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Gemeinsam sichten Hans-Wolfgang Lesch, Renate Cordes, Gaby Makowski, Henry Makowski und Wolfgang Prause das Foto-Material. Foto: ff
Gemeinsam sichten Hans-Wolfgang Lesch, Renate Cordes, Gaby Makowski, Henry Makowski und Wolfgang Prause das Foto-Material. Foto: ff

Museumsvereins Dahlenburg: Büchner und die stillen Helden

ff Dahlenburg. Rund tausend Soldaten starben am 16. September 1813 in der Göhrde. Preußische und russische Truppen, Briten und Hannoveraner, das Lützower Freikorps, Mecklenburger und Schweden besiegten ein Heer Napoleons. Das sind tausend Tragödien historisch allerdings zählte die Schlacht, die nur rund zweieinhalb Stunden dauerte, nicht zu den entscheidenden „allein im Jahr 1813 gab es in diesem Zusammenhang 21 Schlachten“, so Hans-Wolfgang Lesch von der Leuphana Universität. Zum 200. Jahrestag von Waterloo jedoch rückt alles, was mit Napoleon zusammenhängt, wieder in den Blick. Und: Eine Schlacht hat, über das Strategische hinaus, unendlich viele Facetten. Einige davon will der Museumsverein Dahlenburg beleuchten.

Zentrum der Erinnerung ist ein Diorama mit 1500 handbemalte Zinnsoldaten in der St. Laurentiuskapelle. „Wir wollen uns aber vom reinen Kriegsgeschehen verabschieden“, so Vize-Vereinsvorsitzender Wolfgang Prause. Mit einer Sonderausstellung ab 18. September sollen beispielsweise die „stillen Helden“ in den Blickpunkt rücken: Unter dem Titel „Glanz und Elend der Göhrde-Pferde“ gestaltet der Filmemacher und Naturschützer Henry Makowski Bildtafeln, in denen die Opfer und die Bedeutung der vierbeinigen Schlachtenteilnehmer gewürdigt werden. Mit seinen weiten Flächen, so Makowski, habe etwa die Lüneburger Heide als Übungsgebiet für berittene Truppen entscheidende Bedeutung gehabt. Zudem war ein Heer immer auch ein Wirtschaftsfaktor: Soldaten und Pferde mussten schließlich versorgt werden, ganze Familien zogen mit der Truppe und plünderten mitunter die Gefallenenen zielstrebig, effizient und skrupellos.

Über „Aufstieg und Ende Napoleons und die Neuordnung Europas 1815“ hat Hans-Wolfgang Lesch eine vierteilige Film-Reihe mit einführenden Vorträgen konzipiert, die Göhrde-Schlacht wird in ihren historischen Kontext eingebettet. Nach der Krönung zum Kaiser 1804 traf Napoleon bei seinen Eroberungskriegen gegen Österreich, Preußen und Russland auf ein „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nationen“, das im Wesentlichen aus Mittel- und Kleinstaaten mit zerstrittenen Provinzfürsten bestand.

Dazu passt, dass etwa das in Zusammenhang mit der Schlacht bekannte Lützower Freikorps, so Lesch „aus Partisanen gebildet wurde, die hinter der Front nach ihren eigenen Vorstellungen und ohne Order agierten“. Zu sehen sind Filme unterschiedlöicher Herkunft: „Austerlitz“ (D./F., 2006, 1. September), „Krieg und Frieden“ (USA/I., 1956, 8. September), „Lützower“ (DDR, 1972, 15. September) und „Waterloo“ (I./UdSSR, 1970, 22. September).

Napoleon geschlagen und verbannt, die ewige Bedrohung durch den demagogischen Korsen beseitigt: Im Deutschen Reich herrschte, anknüpfend an die Französische Revolution, gesellschaftspolitische Aufbruchstimmung und die Enttäuschung folgte umgehend. Das Land fiel nach dem Wiener Kongress (1814/15) in seine starre, mittelalterlich anmutende Feudalordnung zurück, das aufstrebende Bürgertum wurde in seiner Macht wieder beschnitten. Restriktionen, willkürliche Verhaftungen im rechtsfreien Raum, „alles wurde schlechter, die Zustände in Deutschland waren zum Teil unterträglich“, so Lesch, „und das lässt sich gut am Beispiel Georg Büchners darstellen“. Das Leben des Dichters (1813-1837) war „eine glühende Revolte gegen Denken, Fühlen und Kunst seiner Zeit“. Über Büchner und die Zeit von 1815 bis 1848 hält Lesch einen Vortrag („Ein revolutionärer Dichter in der Zeit der Restauration“, 13. Oktober), es folgt am 20. Oktober wiederum ein Film („Addio, piccola mia“, 1979).

Alle Vorträge und Filme beginnen um 19 Uhr im Orchideengarten Karge, nicht im (unbeheizbaren) Heimatmuseum.