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Die jungen Musiker/innen aus Birmingham zeigen in der Lüner Klosterkirche ihr Können. Ihr Weg zur Violine führt über eine Lehrmethode, die nicht auf Noten, sondern auf Zusehen und Imitieren basiert. Foto: t&w
Die jungen Musiker/innen aus Birmingham zeigen in der Lüner Klosterkirche ihr Können. Ihr Weg zur Violine führt über eine Lehrmethode, die nicht auf Noten, sondern auf Zusehen und Imitieren basiert. Foto: t&w

Abgucken erwünscht – Konzert der „North Birmingham Suzuki Group“

aat Lüneburg. Mit ihrer Geigen-Lehrmethode hat Verena Sophie Lauer in England viel Erfolg. Seit ihrem Londoner Master-Abschluss unterrichtet sie Kinder ab einem Alter von 30 Monaten nach der „Muttersprachen“-Art des Violinpädagogen Shinichi Suzuki, die das Zuhören, Zusehen und Imitieren eines Vorspielers anstelle des Notenlernens in den Vordergrund rückt. In Birmingham steht der Geigerin, Musiklehrerin und Eurhythmikerin ein Orchester von 50 Violine spielenden Kindern zur Verfügung. Zehn junge Musikerinnen dieser „North Birmingham Suzuki Group“ und deren Angehörige kamen mit ihrer Leiterin für drei Konzerte nach Deutschland.

Verena Sophie Lauers erstes Ziel war Lüneburg, ihre Heimatstadt, in der sie von Kindesbeinen an die Musikschule besuchte. Mit einem abwechslungsreichen Programm zeigten die Kinder in der Klosterkirche Lüne ihr teils erstaunliches Können. Viele Stücke musizierten alle zusammen, die Augen konzentriert auf ihre Lehrerin und Vorspielerin gerichtet. Dazu gehörten deutsche Volkslieder, welche die Anfänger des Suzuki-Lehrprogramms in aller Welt spielen. Wir kennen sie als „Hänschen klein“, „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“ oder „Lang lang ists her“. Diese Lieder bekommen in anderen Ländern neue Titel, die Melodie aber bleibt dieselbe. Für manche Musik setzten sich die Kinder passende Hüte auf oder steckten sich Blumen ins Haar.

Nur hin und wieder bei den Kleinsten korrigierte Verena Sophie Lauer Geigen- oder Bogenhaltung. In wöchentlichem Einzelunterricht und in gemeinsamen Proben wurde beste Vorarbeit geleistet. Gut erkennbar war, zum Beispiel bei der jüngsten Mitspielerin Tiara (5), wie reibungslos die Imitationsmethode funktioniert, vor allem das Abschauen von Bogenstrich und Akzentuierung. Die älteren, allen voran Laura (13) und Pierce (9), die sich sogar an das Doppelkonzert von J. S. Bach wagten (Laura auch an den 1. Satz des Violinkonzerts in a-Moll von Vivaldi), musizierten in unterschiedlich zusammengestellten Gruppen, einstimmig und auch mehrstimmig. Klassisches stand neben Volksliedern und tänzen sowie und amerikanischen, englischen und schottischen Folk-Songs. Dabei waren Pachelbels „Kanon“, Tänze von Bach, Händel oder Lully, Dvoráks „Humoresque“ oder Brahms As-Dur-Walzer, „Loch Lomond“ oder „Fairy Dance“, „Ship in full Sail“, „Sleepy-Maggie“, „Fandango“ oder „Auld lang syne“, im Publikum zuweilen mitgesummt.

Zum Andenken an den in diesem Jahr verstorbenen 11-jährigen Simon, der ein engagiertes Mitglied der „Group“ war, wurde „Loves Walk“ gespielt. Was wohl jeder Zuhörer unmittelbar spürte, war die unverbrauchte und mitreißende Freude der jungen Instrumentalisten an der Musik und am vereinten Musizieren. Alle agierten mit kräftigem, langem Bogenstrich. Am Klavier begleitete sicher Hendrik Adam. Für ihren Auftritt bekam die Suzuki-Group viel Beifall, der wiederum mit einer Zugabe belohnt wurde.