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Herbert Feuerstein erzählt von seinem  wechselhaften Leben als Nobody und Promi. Foto: t&w
Herbert Feuerstein erzählt von seinem wechselhaften Leben als Nobody und Promi. Foto: t&w

Herbert Feuerstein liest in Lüneburg

ff Lüneburg. „Du bist und bleibst ein Laie, du bist nichts und du kannst nichts.“ Es war nicht besonders nett, was Harald Schmidt seinem Kollegen Herbert Feuerstein mitzuteilen hatte, kurz bevor sich der Vorhang für die Show „Schmidtein­ander“ hob. Aber der gebürtige Österreicher mit dem immer etwas irritiert wirkenden Gesichtsausdruck hatte in seinem ganzen Leben die Nehmerqualitäten eines Boxers bewiesen. Da wird so ein Spruch eben unter Lebenserfahrung abgespeichert. In neun Leben unterteilt er sein bisheriges Dasein im Dienste der Unterhaltung, „das hat nichts mit einer Katze zu tun, das hat sich einfach so ergeben“. Seine Autobiographie stellte Herbert Feuerstein jetzt, eingeladen von Lünebuch, mit einer gut besuchten Lesung im Palais am Werder vor.

Herbert Feuerstein, 1937 in Zell am See geboren, ist ein mit Preisen ausgezeichneter Kabarettist, Entertainer, Journalist, Musiker, er war 20 Jahre lang deutscher Chefredakteur der US-Satirezeitschrift „Mad“ und noch einiges mehr. Landauf, landab aber wird er zuallererst als Sideman von Harald Schmidt wahrgenommen, das ist eben die Macht des Fernsehens. Feuerstein kennt das schon von Interviews: Erst wird er brav nach seinem Leben und seinen Projekten befragt „aber spätestens nach zehn Minuten kommt die Frage: Wie ist der Schmidt denn so privat?“ Anstrengend offensichtlich, sie haben sich ausgesöhnt. Aber Schmidt nimmt in der Biographie „Die neun Leben des Herrn F.“ (Ullstein, 2014) ohnehin nur ein Kapitel ein.
Kunst, Kultur, Unterhaltung das war schon immer Feuersteins Welt. Er erzählt von seinem selbstgebastelten Marionettentheater („Dank meines Stimmbruchs konnte ich die Gretel ebenso wie die Hexe sprechen“) und von seinen Anfängen als Musikjournalist in Salzburg. Feuerstein: „Meine Kritiken waren boshaft“ nicht ewa, weil die Künstler schlecht spielten, sondern weil es einfach Mode war. Ein Trio, das er lustvoll verrissen hatte, revanchierte sich prompt im Café mit ein paar Ohrfeigen, österreichisch: Watschen. Das bekam ein anderer Journalist mit, der die Musiker nun in großen Lettern als „Watschen-Trio“ taufte.

Im Grunde schildert Herbert Feuerstein „Wenn ich die Wahl zwischen zwei Übeln habe, wähle ich immer beide“ sein Leben als Folge von Pleiten, Pech und Pannen. Das stimmt natürlich nicht, ist aber sehr unterhaltsam. Der eher kurzgewachsene Komiker hält es mit Woody Allan: „Wenn du es geschickt anstellst, hat das Publikum mehr Sympathie für den Verlierer als für den Sieger.“ Einen riesigen Fundus an Anekdoten hat Feuerstein angesammelt, als Reporter in New York, zuständig für „hemmungsloses Trauergesülze“ (also für Nachrufe) etwa, als TV-Mann und als Macher von „Mad“, dessen kultige Truppe er ebenfalls in NY kennenlernte, vom legendären Don Martin bis zu Boss Bill Gaines. Als Feuerstein es schaffte, die Auflage in Deutschland von 15000 auf 400000 Exemplare pro Monat hochzuschrauben, hatte Gaines ein kostbares Geschenk für ihn: einen Gutschein für ermäßigten Eintritt im Museum of Modern Art, Wert: acht Dollar. Wieder so ein Tritt in den Hintern, wieder Lebenserfahrung, wieder eine Anekdote. „Mad“, das „vernünftigste Magazin der Welt“, war die Zeitschrift des gepflegten Blödsinns, Geschichten unterbrach Feuerstein etwa mit „Fortsetzung auf Seite 37“ ein running gag, Mad-Hefte hatten 36 Seiten. Diese Zeit nennt Feuerstein heute „mein eigentliches Lebenswerk“.

Bei dem Thema Partnerinnen ist der Autor kürzer, Feuerstein ist jetzt in dritter Ehe verheiratet, sie tauchen in dem Buch kaum auf. „Frauen habe ich nie verstanden“, sagt er er in Lüneburg. Es gab viel zu lachen an diesem Abend, aber eben auch die leisen, nachdenklichen Momente, in denen der Grübler und Skeptiker zutage tritt. Das Publikum dankte mit langem (Fortsetzung auf Seite 29)