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Ähnlichkeiten im Profil sind durchaus beabsichtigt, die Künstlerin demonstriert es: Karin Marquardt gab ihren Bildern von 1990/91 autobiographische Elemente. Foto: ff
Ähnlichkeiten im Profil sind durchaus beabsichtigt, die Künstlerin demonstriert es: Karin Marquardt gab ihren Bildern von 1990/91 autobiographische Elemente. Foto: ff

Ausstellung in der KulturBäckerei – Fest auf dem Boden stehen

ff Lüneburg. Es gab Tage, da wollte Karin Marquardt den ganzen Krempel hinschmeißen, und es gab Phasen des Glücks, der Euphorie und der ungebremsten Kreativität — wie das eben so ist, wenn man/frau jahrzehntelang als Künstler arbeitet. Die aktuelle Ausstellung in der KulturBäckerei dokumentiert eine glückliche, von Selbstbewusstsein geprägte Zeit; Titel: „Neunzig einundneunzig“, damit sind zwei Jahre gemeint, die sich an einen Besuch Japans mit einer Ausstellung in Mito anschlossen. Zu sehen sind nun vor allem Gemälde von starken Frauen, die mit den Beinen fest auf dem Boden stehen.

Die Kunsthistorikerin Charlotte Brinkmann formulierte es auf der Vernissage so: „Lebendige Frauen, die ihren psychologischen Ballast abwerfen“. Die Bilder wirken urwüchsig, unmittelbar, es gibt ausgeprägte Farbflächen, die Protagonisten werden unmittelbar mit den Elemente Feuer, Wasser und Luft konfrontiert. Mit fernöstlicher Folklore hat das alles nichts zu tun, eher mit dem Programm, von dem sich Karin Marquardt leiten lässt. Und da geht es um einfache geometrische Grundformen, die wiederholt, variiert, überlagert und in Schwingungen versetzt werden.

Anderswo hat Karin Marquardt lange Serien rein abstrakter, immer komplexer werdender Muster hergestellt. Hier aber, 1990/91, ordnen sich die Formen unter, sie stehen für die Beständigkeit, das Berechenbare in einer Welt, in der die Malerin nach Spiritualität sucht, dabei auch von Meditation und Reflexion spricht. Manche Gestalten tanzen oder sind mit dem Boot unterwegs und erzeugen eine gewisse Dramatik. In einer Serie kleinerer Arbeiten geht es leichtfüßiger und ironischer zu, oft bringt sich Karin Marquardt — deutlich erkennbar — selbst ins Spiel. Natürlich sind auch die großen Arbeiten Spiegelungen der eigenen Situation.

Karin Marquardt, 1957 in Lüneburg geboren, ist Diplom-Illustratorin und seit 1986 freischaffende Künstlerin. Sie gewann den Kulturpreis des Landkreises Lüneburg (2001) und den Dr. Hedwig Meyn Preis der Hansestadt Lüneburg (2012). Erschienen ist jetzt ein großformatiger, reich illustrierter 115-seitiger Katalog, herausgegeben von der Lüneburger Sparkassenstiftung; er beschreibt die vielen Wandlungen und Kontinuitäten im Werk Karin Marquardts. Die Arbeiten „neunzig einundneunzig“ stammen aus einer Zeit, so Charlotte Brinkmann, die von einer Aufbruchstimmung bei Künstlerinnen und vom Feminismus beeinflussten Positionen geprägt war. Diese Phase habe zwar eine Emanzipation vom männlich dominierten Kunstbetrieb gebracht, aber letztlich nur neue Mythen über weibliche Kunst erzeugt. Diesen Klischees aber hat sich Karin Marquardt in ihren weiteren Arbeiten entzogen. Die Ausstellung in der Dorette-von-Stern-Straße ist bis 27. September geöffnet, wochentags 10-18 Uhr, sbd./so. 13-18 Uhr.