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So glücklich macht Musik: Aliou Touré von der Band  Songhoy Blues aus Mali reißt das Publikum mit, die Gruppe ist eine der Entdeckungen des Festivals. Foto: t&w
So glücklich macht Musik: Aliou Touré von der Band Songhoy Blues aus Mali reißt das Publikum mit, die Gruppe ist eine der Entdeckungen des Festivals. Foto: t&w

A Summer’s Tale: Vier Tage sind ein Sommer +++ mit Fotogalerie und Videos

oc Westergellersen/Luhmühlen. Folkert Koopmans hat gerade den Gegenwert einer schönen Villa in den Sand gesetzt. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt er. Denn der Chef von FKP Scorpio sieht es nach dem Festivaldebüt von „A Summers Tale“ so: Er hat das Geld nicht in den Sand des Reitgeländes bei Luhmühlen gesetzt, er hat es investiert in Klänge, Worte, Bilder und eine Atmosphäre, die den mehr oder weniger 7000 Besuchern für vier Tage ein Lächeln ins Gesicht schrieb. Das Lächeln wird ein Jahr halten, denn schöner und beglückender hätte dieses Festival nicht starten können. Tolle Musik, schönes Gelände, reiches Rundumprogramm, großartiges Publikum und bis hin zu den 200 Volunteers ein superfreundliches Team vier Tage, die ein ganzer Sommer sind!

Koopmans ist ein harter Rechner, sein Unternehmen zieht 15 Festivals in Europa durch, dazu Tourneen und Clubkonzerte. Vielleicht, sinniert der 51-Jährige kurz, liege dieses neuartige Festval ja daran, dass auch er älter werde. Ihm liegt spürbar etwas am Gelingen des Formats, mit viel Platz, Kunstinstallationen, Literatur, Filmen, Workshops von Yoga bis Wein, Nachhaltigkeit vom regional geprägten Essen und Trinken bis zur Müllverwertung. „Alle Workshops waren komplett überrannt“, stellt Koopmans fest. Der Weinkurs fand nicht ein-, sondern sechsmal statt, aus zwei wurden sieben Paddeltouren usw.

„Wir brauchen natürlich ein paar Leute mehr“, sagt Koopmans mit Blick aufs Publikum. Das Gelände kann in Teilen vergrößert werden. Die Obergrenze sieht Koopmans bei gut 20000 Besuchern, um allen genügend Freiräume bieten zu können. Eineinhalb Jahre hat ein Team um Julia Baer das Festival bis ins Detail organisiert. Sie sagt nicht viel als Fazit, sie strahlt nur: „Es ist wahnsinnig schön zu sehen, was man so lange geplant hat.“ Der früheren Leuphana-Studentin haben es gerade die vielen Punkte im Kulturprogramm angetan. „A Summers Tale“ will vieles sein, jeder soll sich da seine eigene Geschichte schreiben.

Die verlaufen alle friedlich. Auch das DRK hat keine dramatischen Geschichten mitzuteilen, „das hatten wir hier schon ganz anders“, sagt Sprecher Jan Bauer. Aber wenigstens Dr. Roland Wörmer sollte doch einen kritischen Blick aufs Ganze haben, schon von Berufs wegen, er vertritt schließlich das reiterliche Ausbildungszentrum Luhmühlen. Wörmer hat aber keine Kritik, er spricht von einem Leuchtturmprojekt. Und Arndt Conrad von der Samtgemeinde Gellersen, der Genehmigungsbehörde, stellt nur fest: „Alles ist vorbildlich eingepegelt.“ Die Polizei kam gar nicht erst zur Pressekonferenz. Sie habe nichts mitzuteilen.

Es gibt keine Besoffenen-Exzesse in diesen vier Tage. Ganz im Gegenteil. Es herrscht die erhoffte Urlaubsstimmung. Rund 250 Kinder tollen übers Gelände. Fast alle tragen, wenn die Konzerte laufen, Schallschutz. Als erstes ausverkauft waren, sagt Koopmans, die Komfort-Campingangebote. Dort mieteten sich viele Familien ein. Das Gelände für Wohnmobile, Camping sei ausbaubar, sagt Dr. Wörmer.

Macher und Besucher scheinen am Ende gleichermaßen happy. Einer, der sich anstecken lässt, ist Schauspieler Tom Schilling. Er stellt seinen Film „Oh Boy“ im ZeltRaum vor und bleibt. Beim letzten Konzert des Festivals bekommt er einen kurzen Extra-Auftritt als Co-Sänger bei Calexico.

Kritik gibt es natürlich, die betrifft zum Beispiel zu lange Wartezeiten an Essständen. Manche waren zu früh ausverkauft. Am regionalen Konzept aber wolle man festhalten, nicht die üblichen Fast-Food-Anbieter holen, sagen Koopmans und Matthias Graf, der das Gelände vermarktet.

Auf eine besondere Farbe legt Koopmans auch bei der Musik weiterhin Wert. Es sollen bei „A Summers Tale“ nicht die Bands spielen, die im Sommer überall rumrocken. Er verweist auf eine Band wie Songhoy Blues. Sie ist mit Kollegen am Morgen im Film „They will have to kill us first“ zu sehen, eine Doku über Musiker aus Mali, die unter einem islamistischen Regime leben, das ein Musikverbot verhängt hat. Am frühen Abend rockt Songhoy Blues um Sänger Aliou Touré im ZeltRaum und alle tanzen zu diesem Afro-Punk-Blues-Mix, da ist das Festival RocknRoll.

Die Französin Zaz verblüfft alle, die ihren Weg nicht verfolgt haben, mit einem Jazzformat, das Paris und Las Vegas vereint hochwertig, aber Lichtjahre entfernt vom fröhlichen Chanson-Pop. Sophie Hunger spielt ein temperamentvolles Set und entschuldigt sich, dass sie aus Übermut eine große Wasser(plastik)flasche ins Publikum schleudert. Die kapriziöse Tori Amos liefert ein vor Intensität knisterndes Solokonzert ab, das sicher in der Laeiszhalle noch stärker gewirkt hätte. Sie ist eine großartige Pianistin, hat ihre Stimme perfekt im Griff, singt eigene Stücke und Covers von Nirvana und Steeley Dan. Get Well Soon sorgt für einen stimmungsvollen Beitrag, Filmmusiker Yann Tiersen für ausgefeilte Musik aus klassischem Instrumentarium und elektronischen Sounds. Zum Finale bitten die Texmex-Rocker von Calexico zum Abheben, mit Mariachi-Trompeten, Gastgeigerin Anne de Wolff und guter Laune, die nun ein Jahr halten muss. Dass sie Punkt 0.00 Uhr Schluss machen, das muss wohl so sein. Eine Zugabe, das wäre schön gewesen. Ach, ja, noch was Kritisches: Die schönen blauen T-Shirts vom Festival, die sind natürlich auch ausverkauft.

Das Echo auf das Festivaldebüt hallt von der Hannoverschen Allgemeinen über Welt und Süddeutsche Zeitung bis Deutschlandradio Kultur und weiter in alle Netze. Es ist ausnahmslos so, dass der künftige Erfolg gesichert sein sollte. Darum das Wichtigste zum Schluss: 3. bis 6. August 2016, der Vorverkauf beginnt in Kürze.

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