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Philip Richert spielt Alceste, der allergisch gegen aufgesetzte Freundlichkeit ist und schnell grob wird, was auch Éliante (Ulrike Gronow) zu spüren bekommt. Foto: theater
Philip Richert spielt Alceste, der allergisch gegen aufgesetzte Freundlichkeit ist und schnell grob wird, was auch Éliante (Ulrike Gronow) zu spüren bekommt. Foto: theater

Ziemlich beste Feinde

lz Lüneburg. Um Unaufrichtigkeit und Heuchelei im Umgang miteinander geht es bei der ersten Schauspielproduktion der neuen Spielzeit im Theater Lüneburg. Zugleich wird die Frage aufgeworfen: Wie konsequent kann und soll man seine Prinzipien leben? Abgehandelt wird diese Frage in Molières berühmter Komödie „Der Menschenfeind“, die am Freitag, 25. September, um 20 Uhr Premiere im Großen Haus hat.

Im Mittelpunkt steht der Idealist Alceste (Philip Richert). Er hat genug von der vorgespielten Höflichkeit, Heuchelei und Oberflächlichkeit der höheren Gesellschaft, er will um jeden Preis aufrichtig und ehrlich sein und nimmt dafür in Kauf, sich mit seiner Prinzipienreiterei viele Feinde zu machen. Dummerweise verliebt er sich in Célimène (Beate Weidenhammer), die sich in der feinen Gesellschaft heimisch fühlt und ihre Zeit gern mit Tratschen verbringt. Alceste will Célimène zu einer Frau machen, die seinen Idealen entspricht. Sie jedoch ist nicht bereit, ihren Lebensstil aufzugeben und wendet sich von Alceste ab.

Molière war nicht nur Autor, sondern auch Regisseur, Schauspieler und Theaterdirektor. Er hatte das Glück, dass ihm Ludwig XIV. freundschaftlich zugewandt war. Sein Ensemble wurde 1665 zur Truppe des Königs ernannt. Den „Menschenfeind“ verfasste Molière 1666 im Dienste des Königs. Molière verkörperte selbst den Alceste in vielen Aufführungen, in der Figur spiegelt sich offensichtlich seine eigene Unlust, sich auf dem glatten Parkett der Hofgesellschaft opportunistisch zu verhalten.

Mit dem „Menschenfeind“ stellt sich Detlef Altenbeck dem Lüneburger Publikum erstmals als Regisseur vor. Altenbeck brachte bisher mehr als 50 Inszenierungen im Bereich Schauspiel, Oper und Musical an verschiedenen deutschen Häusern auf die Bühne, unter anderem in Düsseldorf, Berlin, Hamburg und München. Von 2001 bis 2007 leitete er zunächst das Musiktheater und Schauspiel am Landestheater Coburg, bevor er dort von 2008 bis 2010 Intendant war. Heute arbeitet er frei.

Auch für Bühnen- und Kostümbildnerin Bettina Köpp ist „Der Menschenfeind“ die erste Arbeit in der Hansestadt. Als Bühnenmalerin und -bildnerin arbeitete sie unter anderem für das Altonaer Theater, das St. Pauli Theater und das Schauspielhaus Hamburg. Außer Richert und Weidenhammer spielen Johannes Merz (Philinte), Matthias Herrmann (Oronte), Ulrike Gronow (Éliante), Britta Focht (Arsinoé), Martin Andreas Greif (Acaste) und Martin Skoda (Clitandre). Bis zum 20. Januar ist die Komödie zu erleben. Die Produktion wird vom Freundeskreis Theater Lüneburg unterstützt