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Stefan Canham, Yule von Hertell, Sandra Hilleckes, Gilta Jansen und Joanna Schulte (v.l.) laden zur Ausstellung ins Kulturforum. Foto: t&w
Stefan Canham, Yule von Hertell, Sandra Hilleckes, Gilta Jansen und Joanna Schulte (v.l.) laden zur Ausstellung ins Kulturforum. Foto: t&w

„Zuhause“ Ausstellung im Kulturforum auf Gut Wienebüttel

oc Lüneburg. Sie haben die Wände gestrichen, Bilderleisten angebracht, also einiges dafür getan, um das Kulturforum ausstellungsfein zu machen. Ausstellungen hat es auf Gut Wienebüttel wenig gegeben in jüngerer Zeit, das Konzept hat sich stärker zu einem Gastspielbetrieb hin entwickelt. Im kommenden Herbst wird die Galerie aber stärker frequentiert sein, zuächst aber mal geht es ums Thema „Zuhause“ mit dem Untertitel „Für ein Schiff ohne Hafen ist kein Wind der richtige“, was ein Zitat des römischen Philosophen und Politikers Seneca ist. Es geht den vier Frauen plus einem Mann also um den Komplex: Wer bin ich und wo will ich sein und wie.

Zunächst sind da Bilder von Sandra Hilleckes. Die Lüneburgerin untersucht, wie Menschen und Räume in Verbindung treten. Zentral sind Bilder, in deren Hintergrund sich Scheinwerferwände aufzutürmen scheinen. Vor deren Sonnenuntergangsgelb öffnet sich eine weite Fläche Bühne, Eis, Meeresgrund? und auf ihr ermessen Menschen den Raum bzw. ihren Spielraum. Es geht etwas Skeptisches, Forschendes, Erwartungsvolles von den mitunter auf ihr bloßes Sein reduzierten Figuren aus. Der Deutungsraum, den Hilleckes lässt, ist auch groß.

In einem Nebenraum zeigt Stefan Canham Wagendorf-Bilder. Er romantisiert nicht, seine Bilder beziehen keine Position. Canham befasst sich mit urbanem Leben dort, wo es nicht urban wirkt. Die Aufnahmen sind direkt, roh, es sind keine Menschen zu sehen, und es passt auch, dass die Aufnahmen mit kleinen Nägeln in die Wand gehämmert sind.

Yule von Hertell lebt seit vielen Jahren in einem Bauwagen, sie hat schon häufiger dazu gearbeitet. Jetzt aber zeigt sie Collagen, in denen weniger das direkte Wohnen, sondern weiter gegriffen das Thema Identität im Zentrum steht. Das geschieht mit verbleichenden Fotografien, mit einem Stammbaum ihrer Familie, mit Strichmännchen-Konstellationen auf Schnittmustern und anderem Papier. Manches überlagert sich, so, wie sich Eindrücke, Erinnerungen, Mutmaßungen verfestigen und wieder auflösen können.

Mit einem Film stand Yule von Hertell auf der „shortlist“ für den Kunstpreis des Lüneburgischen Landschaftsverbands. Gewonnen hatte ihn und auch den Daniel Frese Preis Gilta Jansen aus dem Wendland, die in ihrer Kunst in der Regel unmittelbar auf Räume reagiert, mit Fundsachen und anderem einfachem Material Installationen schafft, die konkret sind und doch ein weites Assoziationsfeld öffnen. Letzteres passiert auch bei einem mit der Handykamera gefilmten Video und einigen Fotografien des Projektes „Tattooed“, das Gilta Jansen und Joanna Schulte entwickelten. Tattoos sind Brandzeichen, Verkleidungen, Markierungen wollen etwas über Identität und Selbstverständnis aussagen. Die Suche nach dem anderen in einem selbst braucht kein Hautmal. Video und Bilder zeigen Märchen-/Fantasygestalten, die aber in völlig banaler Umgebung bleiben. Monsteraffe, Hexe, Elfe, mit Mustern bemalte Kinder Erwachsene und Kinder gleichermaßen befinden sich in einem Prozess zwischen äußerer und innerer Wahrheit.

Da können sich Besucher auch hinbegeben, noch bis zum 2. August freitags (18-20 Uhr), sonnabends und sonntags (15 bis 20 Uhr). Am Sonnabend, 1. August, begleitet die Lüneburger Gruppe Disfunktion die Ausstellung mit einer Lesung.