Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Das Musikerprojekt Let´s Rock wird wachsen: Die Pläne studieren (v.l.) Unternehmer Jürgen Thiele, Organisator Kai Schewe und für die mitfinanzierende Sparkassenstiftung Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Stiftungs-Geschäftsführer Carsten Junge. Foto: be
Das Musikerprojekt Let´s Rock wird wachsen: Die Pläne studieren (v.l.) Unternehmer Jürgen Thiele, Organisator Kai Schewe und für die mitfinanzierende Sparkassenstiftung Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Stiftungs-Geschäftsführer Carsten Junge. Foto: be

Hier fühlen sich Bands wohl

oc Lüneburg. Ach, wie schön sind doch Klischees: Rockmusiker zertrümmern Hotelzimmer, verwüsten Probenräume, lärmen rund um die Uhr, saufen und huren rum. Tatsächlich steht bei den Peppones, einer der Bands des Übungsraumprojekts „Let´s Rock“ im Lünepark, ein echter Kasten Bier. Aber leider sind die meisten Flaschen noch geschlossen, und daneben steht „Radler alkoholfrei“, davon scheint mehr getrunken zu werden. „Wir hatten seit dem Start nicht einmal mit Vandalismus zu tun“, sagt der Lüneburger Unternehmer Jürgen Thiele, der die Idee zu „Let´s Rock“ hatte. „Wir haben hier eine tolle Atmosphäre“, sagt Kai Schewe, der sich Tag um Tag um das Haus kümmert, außerdem bei Achtung Baby trommelt. Am Freitag stellten die „Let´s Rock“-Macher neue Baupläne vor.

Auf der Homepage und der Facebook-Seite des Proberaumprojekts wird noch die Eröffnung am 6. Dezember vergangenen Jahres angepriesen. Die Kommunikation funktioniert also analog, man sieht sich, man spricht miteinander. Am Anfang stand eine Idee von Jürgen Thiele: Er hat sich mit seiner Firma Profi-Musik über Jahrzehnte mit Beschallung befasst und Rundum-Konzepte für Weltstars aus Jazz und Rock, für große Hallen und kleine Clubs gesorgt. Angefangen hatte Thiele einst als Strippenzieher für Lüneburger Bands wie Subway, und nachdem er seine Firma weitergab, gründete er eine Treuhandstiftung, um Bands professionelle Übungsräume zu bieten. Mit ins Boot stieg die Sparkassenstiftung Lüneburg, „das Ganze hat Modellcharakter“, sagt Geschäftsführer Carsten Junge.
Der erste Bau bietet drei Räume von 22 Quadratmetern, die sich je zwei Bands teilen. Dazu kommt ein variabel nutzbarer Raum samt Klavier, den Musiker temporär zum Proben mieten, zuletzt war das Felix Meyer. Es gibt zurzeit einige sehr prominente Interessenten. Die Räume sind energetisch und akustisch ausgetüftelt. Auch wenn in allen Räumen gerockt wird, stören sich die Bands nicht, und draußen ist nichts zu hören. Macht einer das Fenster aus, geht der Strom aus.

„Es gibt nichts Vergleichbares in Deutschand“, ist Jürgen Thiele sicher. Bedarf an Proberäumen besteht aber nach wie vor. Zurzeit gehen etliche Bands, die auf dem Coca-Cola-Gelände Räume haben, auf die Suche. Dort soll ein Gebäude abgerissen und neu gebaut werden. Betroffen sind unter anderem Gruppen wie What´zz Up, Piraten und Shity Beatles.

Der Bauantrag für den „Let´s Rock“-Neu- bzw. Anbau läuft. Im Idealfall würde man noch in diesem Jahr fertig, sagt Thiele. Entstehen wird ein Gebäude von rund 100 Quadratmetern, mit zwei großen Proberäumen von jeweils 42 Quadratmetern, jeweils plus Stauraum, Toilette, eigenem Eingang. Platz wäre dort für jeweils drei Bands. Die Kosten werden bei 140000 Euro liegen, verteilt auf Thieles Treuhandstiftung, die Sparkassenstiftung und Thieles eigenem Vermögen. „Das Konzept geht auf“, stellt Oberbürgermeister Ulrich Mädge fest, „weil es Leute machen, die sich in der Szene auskennen.“

Das Gelände zwischen Feuerwehr und Autowaschanlage bietet künftig bis zu 14 Bands Probemöglichkeiten. Wie viele Bands gibt es in Lüneburg? Um die 30, schätzt Thiele. Also fände fast die Hälfte der Szene hier einen Heimatort. Und da es mit den Rock´n´Roll-Klischees nicht weit her ist, soll es eine kleine, vielleicht mit einem Segel überdachte Terrasse geben. Da wird dann beim Quatschen das eine oder andere alkoholfreie Radler getrunken.