehmen sie ihr Publikum mit auf die Weide, wo der Kontrabass wartet, das düstere Boot steht und das Wettenbostel-Hamlet-Weltentheater seinen Lauf nimmt.

Gespielt wird bis Ende August immer von Freitag bis Sonntag, immer ab 19.30 Uhr, nur die Premiere ist am Donnerstag.