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Kunststätte Bossard: Ausstellung über Ernst Barlach und die Musik

oc Jesteburg. Wer von innen musikalisch ist, den solle und müsse man lieben, schrieb der Künstler Ernst Barlach 1926 in einem Brief an Marga Böhmer. Sie war sehr musikalisch. Aber noch war sie mit einem anderen Künstler verheiratet. Marga Böhmer sollte bald die Frau an der Seite Barlachs sein, und sie hat nach seinem Tod gegen Widerstände von den Nazis und später auch von den Kommunisten das Werk des großen Expressionisten zusammengehalten. Barlach hatte ihr eine weitere musikalische Liebeserklärung gemacht, mit einem Exlibri, auf dem per Notenband ein Liebeslied zitiert wird. Als „Mann, der die geheimen Melodien hört“, empfand sich Barlach schon 1908 und so heißt jetzt eine bemerkenswerte Ausstellung in der Kunststätte Bossard.

Barlach (1870-1938) und Bossard, das wirkt wie zwei Seiten einer expressionistischen Medaille. Dort Barlach, der gern als konzentrierter, ernster Grübler gesehen wird. Dort der ins Große arbeitende Johann Michael Bossard (1874-1950), der sich im Wald bei Jesteburg einen visionären, mit Symbolik wuchernden Kunsttempel schuf. Barlach wird musikalisch mit Bach verortet, Bossard mit Wagner. Das sind Klischees. Dr. Gudula Mayr weiß es genauer, sie hat sich mit beiden Künstlern ausführlich befasst. Sie leitet seit 2009 die Kunststätte Bossard, über Barlach hatte sie promoviert, woraus sie folgern kann: „Diese Ausstellung hier ist eine Herzensangelegenheit.“

Gemein sei beiden Künstlern die Vorstellung vom Menschen als Wesen zwischen Himmel und Erde. Bossard habe zwei Dramen von Barlach besessen, einen direkten Bezug zwischen beiden habe es aber nicht gegeben. Ist bei Barlach immer das Irdische mit seinen Hoffnungen und vor allem seinen Zumutungen spürbar, so wird bei Bossard ein Drang nach oben, ins Himmlische, Sphärische präsent.

„Der Mann, der die geheimen Melodien hört“ war bereits in Güstrow bei der Barlach-Stiftung kennenzulernen. Im Ausstellungshaus bei Jesteburg ist platzbedingt ein hochwertiges Konzentrat der Ausstellung zu sehen. Es bietet die berühmten Werke zum Thema und vieles mehr. Zu sehen sind zum Beispiel die Skulpturen „Der singende Mann“ (1928) und „Der Flötenbläser“ (1936), der anmute wie ein Klagelied für alle Toten des Dritten Reiches, so Helga Thieme von der Güs­tro­wer Barlach-Stiftung. „Sein Spiel verströmt den Odem des Lebens in einer Zeit des Sterbens“, schreibt die Kuratorin in einem umfassenden Katalog, der die Ausstellung vertieft.

Vertreten sind bei Bossard frühe, etwas weniger bekannte Barlach-Arbeiten wie „Der bleibt ein Narr sein Leben lang“ und „Der blasende Pan“. In diesen ist ein anderer, vergleichsweise unbeschwerter Barlach zu entdecken. Gezeigt werden auch Arbeiten für den klotzig geratenen Entwurf eines nicht realisierten Beethoven-Denkmals. Es geht um den „Fries der Lauschenden“, und zu sehen ist auch ein Werkmodell zum „Schwebenden“ aus dem Güs­tro­wer Dom, Barlachs vielleicht berühmtestem Werk, das allerdings mit dem Thema Musik nicht wirklich zu tun hat.

Druckgrafik, Zeichnungen, Keramik, Gipsmodelle, Autographen die Ausstellung liefert bis 1. November einen guten Einblick ins Wirken Barlachs. Er suchte immer den tiefsten Kern eines Themas zu erfassen, was sich schon in der Fortsetzung des titelgebenden Zitats zeigt, denn er sah sich auch als Mann, „der alle Laute zu ihrer letzten Möglichkeit bringen möchte, da sie sonst doch nicht gelten können.“

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr.