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Bastian Borchardt (2.v.l.) arbeitet mit der Chinesin Deng Xia Cui, mit Perzada Mohammad (rechts) und seinem Sohn Teram. Foto: ff
Bastian Borchardt (2.v.l.) arbeitet mit der Chinesin Deng Xia Cui, mit Perzada Mohammad (rechts) und seinem Sohn Teram. Foto: ff

Kunst als Kommunikation — Angebot für Flüchtlinge in der KulturBäckerei

ff Lüneburg. Die Begegnung mit einem Löwen ist nicht ganz ungefährlich, der Umgang mit ihm könnte weh tun. Teram Mohammad ist ganz vorsichtig, Bastian Borchardt sitzt neben ihm: „Das Messer muss immer nach oben zeigen!“ Linolschnitt benötigt eben ein paar Regeln, damit das Messer, mit dem die Druckplatte bearbeitet wird, nicht in einen Finger rutscht. Und so nimmt der Löwe des sechsjährigen Teram langsam Formen an.

Sein Vater Perzada sitzt am gleichen Tisch, ebenfalls an einem Linolschnitt. Beide stammen aus Syrien, jetzt sind sie als Flüchtlinge im Lüneburger Meisterweg untergebracht. Und dort wiederum präsentierte ihnen Nina Lawryniuk von der Sparkassenstiftung ein Angebot, das gemeinsam mit der Stadt auf die Beine gestellt wurde: ein Kurs in den Räumen der Kunstschule Ikarus, also in der KulturBäckerei.

Angesprochen sind aktuell 84 Personen, sie kamen aus Syrien, Pakistan, Libanon, Afghanistan, China, Marokko, Mazedonien, Albanien, Viet­nam und Irak. „Bei einem ersten Vorstellungstermin war das Interesse groß“, sagt Nina Lawryniuk. Am ersten Tag stehen zwei Techniken zur Auswahl: Gundula Feller arbeitet mit ihren Gästen an der Drucktechnik, entstehen sollen Bilder und Texte aus der eigenen Biographie, die sich am Ende zu einem kleinen Buch zusammenfügen. Außerdem gibt es für kleine Kinder die Möglichkeit, auf einer Unterlage auf dem Fußboden nach Lust und Laune mit Pinsel und Farbe herumzufuhrwerken. Nebenan hat Christian Karberg das Material für eine Kunst-Technik vorbereitet, bei der immer zwei (oder vier) Personen, die sich gegenüberstehen, gemeinsam an einem Bild arbeiten. „Alle fünf Minuten ertönt ein Gong“, so Karberg, „dann wird das Papier umgedreht“. So entsteht mit der Zeit ein gemeinsames Gemälde.

Es geht also auch um den kommunikativen Aspekt der Kunst. Immerhin kommen die Teilnehmer, Kinder wie Erwachsene, aus allen Himmelsrichtungen, eine gemeinsame Sprache sprechen sie eher selten. Und so sieht etwa Karbergs Konzept für die fünf Termine aleatorische (also auf Zufall beruhende) Verfahren vor, Techniken wie intuitives Malen, Collage, Décollage, automatisches Schreiben (mit Zeichen, die nur ästhetische und keine inhaltliche Bedeutung haben) und Décalcomanie vor. Letzteres ist ein Vorgang, bei dem zunächst Farben aufs Papier gedruckt werden. Nach mehreren Durchläufen werden die Formen gedeutet und berarbeitet. Anderswo bilden die Initialen des Namens den Anfang der Bilder. Sie sind meist abstrakt, damit wird auch Rücksicht auf das Abbildungs-Verbot in manchen Religionen genommen.

Teram hat damit kein Problem, sein Löwe ist jetzt gut zu erkennen. Geplant ist nach dem letzten Kurstermin (10. August) eine kleine Ausstellung in der KulturBäckerei.