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Nicht ohne die roten Schuhe  sie sind, neben der Brillanz ihrer Musik, das Markenzeichen des Armida-Quartetts. Foto: t&w
Nicht ohne die roten Schuhe sie sind, neben der Brillanz ihrer Musik, das Markenzeichen des Armida-Quartetts. Foto: t&w

Schleswig-Holstein Musik Festival: Konzert des Armida-Quartetts in der Lüner Klosterkirche

aat Lüneburg. Nicht erst seit sie 2012 den Sieg, den Publikumspreis und sechs weitere Preise aus beim ARD Musikwettbewerb errungen haben, ist das Armida-Quartett auf hochkarätigen Festivals gern gesehener Gast. Martin Funda, Johanna Staemmler (1. und 2. Violine), Teresa Schwamm (Viola) und Peter-Philipp Staemmler (Violoncello) werden wegen ihres ausgereift virtuosen, taufrisch akzentuierten und facettenreichen Interpretationsstils gefeiert. So auch im Kloster Lüne, wo das Berliner Ensemble im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals Streichquartette von Mozart, Schostakowitsch und Tschaikowsky darbot.

„Armida“ den Namen hat sich das junge Ensemble nach einer Oper gegeben. Viele Komponisten vertonten den Torquato Tasso zugeschriebenen Stoff um die Zauberin, die ihr Hexenwerk nutzte, um den Kreuzritter Rinaldo auf ihrer Insel einzusperren. Doch Haydn schrieb nicht nur die Oper „Armida“, sondern hob auch das Genre des Streichquartetts aus der Taufe. Die Besetzung des Armida-Quartetts ist genial, ihr Klang atmet einen unmittelbar spürbaren, gravierenden musikalischen Konnex. Das Zusammenspiel scheint die Fähigkeiten aller zu potenzieren, Kompositionen aus ferner Zeit stilauthentisch und dabei zum Leuchten zu bringen.

Erst zwischen 30 und 33 Jahre alt, kultivieren die vier Streicher eine gemeinsam entwickelte Ausdruckskunst voller Elan und die Phantasie anregende Überraschungen. Im Namen der Zauberin schmücken sie Mozart klangbetörend, versehen auch Tschaikowskys und Schostakowitschs Musik mit einer sehr fein schattierten Dynamik, einer ausbalancierten Übereinstimmung spielerischer Nuancen, mit ausgehörten Kantilenen, farbenfrohen Klangteppichen. Atmosphärische, robust gestrichene und dann wieder überaus zart gepinselte Klangbilder entstehen. Nicht zuletzt ergibt sich oftmals eine mitreißende tänzerische Laune, unterstützt auch vom Mitwippen der beiden Damen in ihren für sie typischen roten Schuhen.

Mozarts nahezu ohne Vibrato gespielte Quartette in A Dur und B-Dur (KV 169 und 589) umrahmten das Programm, ein frühes Stück des 14-jährigen und ein spätes des 34-jährigen Komponisten. Das diese Musik jung ist und doch so reif, reif und doch so jugendfrisch, strotzend vor Ideen, dialogischer Energie und Enthusiasmus, zeigten die Berliner mit delikater Spielperfektion und Klangsensibilität in äußerst flinken Allegros, eleganten Menuetten und charmanten langsamen Sätzen. Schostakowitschs Opus 118 in As-Dur klingt selten so federleicht, von Schwerelosigkeit, faszinierenden Klangwogen und rhythmischern Flüsterformeln beflügelt. Tschaikowskys 1863 entstandene Fünf frühe Stücke schwelgten in Melodien und Lauffeuerwerk, eine breite dynamische Palette und ungewohnte Akzente legten verblüffende Zusammenhänge frei.

Die für Streicher ideale Akustik der voll besetzten Klosterkirche bescherte zusätzlich Klangreichtum, gut auch für den transparenten Wohlklang von Bachs Kontrapunctus 1 aus der „Kunst der Fuge“ die Zugabe nach langem Beifall.