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Doppelt hilft besser: Heiderose Schaefke übergab an Intendant Hajo Fouquet gleich zwei Symbolschecks vom Freundeskreis, für Fidelio und für 60 Stuhlpatenschaften. Foto: t&w
Doppelt hilft besser: Heiderose Schaefke übergab an Intendant Hajo Fouquet gleich zwei Symbolschecks vom Freundeskreis, für Fidelio und für 60 Stuhlpatenschaften. Foto: t&w

Ein heißer Abend im Theater

oc Lüneburg. Ist das Band zerschnitten, kann das ja auch Gutes bedeuten. Wie eine „neue Einweihung“ sei dieser Tag im Theater, meinte Oberbürgermeister Ulrich Mädge, als er mit den Theaterleitern Volker Degen-Feldmann und Hajo Fouquet zu Beginn der Spielzeitstartgala — und zum Abschluss der zweijährigen Sanierung — symbolisch ein rotes Band durchschnitt. Zugleich kündigte Mädge an, dass die noch fälligen Brandschutzmaßnahmen aus kommunalen Haushaltsmitteln bezahlt werden sollen. Da geht es um einen hohen sechsstelligen Betrag. Und ganz grundsätzlich wurde der OB auch: „Wir werden alles tun, um das Theater auch künftig abzusichern.“ Wie das beim drohenden Defizit gelingen kann, das ist noch offen.

Das Theater freut sich über Freunde, es braucht sie dringend. Ganz nah dran ist stets der Freundeskreis, der beim Theaterfest einige neue Mitglieder gewann und sich 60-fach an der Aktion der Patenschaften für die neuen Sessel beteiligt. Zugleich hatte die Vereinsvorsitzende Heiderose Schaefke noch einen Symbolscheck der Freunde dabei: Mit 5000 Euro unterstützt der Freundeskreis die Opernproduktion „Fidelio“, mit der am 19. September der Spielbetrieb in Fahrt kommt.

Dass „Fidelio“ zumindest musikalisch Format besitzen wird, das zeigte Sonja Gornik. Die Sopranistin kehrt für die Leonore in der Beethoven-Oper zurück nach Lüneburg, bevor sie ein Engagement in Madrid annimmt und dann ins Ensemble des Staatstheaters Wiesbaden geht. Noch eine Rückkehrerin präsentierte sich im Laufe der langen Gala: Ilona Nymoen hatte vor rund zehn Jahren eine ganze Reihe von wichtigen Partien gesungen, nun kommt sie zum Operndoppel „Bajazzo/Cavalleria Rusticana“.

Besondere Aufmerksamkeit galt den Neuen: Kapellmeister Robin Davis und die Lüneburger Symphoniker haben hörbar einen Draht zueinander gefunden. Timo Rößner als frischer Tenor überzeugte, aus dem Ballett zeigte Marco Dalia ein starkes, preisgekröntes Solo. Agnes Hilbert, die als Gast kommt, wird im Musical „Kiss me, Kate“ einen temperamentvollen Kontrapunkt zu Ulrich Kratz setzen.

Quer durch den Spielplan führte der von Katja Stoppa und Friedrich von Mansberg moderierte Abend. Auch das Schauspiel kam zu Wort, in originellster Form bei Sean OCaseys „Ende vom Anfang“: Als pantomimische Lesung gab Regisseur Matthias Herrmann (Text) mit Martin Andreas Greif und Gregor Müller eine Kostprobe aus dem Stück. Einige Wiederaufnahmen kamen zu Wort, darunter „Anatevka“, „Auf der Arche um halb acht“, und Philip Richert ließ aus seinem „Discokugeln“-Liederabend die „Rinnsteinprinzessin“ aufs Publikum los.

Am Ende des 45 Minuten länger als geplanten Abends hieß es (aus „Kiss me, Kate“) noch „Es ist viel zu heiß“, was in gewisser Weise zu einem weiteren Debüt des Abends führt: Das gab die neue Klimaanlage. Da herrscht noch Regelungsbedarf, es war nämlich tatsächlich viel zu warm im Saal. Heißer nur wurde es anschließend im Zelt, wo Richert und seine Band As You Like It bis zur Sperrstunde und knapp drüber rockte.