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Noch ein Tipp von Hans Gerzlich: Clevere Arbeitnehmer nutzen ihre vermögenswirksamen Leistungen, indem sie sich für daheim den gleichen Drucker wie im Betrieb anschaffen. So können Sie auch die Druckerpatronen abgreifen. Foto: t&w
Noch ein Tipp von Hans Gerzlich: Clevere Arbeitnehmer nutzen ihre vermögenswirksamen Leistungen, indem sie sich für daheim den gleichen Drucker wie im Betrieb anschaffen. So können Sie auch die Druckerpatronen abgreifen. Foto: t&w

Payback-Punkte für Wähler

sel Lüneburg. Bis vor kurzem war der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann und studierte Wirtschaftswissenschaftler selbst noch im mittleren Management tätig. Daher weiß Hans Gerzlich ganz genau, wie man am Arbeitsplatz für Lacher sorgen kann. „Schreiben Sie die Stelle Ihres Vorgesetzten in der Samstagsausgabe der FAZ aus“, rät er dem Lüneburger Publikum beispielsweise. Das sorge in jedem Fall für Bewegung am Arbeitsplatz. Auch am eigenen.

Oder: „Betreten Sie einen gutgefüllten Aufzug mit der Frage: Sind Sie auch zum ersten Mal in diesem Swingerclub?“ Hans Gerzlich, der im Kulturforum Gut Wienebüttel nützliche Tipps und Handlungsstrategien für den Arbeitsalltag verriet, weiß, was solche Spaßeinlagen bringen: „Man wird am nächsten Tag auf jeden Fall über Sie reden.“

„So kann ich nicht arbeiten“, lauten Erkenntnis und Programm des Kabarettisten, der deshalb im Wartezimmer gelandet ist mit der Diagnose Burnout. „Psyche gabs früher nicht, heute ist es die Nummer eins, noch vor Rücken“, weiß er als Leidgeplagter Patient und ausgebrannter Arbeitnehmer. Der 48-jährige Ex-Buchhalter kennt nicht nur die Gewinnerstrategien bei Meetings, etwa die „Strategie des letzten Wortes“, sondern er weiß auch, warum der Wähler nicht mehr zur Wahl geht. „Weil Wahlen immer sonntags sind. Wenn montags Wahlen wären und wir einen halben Tag frei bekämen und zusätzlich Payback-Punkte und Give aways, dann würden wir uns sogar zweimal anstellen.“ Natürlich ist Gerzlich für die Frauenquote. Genauso wie Angela Merkel.

Allerdings „auf freiwilliger Basis“. Schließlich hat sich unsere Kanzlerin auch nicht hochgeschlafen. „Hätte sie aber gern.“ Gerzlich seziert die Business-Welt, zieht süffisant über die Pofallas und Grubes her, ätzt über die Hitler-Dokus im Kultur-TV und schlägt ein Publikumsvoting vor, wie ER das nächste Mal sterben wird: a) Erschießen, b) Vergiften, c) Ertränken), und hinterfragt dabei auch die eigenen Gewohnheitslaster. „Warum besteht Sprite aus Chemie, aber in Pril ist echte Zitrone drin?“ Oder zum Thema medizinische Grundversorgung: „Ich nehme meine Medikamente mit Hähnchenfleisch auf. Verspüre ich morgens ein Kratzen im Hals, brate ich mir zwei Hähnchenschnitzel.“

Gerzlichs Programm ist vielschichtig, sein Humor bissig, seine Tipps praktisch: „Ziehen Sie den Bauch ein, wenn Sie auf die Waage gehen.“ Am Ende bedankt er sich bei einem begeisterten Publikum in einem gut besuchten Kulturforum dafür, dass es auch Kabarettisten unterstützt, die (noch) nicht per TV bekannt geworden sind. Gern geschehen, Gerzlich, so kann man arbeiten!