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Barockmusik aus Bolivien – Das Ensamble Moxos. Foto: t&w
Foto: t&w st. Marienkirche Konzert Barockmusik aus Bolivien – Das Ensamble Moxos. Foto: t&w

Multikulti aus Bolivien

oc Lüneburg. Die Jesuiten hoben sich in der Zeit der Unterwerfung, Ausbeutung und Missionierung der Völker Südamerikas dadurch ab, dass sie grundsätzlich das Denken und die Gebräuche der Einheimischen respektierten. Sie lernten auch ihre Sprache, und bis heute hat sich eine eigenwillige Mischung indigener und christlicher Traditionen erhalten in der Architektur, auch in der Musik. Für diese steht das Ensemble Moxos aus San Ignacio de Moxos, einer Region im bolivianischen Teil des Amazonas. Im Rahmen einer Konzerttour durch Deutschland kam das Ensemble in die Lüneburger Marienkirche.

Das, was die knapp 20 jungen Musiker spielen, wird als Missionsbarock beschrieben. Tatsächlich beginnen sie mit einem Konzert und einer kurzen Messe, die ganz eng europäischen Vorbildern der Barockzeit folgt. Alles, was an diesem Abend erklang, stammt aus dem Missionsarchiv Moxos, in dem mehr als 15000 Handschriften und Partituren aus der Zeit der Jesuitenmissionen gesichert werden. Bekannte Namen finden sich da nicht, als berühmtester wäre wohl Domenico Zipoli (1688-1728) zu nennen.

Die Mitglieder des Ensembles um Raquel Maldonado sind Teil eines Musikschulprojekts, das von rund 200 Kindern und Jugendlichen besucht wird. Konzerte und der CD-Verkauf finanzieren das Sozialprojekt der Schule, auch die Pflege des Archivs. Von der katholischen Kirche unterstützte Tourneen wie die aktuelle sind dabei ein wichtiger Teil.

Los aber geht es in der Marienkirche und so wird es enden folkloristisch. Prächtiger Kopfschmuck und kleine Tänze sind Teil des Parts, aus dem eine ansteckende Lebenfreude spricht. Auf der anderen Seite stehen anrührende, unter anderem von einer ausgezeichneten Sopranistin getragene, der europäischen Tradition entliehene Beiträge. Richtig spannend wird es, wenn sich die Traditionen treffen und überschneiden wenn etwa ein barocker Beginn von Trommeln, Flöten und den Bajónes, einer Art Subbass-Panflöte, übernommen wird. Dabei verschmelzen Artifizielles und Authentisches. Nicht nur da, aber da besonders gibt es großen Beifall.

Das Konzert kam im Rahmen des 1200-jährigen Jubiläums des Bistums Hildesheim zustande. Dechant Carsten Menges erinnerte bei seiner Begrüßung an die seit fast 30 Jahren bestehende Partnerschaft des Bistums mit der katholischen Kirche Boliviens, zu der seit wiederum zehn Jahren eine Bleckeder Verbindung gekommen ist. Diese musikalische Begegnung war ein schöner Ausdruck für Gemeinschaft.