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Sommer­oper open air: Nabucco wird beim Tournee-Stopp in Adendorf gefeiert. Foto: t&w
Sommer­oper open air: Nabucco wird beim Tournee-Stopp in Adendorf gefeiert. Foto: t&w

Nabucco in Adendorf — Oper mit Schunkeleffekt

kwl Adendorf. Es ist eine Geschichte, die von Liebe, Unterdrückung, Intrigen und Macht handelt. Giuseppe Verdis Freiheitsoper „Nabucco“ ist nicht nur stark politisch orientiert, sondern auch voller Dramatik und großer Musik. Dennoch erinnert die Open-Air-Aufführung im Castanea Golf Resort in Adendorf ein ganz klein wenig an ein Helene-Fischer-Konzert. Was keineswegs an der Inszenierung und dem Spiel der schlesischen Staatsoper Bytom und ebenso wenig an der musikalischen Leitung von Tadeusz Serafin liegt. Vielmehr ist es die gute Stimmung der knapp 1000 Zuschauer, die laue Sommernacht und vor allem der Gefangenenchor, der Ohrwurm „Va pensiero, sull ali dorate“, dem populärsten Stück dieser Oper, das mit drei Zugaben mitgeschunkelt und mitgesummt wird.

Schon Adendorfs Bürgermeister Thomas Maack lässt bei der Begrüßung der Gäste keinen Zweifel daran, dass im „schönsten Ort Niedersachsens, wenn nicht sogar Deutschlands“ ein Abend voller guter Laune erwartet wird. Das verspricht auch die Golf-Resort-Managerin Marion groß Osterhues von der elf mal acht Meter großen Bühne auf dem satten, kurz geschnittenen Golfrasen.

Gut 100 Mitglieder zählt das Ensemble der Oper Bytom, 40 Musiker davon das Orchester im Zelt neben der Bühne. Zusammen erzählen sie die biblische Geschichte von Nabucco, also Nebukadnezar II. (Bariton Adrij Shkurhan), König von Babylon (605 bis 562 v. Chr.), der Jerusalem belagert. Die Einwohner beten unter dem Hohepriester Zaccharia (Baß Cezary Biedsiadecki) um Gottes Schutz. Zaccharia rät den Hebräern, Fenena (Sopran Iwona Noszczyk), Nabuccos Tochter, als Geisel zu nehmen und gibt sie in die Hände Ismaels (Tenor Sylwester Kostecki), dem Neffen des Königs von Jerusalem. Fenena und Ismael lieben sich, und die Gefangene wird wieder befreit, kehrt als künftige Herrscherin Babylons zum Vater zurück. Doch auch die vermeintliche Erstgeborene Nabuccos, Abigail begehrt den Thron und Ismael. Sopranistin Malgorzata Knec-Adjukiewicz ist als Abigail die herausragende Stimme des Abends.

Als Nabucco verlangt, als Gott angebetet zu werden, verfällt er dem Wahn. Abigail nutzt die Gunst der Stunde, lässt sich vom Hohepriester die Macht übertragen und will Fenena beseitigen. Doch Nabuccos geistige Umnachtung fällt von ihm ab, nachdem er sich dem Gott der Hebräer unterwirft. So befreit er seine Tochter Fenena. Abigail sieht, dass alles verloren ist, vergiftet sich und fleht um Verzeihung. Gottes Macht offenbart sich und siegt über den babylonischen Gott Baal, dessen Götzenbild zerbricht.

Das Schauspiel und die Kostüme werden von der Kulisse eines bizarren Wolkenhimmels, durch den sich die Sonne immer wieder ihren Weg bahnt, unterstützt. Und nachdem Verdis „Va pensiero, sull ali dorate“ erstmals erklungen ist, kommen die ersten Hurra-Rufe aus dem Publikum. Da stört es auch nicht, dass Biedsiadecki und Shkurhan kurz die Stimme wegbricht. Nach der dritten Zugabe des Gefangenenchors gehen die Zuschauer beschwingt nach Hause.